Die Auslegung der sieben Siegel

 

Die Auslegung der sieben Siegel 

(Auszug aus dem Buch von Dr. Ekkehardt Müller: "Der Erste und der Letzte")

 

1. Das erste Siegel (Offb 6,1-2)

 

a)  Auslegungsmöglichkeiten

Wichtig ist die Frage nach der Auslegung des ersten Siegels, denn dies entscheidet darüber, wie die anderen Siegel verstanden werden. Vertreter der präteristischen Sicht (zeitgeschichtliche Auslegung) plädieren in der Regel dafür, das erste Siegel buchstäblich zu verstehen. Dann ist der Reiter auf dem weißen Pferd eine militärische Gestalt. Häufig werden die Parther vorgeschlagen. Das Volk der Parther bedrohte das Römische  Reich vom Osten her. Auch Rom selbst ist als erstes Siegel  genannt worden. Der  symbolischen Sicht nach stellt allerdings der  Reiter  auf  dem  weißen  Pferd Jesus  und/ oder das Evangelium dar. In diesem Fall hätten die folgenden  Siegel  mit  dem  Verwerfen des Evangeliums zu tun. Als dritte und  ebenfalls  symbolische  Deutung wird der Antichrist diskutiert. Der Reiter auf dem weißen Pferd ist dann nicht Christus, sondern der Antichrist . Poirier vertritt  die  Ansicht,  dass  der  Reiter  auf  dem weißen Pferd die Bedrohung durch Gefangenschaft versinnbildlicht.

 

b.  Buchstäblich oder symbolisch?

Damit kommen wir zur Frage, ob die Siegel buchstäblich oder symbolisch zu verstehen sind. Was muss in der Offen-barung symbolisch, und was muss buchstäblich ausgelegt werden? Protestanten vertreten in der Regel die Ansicht, dass die Bibel so lange  buchstäblich  ausgelegt  werden  muss,  wie eine  buchstäbliche Auslegung  Sinn  macht. Erst  wenn  die  buchstäbliche  Bedeutung  an Gleichnissen, Symbolen und gewissen Redefiguren scheitert, muss ein symbolisches Verständnis erwogen werden. In der Offenbarung dürfte dieses Prinzip jedoch umgekehrt  sein, d.h., man muss in der Apokalypse primär von einem symbolischen Sinn  ausgehen. Dieses Prinzip scheint in Offb 1,1 zum Ausdruck zu kommen. Der Begriff semeinö mag andeuten, dass Jesus die Offenbarung »symbolisierte«. Das mag darauf hinweisen,  dass in der Offenbarung Symbole vorherrschen .

 

Bei allen oben genannten Auffassungen über den ersten Reiter wird deutlich, dass keine die verschiedenen Pferde bis ins Letzte buchstäblich nimmt. Selbst Präteristen können nicht alle Einzelheiten buchstäblich erklären. Wenn alles buchstäb- lich genommen würde, dürfte man beim ersten Siegel nur mit einem Pferd und einem Reiter rechnen. Das wäre im Fall der Parther sinnlos, denn Rom wurde nicht von einem einzelnen Parther, sondern von Heeren angegriffen. Eine wirklich buchstäbliche Auslegung ist daher schlecht möglich . Offb 4--5 ist symbolisch zu verstehen. Das Lamm, das dort unter so grausamen Umständen dargestellt wird, ist nicht buchstäblich. Der Zusammenhang weist auf ein symbolisches Lamm hin. Das klärt zu einem gewissen Grad auch die Frage nach den 144.000. Das ganze Geschehen ist symbolisch.

 

c.  Die weiße Farbe

Der erste Reiter sitzt auf einem weißen Pferd und hat einen Bogen. Ihm wurde eine Krone gegeben. Er zog sieghaft aus, um zu siegen. Die Farbe Weiß kommt in der Offenbarung wiederholt vor: (1) Jesus erscheint mit weißem Haar (Offb1,14). (2) Die Gläubigen bekommen einen weißen Stein (2,17). (3) Sie erhalten weiße Kleider (OfIb 3,4—5.18; 4,4; 6,11; 7,9.13; 19,14). (4) In Offb 19 erscheint ein zweiter Reiter auf einem weißen Pferd, gefolgt von einem Heer auf weißen Pferden (Offb 19,11.14). Der Reiter auf dem weißen Pferd in Offb 19 ist eindeutig Jesus. Von der Struktur her ist er das Gegenstück zum Reiter des ersten Siegels. (5) Gottes weißer Thron wird in Offb 20,11 erwähnt. Daraus folgt: An allen anderen Stellen der Offenbarung ist die Farbe Weiß immer mit Gott und dem Positiven verbunden. Deshalb erwartet man dies auch für den Reiter auf dem weißen Pferd. Würde man die Farbe Weiß auf den Antichristen anwenden, ergäbe sich eine totale Ironie, die aber im Gegensatz zu den Imitationen der Offenbarung im Text nicht angedeutet ist. 

 

d.  Der Bogen

Etliche meinen, der Bogen des Reiters auf dem weißen Pferd sei beispielsweise der Bogen Gogs und Magogs (Hes 39, 1—3). Gog und Magog wird jedoch der Bogen aus der Hand geschlagen. Babylons Bogen wird zerbrochen Jer 51,56). Überhaupt stellt das AT immer wieder fest, dass durch Gottes Wirken Bögen zerbrochen werden (1. Sam 2,4; Ps 37,15; 46,10; 57,8; 76,4; Jer 49,35; Hos 1,5; 2,20; Sach 9,10). Aber mehr noch: Gott selbst hat einen Bogen in der Hand. Er hat ihn gespannt und zielt (Ps 7,13; Klagel 2,4; 3,12; Hab 3,9). Dem Reiter auf dem weißen Pferd wird der Bogen nicht aus der Hand geschlagen. Ganz im Gegenteil ist er überaus siegreich.  Im Hintergrund des ersten Siegels dürfte Ps 45,3—7 stehen. In diesem Psalm geht es um den König Israels. Allerdings beinhaltet die Aussage des Psalms mehr. Da ist die Rede von Gott, der von Gott gesalbt ist. Dort findet sich auch der Bogen. Von daher ergibt es einen vernünftigen Sinn, das erste Siegel auf Jesus und die Verkündigung des Evangeliums zu beziehen, die im ersten nachchristlichen Jahrhundert begonnen hat. 

 

e.  Der Siegeskranz

Mit dem Ausdruck »Krone« ist ein Siegeskranz gemeint. Diesen Siegeskranz haben: (1) die 24 Ältesten (Offb 4,4.10); (2) die Überwinder (Offb 2,10; 3,11); (3) die mit der Sonne bekleidete Frau, also die Gemeinde Gottes (Offb 12,1); (4) der Menschensohnähnliche, der zur Welternte auf der Wolke kommt (Offb 14,14), allerdings auch (5) die Heuschrecken (Offb 9,7). Mit Ausnahme der Heuschrecken wird der Ausdruck »Siegeskranz« nur in Verbindung mit Jesus, himmlischen Wesen und den Gläubigen verwendet. Auch in diesem Fall wird es besser sein, nicht an einen Antichristen zu denken. Der Ausdruck ist viel zu positiv belegt.

 

f.  Siegen

»Das weiße Pferd zog aus sieghaft, um zu siegen«. (1) Siegen wird Jesus zugesprochen (Offb 5,5; 17,14). (2) Die Gläubigen sind zum Siegen aufgerufen bzw. sind Sieger (Offb 2,7.11.17.26; 3,5.12.21; 12,11; 15,2; 21,7). (3) Allerdings siegt in Offb 11,7 und in Offb 13,7 jeweils ein gottfeindliches Tier. Die Mehrzahl der Texte, die den Sieg betonen, bezieht sich auf Jesus  und  die Gemeinde. Die diesbezüglichen Aussagen im unmittelbaren Kontext  von  Offb  6,2 sind ebenfalls positiv. Außerdem sind die Siege der Tiere nur vorläufig und nicht endgültig, wie die  Offenbarung  später veranschaulicht. Der  doppelte  Gebrauch des Verbs »siegen« in Bezug auf den Reiter auf  dem  weißen  Pferd, der sonst nirgends in der Apokalypse direkt zweimal nacheinander auf die gleiche Person angewendet wird, mag auf einen endgültigen Sieg hindeuten. Man sollte daher beim Reiter auf dem  weißen  Pferd  an  Jesus  und  den  Siegeszug  des  Evangeliums denken! Außerdem ist eine fortlaufende Handlung angespro-chen. Der erste Reiter fängt an zu reiten, und er reitet weiter  bis  zum  Ende  der  Geschichte.  Er  hat  im ersten Jahrhundert  gewirkt. Die Ausbreitung  des  Evangeliums  war  phänomenal, aber sie ist es immer noch.                                   

 

Das Ergebnis

Obwohl einige Begriffe auch für gottfeindliche Mächte verwendet werden, sind dies Ausnahmen. In der Regel und in der Mehrzahl der Fälle sind diese Begriffe mit Gottes Sache verbunden. Die Farbe Weiß kommt nur in positivem Zusammen-hang vor und wird im fünften und sechsten Siegel in Verbindung mit den Kleidern der Märtyrer (Offb 6,11) und der Erlösten (Offb 7,9) verwendet. Auch wenn an anderen Stellen der Offenbarung Nachahmungen göttlicher Mächte vorkommmen, beispielsweise die satanische Trinität, so werden sie doch als solche klar identifiziert. Das trifft nicht für den ersten Reiter zu. Er wird durchaus positiv beschrieben und nicht vom Reiter auf dem weißen Pferd in Offb 19, Jesus, abgesetzt. So plädieren wir in Bezug auf das erste Siegel für Jesus und das Evangelium, das seit dem ersten Jahrhundert bis zum Ende der Zeit verkündigt wird.

 

Unterschiede zwischen dem ersten Siegel und den folgenden drei Siegeln

Obwohl die vier ersten Siegel sich vom Aufbau her gleichen, gibt es doch leichte Unterschiede: (1) Nur beim ersten Siegel wird das Lamm ausdrücklich erwähnt. (2)  Nur beim ersten Siegel  redet  eines  der  vier  Wesen  mit  einer  Donnerstimme.  Donner sind in der Offenbarung mit Theophanieschilderungen  verbunden.  (3)  Nur beim ersten Siegel werden keine negativen Begleiterscheinungen erwähnt. (4)  Nur beim ersten Siegel werden Kardinalzahlen (ein Siegel, ein Wesen) statt Ordinalzahlen (zweites, drittes, viertes Siegel) verwendet. (5) Nur die Farbe Weiß ist positiv zu verstehen. (6) Nur der erste Reiter handelt in Kraft eigener Autorität. Innerhalb der ersten vier Siegel kommt der Ausdruck »es wurde ihm gegeben« einige Male vor.

 

Der erste und der zweite Reiter empfangen einen Gegenstand  (Krone, Schwert). Dem zweiten und vierten Reiter wird Autorität verliehen, eine Handlung auszuführen. Während der erste Reiter selbst aktiv ist (»er zog aus sieghaft und um zu siegen«), sind der zweite und der vierte Reiter abhängig von Gottes Erlaubnis zum Handeln. Der dritte Reiter verhält sich relativ passiv. Damit befindet sich der erste Reiter in Bezug auf seine Eigeninitiative in einer Sonderstellung. (7) Wie in Offb 12 die mit der Sonne bekleidete Frau dem roten Drachen  gegenübergestellt wird, so hier der Reiter des weißen Pferdes dem Reiter des roten Pferdes. Es ist bemerkenswert, dass Johannes beim Auftreten der Frau sagt: »ein großes Zeichen am Himmel wurde gesehen«, und beim Erscheinen des Drachen den Gegensatz vermerkt: »gesehen wurde ein anderes Zeichen«. Das gleiche Wort (»anderes«) wird bei der Er­öffnung des zweiten Siegels verwendet: »ein anderes Pferd kam hervor« (Offb 6,4). Das weiße Pferd nimmt eine eigene Stellung ein. Das erste Siegel wird demnach ziemlich deutlich von den folgenden drei Siegeln unterschieden, obwohl es zu der Vierergruppe der Pferde  und  Reiter  gehört. Das erste Siegel ist positiv, die folgenden sind negativ zu sehen.

 

3. Das zweite Siegel (Offb 6,3-4)

 

Die rote Farbe

Das zweite Pferd ist feuerrot. Die feuerrote Farbe tritt in der Offenbarung noch einmal auf, und zwar in Verbindung mit dem Drachen (Offb 12,3). Dieser Drache, Satan (Offb 12,9), ist feuerrot wie das zweite Pferd und bringt Verfolgung (Offb 12,13-15) und durch Irrlehren ausgelöste Zwistigkeiten (Offb 2,24). Das zweite Siegel muss als negativ betrachtet werden, und tatsächlich soll der Friede genommen und Blutvergießen gebracht werden. So mag die rote Farbe ein Symbol für Blutvergießen sein.

 

Das große Schwert

Unter dem fünften Siegel wird ebenfalls ein Schwert erwähnt, allerdings  wird dafür das griechische Wort romphaia gebraucht. Hier ist das Schwert die macheira. Ein Schwert, wie es unter dem zweiten Siegel vorkommt, wurde im AT als Waffe  gebraucht (Lev 26,8.25.33), aber auch als Messer beim Opfern (Gen 22,6.10)

 

Schlachten

Das von Luther mit »umbringen« übersetzte Wort (sphazo), ebenfalls in Offb 5,6 verwendet, kann auch »schlachten« bedeuten. Es ist intensiver als das Wort »töten«. Zwar wird es im AT sechsmal für das Töten (1Sam 15,33) oder Schlachten (Gen 22,10) von Menschen verwendet, aber 78-mal für das Schlachten von Tieren. Besondere Betonung liegt dabei auf dem Opfern von Tieren (Lev 1,3.5.11; 3,13; 4,15.24.29.33; 17,13-14). 

 

In 2. Mose 12,6 wird das Passahlamm geschlachtet. Im NT tritt das zehnmal vorkommende Wort achtmal in der Offenbarung auf. Dort wird es zuerst für Jesus das Lamm gebraucht (Offb 5,6.9.12; 13,8). Nicht nur das Lamm ist geschlachtet worden, sondern auch seine Nachfolger werden geschlachtet (Offb 6,9; 18,24).

 

Im  Gegensatz  zum Lamm  steht  die satanische  Nachbildung  des Meertieres. Eines seiner Häupter sieht ebenfalls aus »wie zum Tod geschlachtet« (Offb 13,3). Darauf werden wir später zurückkommen. Jedenfalls steht auch in der Offen-barung - wie im AT - der Gedanke des Opfers  im Mittelpunkt. Jesus  kommt  nicht nur um. Sein Tod entspricht dem Schlachten des Passahlammes. Einige seiner Nachfolger müssen ebenso das Martyrium  durchstehen. Der unmittelbare  Kontext  des Todes Jesu und der Märtyrer im fünften Siegel, die wie Jesus geschlachtet wurden (Offb 5), unterstützt den Gedanken des Opfertodes, der Verfolgung und des Märtyrertodes.

 

Das Wegnehmen des Friedens

Das zweite Siegel kombiniert Kriegsvokabular mit Opfervokabular: Schwert, Schlachten, Wegnehmen des Friedens. Allerdings verschiebt sich die Betonung vom Krieg zum Opfern und damit zum Heiligtum. Interessanterweise finden sich die beiden Ausdrücke »Schwert« und »schlachten« auch in der Begebenheit, als Abraham Isaak opfern sollte (1. Mose 22,10). Das Wegnehmen des Friedens auf Erden scheint nichts mit einem buchstäblichen Krieg zu tun zu haben, sondern mit einem »Heiligtumskrieg«, in dem es um die Sache Jesu gegen seinen in Offb 12 als Drachen beschriebenen Widersacher geht.

 

Jesus selbst hat dieses Schwert, das in  Offb  6,4  vorkommt,  und  das  Wegnehmen des Friedens in Mt 10,34 erwähnt. Jesus bringt nicht Frieden, sondern in symbolischer Weise das Schwert,  denn  Menschen  werden  durch  die  Entscheidung für bzw. gegen Jesus und das Evangelium entzweit (Mt 10,35): »und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein« (Mt 10,36). Die negativen Konsequenzen der Verkündigung des Evangeliums (erster  Reiter)  sind Trennung,  Kampf und Verfolgung (vgl. Joh 16,2).33

 

Ergebnis

Das zweite Siegel umfasst nicht buchstäbliche Kriegshandlungen, sondern Kampf, Trennung und Unterdrückung. Das Vokabular  weist  auf Verfolgung hin. Jesu Wort in Mt 10 erklärt, was mit Schwert und Wegnehmen des Friedens gemeint ist: Das Evangelium wirkt trennend. Da viele Menschen es nicht annehmen, nimmt es indirekt den Frieden von der Erde hinweg.

 

Das dritte Siegel (Offb 6,5–6)

Die schwarze Farbe

Schwarz kommt in der Offenbarung außer in diesem Siegel nur noch in Offb 6,12 vor: Die Sonne wird finster wie ein schwarzer Sack. Wie die Sonne verdunkelt wird, so wird das Evangelium  verdunkelt. Ein  starker  Gegensatz  zum  ersten  Siegel  mit dem weißen  Reiter  ist  gegeben.  Die  ersten  beiden  Pferde  ziehen  hinaus.  Das schwarze geht  nicht  hinaus.  Es  ist  statisch  und  weist  auf  eine  ungeheure  Hungersnot hin.

 

Die Waage

Die Waage wird im AT als ein Symbol für  das  Richten  Gottes verwendet  (Hiob 31,6; Dan 5,27). Das Evangelium bringt Gericht mit sich Joh 3,18-21). Andererseits weist die Waage auf das Abwiegen von Lebensmitteln und  damit  auf Knappheit und Hungersnot hin. Das dritte Siegel beschreibt  eine  Zeit  der  Teuerung. Schon unter den Bundesflüchen war einer, der mit  dem  Mangel  an  Brot  zu  tun hatte: »... euer Brot  soll man  euch  nach  Gewicht  zuteilen,  und  wenn ihr esst, sollt ihr nicht satt werden« (3. Mose 26,26). In Hes 4,16 findet sich eine ähnliche Szene. Die Bewohner Jerusalems müssen ihr Brot abgewogen essen.

 

Weizen, Gerste, Öl und Wein

Die drei wichtigsten Agrarerzeugnisse in Palästina sind Getreide, Öl und Wein. Die Grundnahrungsmittel Weizen und Gerste werden außerordentlich verteuert. Sie sind rar, weil offensichtlich eine Hungersnot ausgebrochen ist. Ein Maß Weizen war die Tagesration eines Arbeiters. Diese Tagesration kostete einen Silbergroschen, den Tageslohn eines Arbeiters. Letzterer kann also nichts weiter als Weizen für  eine Person kaufen und kann damit seine Familie nicht mehr  ernähren.  Der Preis liegt acht- bis sechzehnmal über dem Normalpreis. Gerste ist etwas billiger, doch war Gerste normalerweise die Nahrung für Tiere und Arme. Öl und Wein sind  noch normal zu erhalten, wahrscheinlich weil die Pflanzen, die diese Früchte produzieren, tiefere Wurzeln als das Getreide haben. Nach Beale  können  die Armen diese trotzdem nicht erwerben, da ihr Verdienst durch den  Kauf  von  Getreide  verbraucht wird.

 

Viele Ausleger bringen das dritte Siegel mit einer buchstäblichen Hungersnot in Verbindung. Einige versuchen einen Bezug  dazu  im  ersten  nachchristlichen Jahrhundert zu finden, beispielsweise im Edikt von Kaiser Domitian im Jahre 92 n. Chr., demzufolge in Italien keine  neuen  Weinberge  angelegt  und  in  den  Provinzen  die Hälfte der Weinberge zerstört werden sollten. Andere gestehen zu, dass dies schwer möglich sei, und denken daher an Hungernöte im Allgemeinen als Gottes Gericht über menschliche Ungerechtigkeit. Das Problem der Ausleger ist zweifach: (1) Dem oben erwähnten zeitlichen Rahmen der Siegelvision wird nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt, und  (2) man bleibt in einer buchstäblichen Auslegung stecken, obwohl der Kontext eine symbolische Interpretation nahelegt. Das ist besonders prekär für Ausleger, die die vorausgehenden und nachfolgenden Siegel symbolisch verstehen wollen und keine Argumente für einen Wechsel der Interpretation von einem symbolischen zu einem buchstäblichen Verständnis anführen.

 

In Arnos 8,11-12 wird Hunger nach  Brot  mit  dem  Hunger  nach  dem  Wort Gottes verglichen. Im dritten Siegel geht es offensichtlich um eine geistliche Hungersnot. Schon in den  Evangelien  steht Getreide  für Gottes Wort  (Mt 13,3-30;  Lk 8,11). Stefanovic  vermerkt,  dass  das  Wort  Gottes  das  Brot  des  Lebens  ist (Mt 4,4).Es herrscht ein  Mangel an  Gottes Wort und dem Evangelium. In  Joh  6,32-58 steht Brot auch für Jesus selbst.

 

Öl wird sowohl im AT als auch im NT mit dem Heiligen Geist in Verbindung gebracht (1. Sam 16,13; Sach 4,12.6; 2. Kor 1,21-22; 1. Joh 2,27). Trotz des Mangels an Gottes Wort macht der Heilige Geist Erlösung verfügbar.  Wein  ist  in  der Offenbarung zwar der Zorneswein der Hurerei Babylons (Offb 14,8) wie auch der Zorneswein Gottes (Offb 19,15), aber er kommt  auch  in  der  Aufzählung  von  Öl und Wein in Offb 18,13 als Handelsgut  vor.  In  dieser  Kombination  dürfte  Wein keine negative Bedeutung haben. An anderen  Stellen  der  Bibel erinnert  der  Kelch mit dem Wein an das Blut Jesu (Mt 26,27-29) und das Brot an den Leib Jesu (1Kor 10,16). Stefanovic  schlägt daher vor, dass der Wein Gottes gnädige Rettung  durch Jesus Christus darstellt.4

 

Ergebnis

Auch das dritte Siegel muss symbolisch verstanden werden.  Der  Nahrungsmangel steht für geistliche Hungersnot. Offensichtlich ist das Evangelium immer noch verfügbar, doch ist es rar  und  teuer.  Weil  Menschen  es  ignoriert  und  entstellt haben, ist es selten geworden. Es ist zwar noch  erreichbar,  aber  verdunkelt.  So kommt es schließlich zu einem Hunger nach Gottes Wort. Die symbolische  Auslegung erlaubt es, die Farbe Schwarz als Symbol der Verdunkelung mit der geistlichen Hungersnot zu integrieren.

 

Das vierte Siegel (Offb 6,7–8)

Die fahle Farbe

Die gelbgrüne Farbe chloros (davon abgeleitet die Bezeichnung für das Gas Chlor), kommt in der Offenbarung dreimal vor. Zweimal bezeichnet sie das grüne Gras bzw. alles Grün auf Erden (Offb 8,7; 9,4), einmal wird sie auf ein Pferd angewandt. In der griechischen Literatur ist sie, wenn auf Menschen bezogen, die Farbe der Krankheit und des Todes. Und tatsächlich heißt der Reiter auf dem vierten Pferd »Tod«, und der Hades folgt ihm. Das vierte Siegel ist eine Intensivierung der beiden vorangegangenen. Die Zustände werden immer schlimmer, es geht immer mehr bergab. Tod und Zerstörung sind angesagt.

 

Töten durch Schwert, Hunger, Tod/Pest, wilde Tiere

Schwert und Hunger kamen schon beim zweiten und dritten Reiter vor. Dies wiederholt sich hier, wobei ein anderer Ausdruck für Schwert verwendet wird, der ein großes, breites Schwert bezeichnet. Neu hinzu kommen Tod/Pest und wilde Tiere. Diese vierfache Aufzählung weist auf die Bundesflüche hin (Hes 14,21). Wörtlich spricht der Text in Offb 6,8 vom Töten durch Schwert, Hunger, Tod und wilde Tiere. Das Wort für Tod wird in AT-Texten zur Übersetzung des Be­ griffes  Pest verwendet. 

 

Macht über den vierten Teil der Erde

Die Bedrohung ist so umfassend, dass man mit einer vollständigen Vernichtung rechnen müsste, fände nicht eine Einschränkung statt. Glücklicherweise wird aber betont, dass nur ein Viertel der Erde betroffen ist. Ein Viertel der Erde wird zwar in den Siegeln nur einmal erwähnt, könnte aber auch für die beiden anderen negativen Pferde gelten. Dieses Viertel steht im Gegensatz zu den Posaunen, bei denen immer wieder ein Drittel betroffen ist. Die Posaunen bilden daher gegenüber den Siegeln eine Verstärkung und Intensivierung. Sie beziehen sich auf die Erdbewohner, während bei den Siegeln eher Gottes Volk im Blick ist. Bei den Plagen von Offb 16 ist schließlich die ganze von Gott abtrünnige Menschheit betroffen.

Osborne macht die interessante Beobachtung, dass der Ausdruck »Schwert«, obwohl ein anderes griechisches Wort verwendet wird, sich auf das zweite Siegel beziehen dürfte, der Ausdruck »Hunger« auf das dritte Siegel, der Ausdruck »Pest« (vermutlich zusammen mit den »wilden Tieren«) auf das vierte Siegel. Damit wären Siegel zwei bis vier zusammen- gefasst, und diese drei Siegel zusammen würden den vierten Teil der Menschheit töten.

 

Tod und Hades

Tod und Hades kommen gemeinsam an vier Stellen der Offenbarung vor: (1) Offb 1,18 - Jesus hat die Schlüssel des Todes und des Hades; (2) Offb 6,8 -  der  Reiter ist der Tod, und der Hades folgt ihm; (3) Offb 20,13 - Tod und Hades geben ihre Toten heraus, die dann gerichtet werden; (4) Offb 20,14 - Tod und  Hades werden in den Feuersee geworfen. Das ist der zweite Tod. Nur wer an der ersten Auferstehung teilnimmt, wird vom zweiten Tod nicht betroffen (20,6). Tod und Hades werden in Offb 20 mit dem Konzept des zweiten und ewigen Todes verbunden. Davon ist offensichtlich die Menschheit unter dem vierten Siegel bedroht. Beale hebt korrekt hervor, dass die Flüche primär dem Bundesvolk gelten und den Zweck haben, die Treuen zu läutern und die Untreuen zu bestrafen.

 

Ergebnis

Auch das vierte Siegel muss symbolisch verstanden werden. Mit ihm ist der bislang dramatischste geistliche Verfall, die geistliche Pest und Seuche gekommen. Das vierte Siegel bringt die Bundesflüche über die Menschen. Wer sein Herz gegen das wahre Evangelium mehr und mehr verhärtet, muss befürchten, für immer verloren zu gehen. 

 

Allerdings stellten die Bundesflüche in 3. Mose 26,21–26 noch nicht das Endgericht Gottes über sein damaliges Volk dar. Sie wollten Israel vielmehr zur Umkehr bewegen. In gleicher Weise ist das vierte Siegel, so schlimm es auch sein mag, noch nicht das absolute Ende. Gott will Menschen aufrütteln, zu ihm zurückzukehren. 

 

6. Zusammenfassung der vier apokalyptischen Reiter

Die vier Reiter erinnern an Sach 6, repräsentieren aber die Verkündigung des Evangeliums mit negativen Nachwir-kungen. Der erste Reiter bewirkt Positives: die Verkündigung des Evangeliums. Leider kommt es aber  zu  Trennung  und  Verfolgung unter dem zweiten Reiter. Die Verfälschung des Evangeliums und  die  negativen Folgen seiner Verkündigung steigern sich unter dem dritten  und  vierten  Reiter. Obwohl dieses Bild eine allgemeine Aussage macht,  die zu  allen  Zeiten  gültig ist - das Evangelium fordert heraus und bewirkt Trennung-, findet sich darin auch eine Beschreibung der Geschichte des Christentums bis  ins  Mittelalter. Obwohl  der weiße Reiter ständig reitet, und obwohl die negativen folgen der Verkündigung des Evangeliums etwas Immer- und Allgemeingültiges darstellen, scheint doch eine chronologische Abfolge der Siegel gegeben zu sein. Dafür sprechen folgende Punkte:

 

(1) Die Siegel werden in einer gewissen Folge nacheinander  geöffnet.  Eine Steigerung der Not scheint stattzufinden. (2) Mit den letzten Siegeln nähert man sich unweigerlich dem Ende. (3) Das fünfte Siegel setzt das  Verstreichen  einer  Zeit­ spanne voraus. (4) Die Endkrise findet sich erst in Offb 7. Den vier Reitern stehen in Offb 7 vier Engel gegenüber, die zwar noch die vier  Winde  halten,  doch  brechen diese Winde nach der Versiegelung der 144.000 los. Der Krise durch  die Geschichte des Christentums hindurch steht die Endkrise gegenüber.

 

Ein abschließender kurzer Blick auf die vier Pferde mit ihren Reitern ergibt Folgendes: Das erste Pferd repräsentiert das wahre Evangelium. Das zweite Pferd stellt Opposition gegen das Evangelium dar, wie sie vor allem ab dem zweiten nachchristlichen Jahrhundert auftrat. Beim dritten Pferd  wird  der  Hunger  nach dem Evangelium, das mehr und mehr verloren geht, beschrieben. Die verfolgte Christenheit wird zur Staatskirche und nimmt Elemente in sich auf, die nichts mit dem Christentum zu tun haben, während sie gleichzeitig an verschiedenen Stellen den biblischen Bezug verliert. Das vierte Pferd versinnbildlicht ein falsches Evangelium, das zur geistlichen Seuche und dem ewigen Tod führt.

Dies  mag eine treffende Beschreibung der Kirche des :Mittelalters darstellen.

 

Das fünfte Siegel (Offb 6,9-11)

 

Sprache des Heiligtums

Im fünften Siegel erkennt man die Auswirkungen der Verfolgung unter den verschiedenen Reitern, besonders dem zweiten. Gleichzeitig wird dem Leser der Offenbarung bewusst gemacht, dass Gott um die Leiden seines Volkes Bescheid weiß und zu seiner Zeit eingreifen wird. Sofort steht man mitten in der Sprache des Heiligtums. Der Altar, unter dem symbolisch die Märtyrer zu finden sind, ist der Brandopferaltar, denn nur dort wurde Blut vergossen. Der goldene Räucheraltar dagegen wird in Offb 8,3, in der Einleitungsvision zu den Posaunen, erwähnt, und  in diesem Zusammen-hang ist zweimal die Rede vom Gebet der Heiligen. In Verbindung mit dem Altar findet sich der Ausdruck »schlachten«,  der  schon unter dem zweiten Siegel besprochen wurde. Jesus wurde wie ein  Lamm  geschlachtet, und seinen Nachfolgern ergeht es ebenso. Die Begründung für ihren gewaltsamen Tod ist zweifach: (1) um des Wortes Gottes  willen  und (2) um ihres Zeugnisses willen. 

 

Der Dialog

Zwischen den Seelen unter dem Altar und wahrscheinlich Gott entspinnt sich ein Dialog. »Es geht um das grundsätzliche Problem, dass die Gerechtigkeit sich innerweltlich nicht länger realisiert.« Der Gedanke ist weniger die Rache an Feinden, sondern die ausgleichende und öffentliche Gerechtigkeit Gottes, die Bitte um eine Revision der ungerechten Urteile irdischer Gerichte durch das himmlische Gericht sowie die Rechtfertigung Gottes, dessen Gerechtigkeit und Ruf durch die erfolgreichen Aktionen seiner Feinde in Frage gestellt waren. Sweet weist darauf hin, dass das Wort »rächen« so wie in Lk 18,3 verstanden werden muss, nämlich als »Recht schaffen«. Die Erdbewohner als Urheber von Verfolgung und Märtyrertod sind ein negativer Begriff durch die Offenbarung hindurch und repräsentieren die Menschen, die sich gegen Jesus und sein Volk wenden. 

 

Die Märtyrer stellen eine Frage, die auf ein zweifaches Handeln Gottes hinausläuft: »Wie lange (1) richtest du nicht und (2) rächst du nicht unser Blut an den Erdbewohnern?« Als Antwort erfolgt erstens eine symbolische Handlung: sie erhal­ ten die eschatologischen weißen Kleider; und zweitens eine Erwiderung, die auf Ruhe für sie selbst, aber auch auf weitere Verfolgung und damit Märtyrertod  für ihre lebenden Glaubensgenossen hinweist.

 

Das Gericht

Die Bitte um Gericht und Vergeltung geschieht selbstverständlich vor der Ausführung des Eingreifens und Gerichts-handelns Gottes. Das Verleihen der weißen Gewänder dürfte aber auf ein Gericht vor der Wiederkunft Jesu hinweisen. Die weißen Kleider sind unterschiedlich verstanden worden. Smalley verwirft die Idee, dass sie einen geistlichen Körper darstellen und plädiert für die Bedeutung von Reinheit. Paulien verbindet  sie mit  der  Rechtfertigung der Gläubigen. Stefanovic denkt an Sieg, Triumph und Treue.

 

Die Frage »Wie lange?« erinnert unter anderem an Ps 13,2-3; Jes 6,11; Sach 1,12 und Dan 8,13. Sie wird in Dan 7,21.25 und in Dan 12,6-7 beantwortet. Anklänge an dieses Kapitel finden sich schon in der Einleitungsszene zu den  Siegeln (Offb 5). In Dan 7 ist die Rede vom Gericht für die Heiligen am Ende der dreieinhalb Zeiten, der mittelalterlichen Verfol-gung. Damit sind aber  das Ende und die Endabrechnung noch nicht gekommen. Die Märtyrer  müssen  nach Empfang der weißen Kleider, ihres Lohnes, weiter ruhen. Smalley erklärt, dass das Geschenk des weißen Kleides eine himmlische Anerkennung der Gerechtigkeit der Heiligen ist, die dadurch für unschuldig erklärt werden, während die Gegner dem Gericht anheimfallen. Roloff macht deutlich, dass die Märtyrer erst bei Jesu Wiederkunft zu neuem Leben erwachen.

 

Ergebnis

Das fünfte Siegel liegt zeitlich nach den vier Reitern. Verfolgung und Märtyrertod der Nachfolger Jesu um des Evange-liums willen sind geschehen und werden auch  in der Zukunft noch eintreffen. Die Märtyrer erflehen Gottes Eingreifen. Das fünfte Siegel enthalt folgende Zeitelemente: »Wie lange richtest du nicht und rächst nicht unser Blut ...« »... dass sie ruhen müssten eine kleine Zeit, bis ...« Daraus  ergibt  sich  folgende  Chronologie:  (1) Die  Märtyrer rufen zu  Gott vor dem Beginn irgendeiner Gerichtsphase. (2) Das Untersuchungs- oder Vorwiederkunftgericht mit dem Verleihen der weißen Kleider findet statt. (3) Die Urteilsvoll-streckung an den Erdbewohnern, von heutiger Warte aus betrachtet, steht jedoch aus. Die Märtyrer müssen noch eine Weile ruhen . Auch während dieser Zeit muss mit Verfolgung und Tod der Gläubigen gerechnet werden. Das fünfte Siegel fallt daher in die Zeit zwischen den großen mittelalterlichen Verfolgungen und dem Abschluss des Vorwiederkunftsge-richtes.

 

Die Botschaft des fünften Siegels lautet: Auch wenn die  Nachfolger Jesu ihr Blut vergießen mussten, hat Gott sie doch angenommen. Allerdings ist der Zeitpunkt für ihre Auferstehung noch nicht gekommen. Der Schrei der Märtyrer nach Gottes Gerechtigkeit verhallt nicht ungehört; er wird beantwortet. Sie sind zwar von weltlichen  Gerichten  zum Tod  verurteilt worden, doch gibt  es einen höheren Gerichtshof, den Tempel des Himmels, von dem aus das Urteil revidiert wird (vgl. Offb 16, besonders Verse 5-6). Die Bitte um Vergeltung und Gerechtigkeit wird durch das sechste Siegel beantwortet. Unter dem sechsten Siegel kommt der Tag des Herrn und der Zorn Gottes und des Lamm es  über die  Könige der Erde und alle Gottlosen . Die Schar der Gläubigen geht aus der großen Trübsal hervor und ist in weiße Kleider gehüllt. Der Schrei nach Gerechtigkeit verwandelt  sich in einen Ruf des Triumphs: »Das Heil ist bei dem, der auf dem Thron sitzt und dem Lamm« (Offb 7,10).

 

Das sechste Siegel (Offb 6,9–7,17)

Das sechste Siegel ohne Erweiterung (Offb 6,12–17)

 

Das fünfte Siegel war umfassender als die vorausgehend en; das sechste ist das längste. Es beschreibt Naturereignisse und Reaktionen von Menschengruppen. Offb 7 enthält außerdem eine zweifache Erweiterung. Nachfolgend eine Glie-derung (ohne Ausweitung): Ich sah (Das Lamm) öffnete das sechste Siegel

 

1. Sieben Naturereignisse - In Offb 6,12-14 treten sieben Phänomene auf, die alle mit der  Natur zusammenhängen: Erdbeben, Sonnenfinsternis, Mondfinsternis, Sternenfall, Entweichen des Himmels, Bewegung jedes Berges und jeder Insel. Es sind kosmische Zeichen, die auf das Ende der Welt hinweisen. U. Müller erklärt, dass das sechste Siegel die »kosmische Katastrophe« beschreibt. Es »… enthält keinerlei  Beziehungen  mehr  zur  Gegenwart  des  Verfassers,  sondern  ist  rein eschatologisch«.

 

Das erste Phänomen ist ein großes Erdbeben. Danach wird die Sonne schwarz und der Mond blutrot. Die Sterne fallen zur Erde. Der Himmel spaltet sich. In einem weiteren gewaltigen Erdbeben werden Berge und Inseln bewegt. Der AT-Hintergrund dürfte in Jes 13,10.13; 34,4; Hes 32,7-8; Arnos 8,8-10; Nah 3,12; Joel 3,4 etc., und der NT-Hintergrund in Mt 24,29 zu finden sein. Die sieben Naturphänomene des sechsten Siegels sind in sechs Hauptsätzen enthalten. Der erste beginnt mit einem Erdbeben; der letzte schildert erneut ein Erdbeben, jedoch von so gewaltigem Ausmaß, dass jeder Berg und jede Insel von ihrem Ort wegbewegt werden.

 

Somit wird die letzte Phase der Menschheitsgeschichte mit einem großen Erdbeben eingeleitet. An ihrem Ende steht ein letztes Erdbeben, das offensichtlich in Offb 16,18 erwähnt und in Vers 20 mit ähnlichen Worten wie in Offb  6,14  beschrieben wird.  Dieses  letzte  oder  eschatologische Erdbeben findet sich im Zusammenhang mit der siebten Plage und der Theophanie, die  die Existenz  des  Reiches  Gottes in Herrlichkeit  auf Erden einläutet.  Dieses Erdbeben hat  Auswirkungen  auf  die  Weltbevölkerung,  die  in  Offb 6,15-16 beschrieben sind. Zwischen diesen Erdbeben finden andere Naturphänomene statt. Die Zeit zwischen den Erdbeben ist die Zeit der himmlischen Zeichen (vgl. Mt 24,29). Offb 6 bildet das Gegenstück zu Mt 24, Mk 13 und Lk 21. Im Johannes­ Evangelium fehlt dieser Teil. Er findet sich modifiziert an dieser Stelle der Offenbarung.

 

Die vier apokalyptischen Reiter sind, wie oben gezeigt, symbolische Beschreibungen geschichtlicher Entwicklungen. Die Ereignisse unter dem sechsten Siegel müssen jedoch buchstäblich verstanden werden. Das wird dadurch deutlich, dass in den Versen 12-14 das Wörtchen »wie« verwendet wird. Dieses Wort vergleicht an dieser Stelle Buchstäbliches mit Bildhaftem. Wenn die Sterne fallen, wie ein Feigenbaum die Feigen abwirft, dann ist der Sternenfall buchstäblich zu verstehen.

Die historische Erfüllung des ersten Erdbebens wird im Erdbeben von Lissabon gesehen, das am 11. Nov. 1755 eintraf und nicht nur große Verwüstung anstellte, sondern auch eine Veränderung im philosophischen und theologischen Denken nach sich zog. Die Erfüllung der Sonnen- und Mondfinsternis sieht man im dunklen Tag des 19. Mai 1780, und die Erfüllung des Sternenfalls im Meteorenfall vom 13. November 1833.

 

2. Sieben Menschengruppen (Offb 6,15–17) Ihre Handlung: Sie verbergen sich (Offb 6,15- 16a) Ihre Aussagen: - Die doppelte Bitte an die Berge: Fallt über uns, verbergt uns (Offb 6,16) Begründung: der große Tag des Zorns ist gekommen (Offb 6,17a) Ihre Frage: Wer kann bestehen? (Offb 6,17b) Neben sieben Objekten und Phänomenen aus dem Bereich der Natur treten mit Vers 15 sieben verschiedene Personengruppen auf. Die ersten fünf - Könige, Große, Oberste, Reiche, Gewaltige - stehen im Plural und beschreiben Personen der höheren Gesellschaftsschichten; die letzten beiden bilden  ein Paar -  » jeder Sklave  und  jeder  Freie« -  und  stehen im  Singular. Sie dürften die Massen bezeichnen.

Diese sieben Gruppen verbergen sich in den Klüften der Berge. Offensichtlich ist jede Chance auf Rettung verloren. Ihr Ruf an die Berge und Felsen klingt wie eine Bitte um den Tod. Er scheint wünschenswerter zu sein als der Anblick Jesu. Jesu.  Die Situation erinnert zun1 Teil an Adam und Eva, die sich nach dem Sündenfall vor Gott verbargen (1. Mose 3,8). Stefanovic weist darauf hin, dass eine ähnliche  Szene in Jes 2,19-21 beschrieben  wird. Der  Gedanke  erscheint  auch in Hos 10,8 und Lk 23,30.87 Jeder Versuch, sich vor Gott zu verstecken, bleibt erfolglos (Ps 139,7-12). Das Gebet der Märtyrer unter dem fünften Siegel ist erhört worden.

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3.  Der  Tag  des  Herrn.  Der  grundlegende  alttestamentliche  Hintergrund  für  das sechste Siegel ist der Tag  des  Herrn.  Der  Tag  des  Herrn  im AT  bezeichnet Gottes Gerichtstag. Im NT fallen Gerichtstag und Tag der Wiederkunft zusammen.  Haben  die  vorausgehenden Siegel  verschiedene  Bundesflüche  dargestellt, so fügt das sechste Siegel den Tag des Herrn hinzu. Die Feinde Gottes werden vernichtet, Gottes Volk wird gerettet. Smalley betont, dass die Spaltung des Himmels in Vers 14 ein biblisches Bild ist, das die  Selbstoffenbarung Gottes einführt Jes 64,1; Mk 1,10).

 

Offb 6,16 endet  mit dem  Zorn  des Lammes, während Vers 17 vom großen Tag des Zornes spricht. Lesarten unter-scheiden zwischen »ihres Zornes«, was sich auf Vater  und  Sohn  beziehen  würde, und  »seines  Zornes«,  was  nur das Lamm im Blick hätte. Jedenfalls ist das Gericht im Blick. 

 

Wie sich jedoch der Zorn des Lammes praktisch auswirkt, ist umstritten. Der Ausdruck kommt in  der Offenbarung  nur  einmal vor. Zorn  passt  normalerweise  schlecht zu einem leidenden Lamm, weshalb göttlicher Zorn zuweilen als natürliche und unpersönliche Folge der Sünde im Sinn von Ursache und Wirkung betrachtet wird. Andere Ausleger sehen den  Zorn Gottes als Realität  und Ausdruck  seiner Heiligkeit. Dabei wird Zorn nicht so sehr als ein Gefühl oder gar als »ungezügelte Explosion  von  Ärger« verstanden,  sondern  als  Gerichtshandeln  Gottes  im Sinne der Bestrafung der Feinde, und der schützenden Versiegelung seines Volkes. Morris hebt hervor, dass Johannes an keiner Stelle die Gläubigen in Angst und Schrecken versetzen will. Im Gegenteil! Er gebraucht bekannte Bilder, um sie zu stärken und sie wissen zu lassen, dass Gott über allem steht und seinen Plan zum Ziel bringen wird, auch wenn dies das Untergehen dieser Welt bedeutet.

 

4.  Ergebnis.  Das  sechste Siegel  beschreibt  Naturereignisse, die  dem Kommen Jesu vorausgehen  bzw. mit seinem   Kommen zusammenfallen. Diese Naturphänomene müssen buchstäblich verstanden werden. Das Erdbeben von  Offb 6,12  ist  nicht  unbedingt  identisch  mit  dem  Erdbeben von Offb  6,14.  Das eine dürfte von uns aus gesehen bereits  in  der Vergangenheit  liegen und das Erdbeben von Lissabon im Jahre  1755 n. Chr. beschreiben. Das andere ist noch  zukünftig und hängt mit dem Tag  des  Herrn, dem Tag der  Wiederkunft Jesu zusammen, der  Gericht und Erlösung  gleichzeitig  bringt. Der Abschnitt  endet mit der Frage: »Es ist gekommen der große Tag ihres  Zornes, und  wer kann bestehen? « Das anschließende  Kapitel (Offb 7) beantwortet diese Frage und gehört deshalb unmittelbar zum sechsten Siegel dazu.

 

Die ersten vier Siegel erstrecken sich ungefähr bis zur Reformation, das fünfte Siegel bis hin zur Französischen Revo-lution (kurz zuvor wurden in Europa noch Menschen um ihres Glaubens willen hingerichtet), dann folgt die Zeit der 

himmlischen Zeichen mit der Wiederkunft Jesu. In dieser Zeit befinden wir uns. Die Frage stellt sich jetzt: Wer kann bestehen?

 

Koester fügt hinzu, dass das fünfte und sechste Siegel den Lesern klarmachen, dass es keine Neutralität geben kann.  Sie müssen sich entweder mit den Märtyrern oder der restlichen Menschheit identifizieren. Dabei sehen Dinge von himm- lischer Warte anders aus als von irdischer Perspektive. Zuflucht  bei den Reichen und Mächtigen zu suchen, sei am Ende sinnlos, da sie sich vor Gott und dem Lamm zu verbergen suchen.

 

Die Erweiterung des sechsten Siegels (7,1–17)

Das siebte Kapitel der Offenbarung schließt direkt an das sechste Siegel an.  Die  Frage »Wer  kann bestehen?«,  mit  der das sechste Kapitel endet, wird in Offb 7 beantwortet. Hat sich Offb  6,12–17 mit den Feinden Gottes und seines  Volkes beschäftigt, wendet sich Offb 7 nun dem Schicksal des Volkes Gottes zu. Dabei ist bemerkenswert, dass das Schicksal der Ungläubigen am Ende von Offb 6 nur angedeutet und nicht  ausführlich beschrieben ist, während  der  Lohn  der  Gläubigen dem Leser vor  die  Augen  gemalt  wird.  Die Betonung  der Offenbarung scheint nicht auf dem  Gericht  über  die  Gottlosen, sondern auf der endgültigen Errettung der Heiligen zu liegen.

 

 

Im Einklang mit den anderen Erweiterungen gegen Ende der Serien im historischen Teil der Offenbarung besteht Kap. 7 aus zwei Szenen, den 144.000 und der großen Schar. Beide sind Antworten auf die Frage, wer am Tag des Herrn bestehen könne.  Der Beschreibung der  Gruppe der 144.000 folgt eine Schilderung der großen Schar  vor Gottes Thron. Die 144.000 sollen versiegelt werden. Der AT-Hintergrund  ist Hes 9,4-6. Versiegelt wurden diejenigen, die über die von  Gottes Volk begangenen Greuel seufzten . Das korrespondiert mit den in Offb 14,1-5 erwähnten Charakteristika der 144.000, beispiels-weise Abkehr von der Sünde und Nachfolge Jesu. Das Siegel weist auf Schutz und Eigentumsanspruch hin - die Versiegel-ten gehören Gott. Sie sind zwar nicht vor allen Problemen  und Leiden geschützt, doch  trifft  sie der Zorn Gottes und des Lammes nicht.

 

Es ist diskutiert worden, in welcher Beziehung die beiden Gruppen zueinander stehen. Es gibt verschiedene Optionen. 

Die 144.000 könnten (1) von der großen Schar getrennt sein: eine Gruppe ist gezählt, die andere nicht; (2) Teil der großen Schar sein, oder (3) die große Schar sein. Die dritte Möglichkeit scheint vorzuziehen zu sein. Argumente für diese Sicht, nämlich dass die beiden Gruppen identisch sind, schließen unter anderen die folgenden ein:

 

(1) Wie in Offb 5,5 Johannes  von Jesus  als einem Löwen  hört, dann aber in Offb  5,6 Jesus als Lamm sieht, so hört er in Offb 7,4 die Zahl der Versiegelten, nämlich 144.000, sieht  dann aber in Offb 7,9 die große Schar  der Erlösten. Die 144.000 und die große Schar sind die gleiche Gruppe von verschiedenen Blickwinkeln aus betrachtet. Die 144.000 werden symbolisch beschrieben, während die große Schar die Wirklichkeit darstellt. So wie Löwe und Lamm gemeinsam für Jesus stehen, so stellen die 144.000 und die große Schar Jesu Endzeitgemeinde dar. In beiden Fällen  findet  ein Wechsel  von einer Audition zu einer Vision statt. Was Johannes hört, wird ergänzt mit dem, was er sieht. Beide Phäno-mene beschreiben die gleiche Realität. Verstärkt wird der Eindruck noch dadurch, dass die Löwe-/ Lamm-Symbolik und die 144.000-/ Große­ Schar-Beschreibung in der gleichen Vision der Offenbarung, und dazu noch in eng miteinander in Beziehung stehenden Teilen, Offb 4–5 und Offb 7, vorkommen.

 

Die Antwort auf die Frage in Offb 6,17 »Wer  kann  bestehen?«  bildet  das  gesamte Kap. 7. Sowohl die 144.000 als auch die große Schar können vor Gott bestehen. Sie bilden eine Gruppe. Die 144.000 werden als unmittelbare Antwort auf die in Offb 6,17 gestellte Frage eingeführt. Sie werden aber nicht näher beschrieben . Folglich erfährt man in Offb 7,1-8 auch nicht, was nach der Versiegelung mit ihnen geschehen ist und wie sie die schwere Zeit während des Blasens der Winde und des Tages des Herrn durchgestanden haben. Allerdings wird die große Schar und ihr Schicksal in größeren Einzelheiten geschildert. Sie kann vor Gott  bestehen. Offb 7,9 verwendet das gleiche Verb »stehen«, das in Offb 6,17 vorkam. Wenn die 144.000 mit der großen Schar identisch sind, weiß man über ihr Schicksal und ihre endgültige Erlösung Bescheid. Dies darzustellen war sicherlich· die Absicht des Johannes.

 

Sowohl die 144.000 als auch die große Schar haben Schweres durchzumachen. Die 144.000 werden vor dem Blasen der Winde versiegelt und müssen dann offenbar diese Zeit durchstehen. Die große Schar kommt aus der großen Trübsal. Die 144.000 sind Gottes Endzeitgemeinde auf Erden. Die große Schar ist  die erlöste Endzeitgemeinde, die sich nach der großen Trübsal im Himmel befindet.  Die  Versiegelung  wäre  unvollständig, würde sie nicht zur Vollendung führen. Die 144.000 sind die Fülle der wahren Endzeitgemeinde,  zwölfmal  zwölftausend. Diese Zahl erinnert an die zwölf Stämme Israels und die zwölf Apostel des Lammes (Offb 21,12.14). Die Zahl Tausend mag auf eine militärische Einheit in Israel  hindeuten  (4. Mose 31,4-6). So stellen die 144.000 die kämpfende Endzeitgemeinde dar, während die große Schar die triumphierende Endzeitgemeinde ausmacht. Die  Beschreibung der großen Schar ergänzt die bei den 144.000 fehlende Information.

 

Die 144.000 sind »Diener unseres Gottes« (Offb 7,3). Die große Schar »dient « Gott (Offb 7,15). In Offb 22,3 sind beide Begriffe miteinander verbunden. Damit wird schon die Richtung für eine symbolische Auslegung der 144.000 vorgegeben. Weitere Gründe für eine symbolische Auslegung sind: (1) Der unmittelbare Kontext ist eindeutig symbolisch (Offb 7,1-3), ebenso der weitere Kontext (beispielsweise die vier Pferde, die Märtyrer unter dem Altar), sowie der Paralleltext in Offb 14,1-5 »mit Frauen nicht befleckt«, »jungfräulich«, »Lamm«. Man sollte daher auch für Offb 7,4-8 symbolische Sprache erwarten. 

 

(2) Die Zahl ist symbolisch und weist auf die Fülle des Volkes Gottes hin.

(3) Die Aufzählung der Stämme ist ungewöhnlich. Der Stamm Dan  fehlt, während Manasse eigentlich in Josef enthalten ist. Ephraim wird nicht erwähnt. Levi ist mitgezählt. Juda steht an erster Stelle. Eine solche Aufzählung findet sich nicht im AT.

(4) Die meisten der zwölf Stämme existieren heute nicht  mehr.

(5) Das NT kennt ein geistliches Israel, das aus all denen besteht, die im biblischen Sinn an Jesus glauben (Röm 2,28-29; Gal 6,16).

 

Die große Schar umfasst die Erlösten der Endzeit. Die Beschreibung von Oftb 7,16-17 erinnert an Offb 21. Die Erlösten  werden nicht mehr hungern, nicht dürsten, es gibt keinen Tod mehr. Allerdings findet man einen interessanten Unter­ schied: In Offb 7 stehen die Erlösten vor Gottes Thron und dienen Gott in seinem himmlischen Tempel; in Offb 21,22 findet sich kein Tempel mehr. Die Szene spielt im neuen Jerusalem auf der neuen Erde. Offb 7b dürfte sich daher noch vor dem Ende des Millenniums abspielen. Koester beobachtet, dass mit Offb 7 ein Wechsel stattgefunden  hat. Die  schon gesche-henen und die noch drohenden Gerichte  Gottes, die in Offb 6 erwähnt werden, machen in Kap. 7 wunderbaren Versprechen Gottes Platz. Damit schafft Offb 7 »eine gewaltige Bestätigung der Treue Gottes«.

 

Das siebte Siegel

Die kurze Botschaft des siebten Siegels irritiert viele derart, dass sie gern noch die Verse von Offb 8,2-5 oder 6 in dieses Siegel einschließen würden. Kürze  oder Länge des Textes kann aber kein Kriterium für die Abgrenzung eines Siegels sein. Die ersten vier Siegel sind relativ kurz; das sechste ist ungewöhnlich lang, länger als alle anderen Siegel zusammen.

 

a. Die Stille im Himmel

Unter dem siebten Siegel entsteht eine Stille im Himmel. Darüber bestehen verschiedene Ansichten, von denen wir etliche anführen wollen. Einige dieser Erklärungen schließen sich gegenseitig nicht aus. (1) Es ist die Stille vor dem Blasen der sieben Posaunen, die aus dem siebten Siegel hervorgehen. (2) Im Anklang an jüdisches Denken ist es die Stille der himm-lischen Heerscharen vor dem Thron Gottes, damit die Gebete der Menschen, die in Offb 8,3-4 erwähnt werden, gehört werden können. (3) Jesus kommt mit den Engeln wieder, deshalb ist der Himmel leer und dort herrscht Stille. (4) Die Stille ist vergleichbar der Stille nach einem Sturm.  Das Gericht Gottes ist vollständig ausgeführt  und beendet, und nun  tritt Stille ein. In  Jes 65,6–7 klingt beispielsweise der Gedanke an, dass Gott sich angesichts der Ungerechtigkeit weigert, still und ruhig zu bleiben, bis die Gerechtigkeit wiederhergestellt ist (vgl. Ps 50,3-6). (5) Vor der Schöpfung  herrschte  nach jüdi-scher Tradition Stille (1. Mo 1,2; Esra 7,26- 31). Unter dem sechsten Siegel (Offb 6,15- 17) war schon infolge der Endzeit-katastrophen das Auftreten Gottes als Richter angedeutet und die Befreiung und Erlösung der Auserwählten beschrieben worden (Offb 7,9- 17). Was noch bleibt, ist die Neuschöpfung (Offb 21,1-22,5). Wie die Stille am Anfang der Weltgeschichte auf die Schöpfung hingewiesen hat, so weist die Stille in Offb 8,1 auf Gottes Neuschöpfung nach dem Millennium hin. (6) Stille/Schweigen kommt im AT immer wieder in Verbindung mit dem Gericht Gottes vor:

 

1) Gott ist still. Jes 42,14: »Ich schwieg wohl eine lange Zeit, war still und hielt an mich. Nun aber will ich  schreien«, sagt Gott. Er rettet die Frommen und richtet die Gottlosen (Verse 15-17) 

 

2) Menschen bzw. der Erdkreis sind still. 2.Mose 14,14: »Der Herr wird für euch streiten, und ihr werdet stille sein.« Gott führt das Volk durchs Meer und ertränkt die Ägypter. Ps 37,7: »Sei stille dem Herrn und warte auf ihn.« Die Bösen werden ausgerottet (Vers 9). Ps 76,9: »Wenn du das Urteil hören lässt vom Himmel, erschrickt das Erdreich und wird still.« Nach Vers 10 macht Gott sich auf zum Gericht, um den Elenden zu helfen. Habakuk 2,20: »Der Herr ist in seinem heiligen Tempel. 

 

Es sei vor ihm stille alle Welt!« Fünf Weherufe gehen voran über die, die Unrecht tun, und über Götzendiener.  Eine Beschreibung des  Gerichtes Gottes folgt.  Zeph 1,7: »Sei stille vor dem Herrn, denn des Herrn Tag ist nahe.« Der Tag des Herrn ist der furchtbare Tag des Gerichtes, der sich  durch  das ganze Buch Zephanja hindurch zieht. Er trifft Gottes Volk und die ganze Welt. Anders steht es mit den Übrigen, denn Gott ist mit ihnen. Sie dürfen sich freuen und brauchen kein Unglück zu fürchten. Sach 2,17: »Alles Fleisch sei stille vor dem Herrn; denn er hat sich aufgemacht von seiner heiligen Stätte.« Gott befreit sein Volk aus Babylon und richtet Babylon. Der Ton der Freude überwiegt.

 

Stille ist demnach häufig mit dem Gericht Gottes verbunden.  Im  Zusammenhang mit der Urteilsvollstreckung tritt Stille ein. Das Gericht selbst bewegt sich in zwei Richtungen: endgültige Erlösung bzw. Vernichtung. Nach Offb 8,1 findet die Stille im Himmel statt. Über die Erde wird nichts ausgesagt. Allerdings sind nach Offb 7,15 die Erlösten schon im Him-mel; also schweigt Gottes Volk im Himmel vor der Urteilsverkündung und -vollstreckung, so wie das Volk Gottes im AT vor dem Gericht Gottes über die Widersacher still war. Gott sorgt  nach  einer  kurzen  Zeit der Stille (»eine halbe Stunde«) für Gerechtigkeit und für die Errichtung seines Reiches der Herrlichkeit. In Offb 7,15 hatten wir schon einen Hinweis auf das Millennium gefunden. Die Stille im Himmel mag daher in verschlüsselter Form auf die Ereignisse hinweisen, die mit dem Millennium (Offb 20) und mit der Erschaffung der Neuen Erde (Offb 21-22) zusammenhängen.

 

b. Das Ergebnis

Die ersten beiden Ansichten über die Bedeutung des siebten Siegels müssen aufgrund der oben angeführten Gründe zur Abgrenzung des siebten Siegels abgelehnt werden. Die anderen sind denkbar. Sie berufen sich auch auf das Zeugnis des AT. Auf alle Fälle ist festzuhalten: das sechste Siegel weist auf Ereignisse in Zusammenhang mit dem zweiten Kommen Jesu hin und sieht die Erlösten vor dem Thron Gottes. Das siebte Siegel, das sich ganz unmittelbar daran anschließt, wird wohl am besten als ein Hinweis auf das Millennium und/oder den universalen Frieden verstanden, der als Folge des Millenniums an dessen Ende eintritt.

 

Zusammenfassung

Unsere Erkenntnis, sagt Paulus, ist Stückwerk. Dennoch helfen uns die sieben Siegel, Gottes  Pläne und ihre Zeitabläufe besser zu verstehen. Wir dürfen wissen, dass Gottes Reich der Herrlichkeit nicht mehr fern ist. Wir können uns entscheiden, auf welcher Seite wir am Ende stehen wollen: mit denen, die sich bei Jesu Kommen verbergen müssen oder mit denen, die sich nach der großen Trübsal vor dem Thron Gottes wiederfinden.

 

Die Vision von den sieben Siegeln beabsichtigt nicht, Angst einzuflößen. Sie ruft zwar indirekt zu einer Entscheidung für Jesus auf, macht aber vor allem deutlich, dass Gottes Gemeinde eine schwere Zeit erfahren wird, bevor sie in sein Reich eingeht. Über allem steht Jesus. Er hat die Seinen erlöst durch sein Blut. Er bringt sie durch die Trübsal hindurch. Durch seine Verdienste werden sie vor dem Thron Gottes stehen. Er wird sie weiden und leiten und sie mit allem Notwendigen, und auch darüber hinaus, versorgen. Darüber freuen sie sich. 

 

 

 


DIE APOKALYPTISCHEN REITER  - 1

Das erste Siegel - der Reiter auf dem weißen Pferd

 

Einleitung:

Betrachten wir die Vision, die dem Apostel Johannes gegeben wurde. Er sah vier verschiedene Reiter auf unterschiedlichen Pferden heranstürmen. Ihre Darstellung zählt zu den beliebtesten Motiven in der christlichen Kunst. Bekannt ist ein Gemälde von Albrecht Dürer,  auf dem die 4 Reiter als schreckliche Gestalten über die Erde rasen. Der Apostel beschreibt diese Vision in Off 6,1-8.

 

Bevor wir die Symbolik dieser Vision im Einzelnen betrachten, möchte ich euch auf den zeitgeschichtlichen Zusammenhang hinweisen. Als Johannes die Vision von den über die Erde stürmenden Pferden und Reitern empfing, waren Pferderennen bezw. Wagenrennen in den Städten des römischen Reiches überaus populär. In Rom nannte man auf allen Gassen die Namen berühmter Pferde. Nigrinus berichtet, eine Art "Pferdewahnsinn" habe die Massen ergriffen. Die Wagenrennen dauerten vom Morgen bis zum Abend. Meist fuhren vier Wagen gleichzeitig. Die Parteien waren durch Farben gekennzeichnet. Pferderennen hatten bei Festspielen zu Ehren des Kaisers, besonders bei seinem Amtsantritt, ihren Platz. Dieser Hinweis ist wichtig für das Verständnis der Vision.

 

Kapitel 6 muss im Zusammenhang mit den in Kp. 4 u. 5 berichteten Visionen betrachtet werden. Johannes beschreibt in Kap. 4 den Thron Gottes und in Kp. 5  schildert er den Amtsantritt des zum Weltherrscher erhöhten Christus, dem die himmlische Welt Lob, Ehre und Anbetung entgegenbringt. - siehe Off. 5,11-14 (Hfa) 

 

Johannes berichtet die vier Reiter konnten dadurch auftreten, dass das Lamm – Symbol für Christus - eine mit sieben Siegeln versiegelte Buchrolle aufbrach. Über diese Buchrolle wird in Off. 5,1-10 folgendes berichtet F9-10. In den Tagen des Johannes wurden wichtige Dokumente und Schriftstücke oft versiegelt, um unbefugte Personen daran zu hindern, sie zu öffnen oder zu lesen. Das römische Recht sah vor, dass ein Testament das Siegel von sieben Zeugen erhalten musste. Nach dem Ableben des Testamentinhabers kamen die sieben Zeugen bei einem Rechtsanwalt zusammen. Jeder einzelne musste den Nachweis seines Siegels erbringen und anschließend den Siegelabdruck brechen, so dass der Inhalt gelesen werden konnte.

Es fällt auf, dass keiner der Thronengel oder Ältesten die Buchrolle mit den sieben Siegeln öffnet, sondern allein Jesus Christus, das für unsere Sünden geopferte Lamm. Dieser Vorgang enthält eine wichtige und tröstende Botschaft. Die Geschichte dieser Welt und ihrer Völker liegt nicht in den Händen eines blinden und toten Schicksals, sondern in den Händen Jesu Christi. Ihm hat Gott alle Vollmacht gegeben. Alle Fäden der Weltgeschichte laufen bei ihm zusammen. Er führt den Plan Gottes mit dieser Welt hinaus. Das gibt der scheinbaren Sinnlosigkeit des Weltgeschehens einen letzten Sinn. Wir brauchen keine Angst vor der Zukunft zu haben. Denn es sind die für uns durchbohrten Hände Jesu, die Siegel um Siegel im Buch der Geschichte öffnen.

 

Wie wir im Laufe unseres Studiums erkennen werden, beschreibt die siebenfach versiegelte Buchrolle den Werdegang der Gemeinde Jesu, der christlichen Kirche, von den Tagen der Himmelfahrt Jesu bis zu seiner Wiederkunft. Wir erhalten Antwort auf die Frage, wie die Nachfolger Jesu in dem gewaltigen Kampf zwischen Licht und Finsternis, zwischen Christus und Satan, Gott und Welt, den Sieg erlangen können.

 

Der ev. Prälat Karl Hartenstein, schrieb deshalb  zusammenfassend: "Kapitel 6 ist wie ein Abriss der ganzen Kirchengeschichte in wenigen gewaltigen Bildern, in wenigen wesentlichen Zügen." Die frühen Kirchenväter sahen bereits im 3. Jh. in diesen Symbolen den Siegeszug und Niedergang der christlichen Kirche beschrieben und vorhergesagt. Betrachten wir nun gründlich 

 

Das erste Siegel: Ein weißes Pferd und ein sieghafter Reiter - Off. 6,1.2  Was fällt uns an dieser Vision auf? Die Farbe weiß - Die Krone - Der Sieg im Voraus - Der Bogen -  Was bedeuten diese Symbole? Die Meinungen der Bibelausleger gehen scharf auseinander. 

Die einen sehen in diesem Reiter die Bedrohung des römischen Reiches durch die Parther. F13 Seit dem Jahre 62 n. Chr. waren sie die östlichen Nachbarn des römischen Reiches und die am meisten gefürchteten Feinde. Den Römern gelang es nicht, diese geschickten Bogenschützen, die sogar nach rückwärts abschießen konnten, wenn sie sich galoppierend zurückzogen, zu besiegen.

 

Andere sehen in diesem Reiter den Antichrist, den in die Farbe des Lichtes verkleideten Dämon, der als Ersatzchristus auftritt. Es gibt auch Ausleger, die in diesem Reiter ein Symbol des Imperialismus und Militarismus sehen.

 

Victorinus, einer der ersten Ausleger der Offenbarung im 3. Jh. n. Chr., sah im Bild des Reiters auf dem weißen Pferd den Sieg des Evangeliums über das Heidentum. Er schrieb: "Nachdem der Herr gen Himmel gefahren war, sandte er den Heiligen Geist, und unter seiner Wirksamkeit traf das Wort menschliche Herzen wie Pfeile, um den Unglauben zu überwinden... Deshalb ist das weiße Pferd die Predigt des Wortes unter dem Heiligen Geist in der ganzen Welt."

 

Die ersten Kirchenväter stimmten weithin mit dieser Auslegung überein. Auch die Reformatoren vertraten diese Ansicht. Heinrich Bullinger, der Nachfolger des Schweizer Reformators Ulrich Zwingli, deutete in seiner Auslegung der Offenbarung das erste Siegel mit dem weißen Ross als "die glückhafte Predigt des Evangeliums".

 

Wir wollen jetzt untersuchen, woher die frühen Ausleger der Offenbarung die Gewissheit nahmen, dass der weiße Reiter den Siegeszug Jesu und seines Evangeliums in die Völkerwelt darstellt. Nur wenn wir den ersten Reiter richtig deuten, können wir die nachfolgenden Reiter richtig einordnen und identifizieren. Unser Prinzip ist, die Bibel durch die Bibel auszulegen und menschlichen Deutungsversuchen zu widerstehen. Das Bild vom Reiter auf dem weißen Pferd wird in Off. 19,11-15a wiederholt. In dieser Beschreibung ist der Reiter eindeutig Christus. Nur er trägt den Namen "Das Wort Gottes". Er ist der Kämpfer für Gerechtigkeit. Er ist der wiederkommende König und Richter.

 

Mancher fragt mit Recht: Wie kann Christus das Lamm sein, das die Siegel öffnet und zugleich der Reiter auf dem ersten Pferd sein. Sie sehen hier einen Widerspruch. Wir müssen berücksichtigen, dass die anderen Reiter auch keine wirklichen Personen sind, sie werden bezeichnet als Tod, Krieg, Hölle. Sie sind Symbole für Konzepte, für Ereignisse. So muss auch der erste Reiter ein Symbol für ein Konzept sein, das weltweite Auswirkung in der Völkerwelt hat.

 

Nachdem wir eine Übereinstimmung zwischen dem ersten Reiter auf dem weißen Pferd und der Beschreibung des wiederkommenden Christus in Off. 19 festgestellt haben, muss der erste Reiter ein .Konzept repräsentieren, für das Jesus einsteht. Er wird in Off. 19 als das Wort Gottes bezeichnet. Der erste Reiter stellt also das wahre, göttliche Evangelium in seiner Reinheit und Klarheit dar. Er symbolisiert das echte Christentum, die wahre biblische Religion, wie sie von den Apostel und den ersten Jüngern machtvoll verbreitet wurde.

 

Der Reiter auf dem ersten Pferd steht im Gegensatz zu den anderen Reitern wie der Tag zur Nacht. Das echte Christentum bietet das Brot des Lebens an, es bringt inneren Frieden und ist das Gegenteil von Krieg, Teuerung, Hunger und Tod. 

 

Beginnen wir nun, die einzelnen Kennzeichen des ersten Reiters genauer zu untersuchen und ihre Bedeutung im biblischen Zusammenhang zu erkennen:

 

1.  Die weiße Farbe 

Die Könige des Orients ritten auf weißen Pferden. Weiß ist die Farbe des Sieges und des Triumphes, der Reinheit und Herrlichkeit. Weiß ist die Farbe der Hoheit und Würde. Die Farbe "weiß" ist in der Offenbarung immer das Attribut der Himmelswelt. In der gesamten Offenbarung ist die Farbe weiß ein Symbol für Christus oder für Dinge, die mit Christus zu tun haben oder für geistlichen Sieg.

Sehen wir uns ein paar Beispiele an:

  • Offb 1,14: Der auferstandene und zu Gott erhöhte Christus erscheint Johannes mit weißen Haaren.
  • Offb 14,14: Johannes sieht Christus als Weltenrichter auf einer weißen Wolke wiederkommen.
  • Offb  20,11: Beim großen letzten Völkergericht sitzt Christus auf einem weißen Thron.
  • Offb  4,4: Die 24 Ältesten - gewissermaßen ein Thronrat Gottes – tragen weiße Gewänder.
  • Offb 7,9: Die große Schar der Erlösten trägt als Zeichen des Sieges weiße Gewänder.

Wir erkennen, Weiß ist in der Offenbarung die Farbe Christi und seiner Gerechtigkeit. Von daher kamen die alten Bibelausleger zu der Ansicht, dass der erste Reiter auf dem weißen Pferd die Verkündigung des reinen Evangeliums darstellt, Christi Botschaft von der Erlösung der Welt von ihren Sünden. Gottes Wort ist licht und hell. Es ist die Wahrheit, die das Leben bringt.

 

2. Der Bogen 

Der Bogen ist auf ägyptischen und assyrisch-babylonischen Reliefs das orientalische Königssymbol des die Völker bezwingenden Kampfes. Der Bogen ist bei den Gottesoffenbarungen des AT häufig eine Waffe, mit der Gott weit in die Völkerwelt hineinschießt. Habakuk 3,8.9 Eine sehr schöne Beschreibung des ersten Reiters finden wir im AT in Ps 45,4-6 Ein drittes Beispiel finden wir in Sacharia 9,14.

 

Der Bogen mit den sicher treffenden Pfeilen ist der Bogen des göttlichen Wortes, dessen Worte wie Pfeile fliegen und ins Herz treffen. Die Elberfelder Übersetzung gibt Hab 3,8 so wieder: "Du ziehst einher auf deinen Rossen, deinen Wagen des Heils. Gespannt ist dein Bogen durch dein Wort!"

 

Gleich Pfeilen dringt Gottes Wort ins Herz. Die Apostel haben diese Wirkung des Wortes Gottes in ihrer missionarischen Verkündigung immer wieder erfahren. Darum lesen wir in der Apg  wiederholt:  "...da sie dies hörten, ging es ihnen durch 's Herz und sie sprachen: 'Was sollen wir tun, dass wir gerettet werden?" (Apg.2,37).

 

3. Die Krone 

Von Anfang an ist dem ersten Reiter die Krone, der Siegeskranz verliehen. Seine Krone ist das Diadem seines prinzipiellen Sieges über alle Macht der Welt und der Finsternis. Die Apostel haben diesen Sieg Christi in verschiedenen Worten beschrieben. z.B. Kol 2,14.15. Hfa übersetzt:  "Gott hat... die finsteren dämonischen Nächte entmachtet und in ihrer Ohnmacht bloßgestellt, als Christus über sie am Kreuz triumphierte." - In der Off. wird der Sieg Christi über die widergöttlichen Mächte kraftvoll beschrieben (Off. 12,7-10). Christus ist Sieger über Sünde, Tod und Teufel. Er ist auch der Sieger über die antichristlichen Mächte der Endzeit - wie Off. 17,14 - bezeugt! 

 

4. Von dem 1. Reiter wird gesagt: "..und er zog aus... dass er siegte"

Das Wort, das an dieser Stelle im Griechischen verwendet ist, bedeutet bei Johannes immer "Sieg Gottes". Das ist das Triumphwort, das in Off. 5,5 auf Christus bezogen ist: "Weine nicht! Einer hat gesiegt... Es ist der Löwe aus dem Stamm Juda, der Nachkomme König Davids" - Bildhafte Beschreibung für den Messias.

 

In den vergangenen Jahrtausenden sind mächtige Herrscher gekommen und gegangen. Sie wurden gefeiert und vergessen. Sie wurden auf den Thron gehoben und gestürzt. Nur Einer ist geblieben und schreitet sieghaft durch die Welt und gewinnt täglich in allen Völkern und Nationen immer mehr Menschen für sich - Jesus Christus. Vom Nordpol bis zum Südpol, vom fernen Osten bis zum fernen Westen und auf den Inseln der Weltmeere wird nur ein Name, nur eine Person von Menschen aller Rassen und Kulturen erhöht und angebetet, gelobt und verherrlicht - Der Name Jesu! Junge und Alte, Arme und Reiche, Gebildete und Ungebildete, Mächtige und Unterdrückte bekennen sich zu Jesus Christus als dem König aller Könige und dem Herrn aller Herrn, dem Heiland und Erlöser, dem Retter und Befreier.

 

Das Wunder ist, Jesus gewann diese weltweite Herrschaft nicht durch Kriege und Macht, sondern durch die Verkündigung seiner Heilsbotschaft, durch die Offenbarung seiner Liebe. Von den Pfeilen des Heils, die der Reiter auf dem weißen Pferd verschießt, werden bis auf diesen Tag Millionen Menschenherzen getroffen. 

 

70 Jahre hindurch versuchten die Kommunisten den atheistischen Staat zu schaffen, den christlichen Glauben auszurotten. Sie hielten sich für die Sieger über eine, wie sie meinten, die Völker verdummende Religion. Doch. ihre Herrschaft ist zerbrochen und sie müssen erleben, wie in unseren Tagen Christus erneut die Massen zu sich zieht und wie besonders die Jugend nach Christus fragt.

 

Die Kirchen- und Apostelgeschichte bestätigt, wie siegreich das Evangelium von Jesus Christus bereits im 1. Jh. durch die damals bekannte Welt eilte. Sie sprechen von dem unaufhaltsamen Vordringen des Wortes Gottes. Nichts ist je so gehasst worden wie das Wort Gottes, kaum ist ein Buch so angefeindet wie die Bibel. Doch in unseren Tagen sind die Bibel und biblische Bücher in mehr als 2000 Sprachen zu bekommen. Und in der ehemaligen Sowjet Union wird die Bibel jetzt in Millionenauflage verbreitet. 

 

Der Historiker Gibbon schreibt in seiner Geschichte über den Verfall des römischen Imperiums: "Der Siegeszug des Christentums war nicht begrenzt auf das römische Reich. Die neue Religion hatte bereits 100 Jahre nach dem Tode ihres göttlichen Stifters alle Teile des Erdballs erreicht. In der Stadt Antiochien gab es mehr als 1oo.ooo Christen und die Zahl der Christen im gesamten Imperium wurde auf etwa 5 Millionen geschätzt."

 

Wie weit und schnell das weiße Pferd seinen siegreichen Reiter durch die Welt trug, bezeugt der Apostel Paulus mit folgenden Worten: "Diese Botschaft wird nicht nur bei euch, sondern auch in der ganzen Welt verbreitet. Immer mehr Menschen hören sie, nehmen sie an, und so trägt sie reiche Frucht. Auch bei euch ist es vom ersten Tag an so gewesen, als ihr erfahren habt, wie gnädig Gott ist. … Wichtig ist aber, dass ihr auch weiterhin fest und unerschütterlich in eurem Glauben bleibt. Lasst euch durch nichts davon abbringen! Keine Macht der Erde soll euch die Hoffnung rauben, die Gott euch durch seine rettende Botschaft geschenkt hat. Ihr habt sie gehört, und sie ist überall in der Welt verkündet worden. Mein ganzes Leben steht im Dienst dieser Botschaft. Sie will ich weitersagen." Kol 1,6.23 Hfa

 

Nach Römer 1,8. schrieb er den Christen in Rom: "Aufs erste danke ich meinem Gott... dass man von eurem Glauben in aller Welt spricht!"

 

In Römer 15 berichtet der Apostel, dass durch seinen Dienst „Menschen aus allen Völkern zum Glauben und Gehorsam gekommen sind“.

 

Heute gibt es kaum ein Volk, in dem nicht Menschen zur Beute des Reiters auf dem weißen Pferd geworden sind und immer noch werden.  Auf der Weltmissionskonferenz der Adventmission im Jahre 2005 waren Menschen aus mehr als 200 Ländern zusammengekommen, um vom schnellen Fortschritt des Werkes Gottes zu berichten. Wahrhaftig, Christus ist durch die Predigt des Evangeliums in alle Welt als Sieger ausgezogen, um von Sieg zu Sieg zu gelangen.

 

Christus selbst beschrieb das Werk des ersten Reiters in Mk. 13,10 mit folgenden Worten: "Alle Völker werden die Heilsbotschaft hören, bevor das Ende kommt!" 

 

Mt 24,14: "Die Heilsbotschaft vom Reich Gottes wird in der ganzen Welt verkündigt werden, damit alle Völker sie hören. Dann erst wird das Ende kommen." Wir sind Zeugen für die Erfüllung dieser Worte! 

 

Obwohl Christus als Sieger auszieht, der den Kampf auf Golgatha und in seiner Auferstehung und Himmelfahrt bereits gewonnen hat, so wirkt sich sein Sieg jedoch nicht automatisch auf jeden Menschen aus. Christus zwingt niemanden sein Heil auf. Er will keine Sklaven, sondern nur Freiwillige, die ihm aus Liebe und Dankbarkeit dienen. Darum muss das Wort Gottes ausziehen, um den Sieg zu gewinnen, obwohl die Schlacht bereits entschieden ist. Aber sie ist nicht entschieden für den einzelnen Menschen. Der einzelne erhält von Gott die unerhörte Freiheit zur Botschaft von Christus Ja oder Nein zu sagen. Er hat die Freiheit, das Heil anzunehmen oder abzulehnen.

 

Darum möchte ich diese Studie mit ein paar persönlichen Fragen abschließen Hat Gottes Wort auch dich in deinem Herzen getroffen? Oder versuchst du dich vor seinen Pfeilen hinter dem Schild deines kritischen Verstandes, deiner Trägheit oder deinem Hang zur Sünde zu verstecken? Mag jemand auch versuchen, den Pfeilen der göttlichen Wahrheit und der Kraft des Evangeliums, der Liebe Jesu auszuweichen, entgehen kann er ihnen nicht. Wer sich von Gottes Wort nicht zu seinen Lebzeiten leiten lassen will, wird erfahren wie ihn das Wort - einem tödlichen Pfeil vergleichbar - zuletzt im Gericht treffen und vernichten wird.

Darum wollen wir jetzt unser Herz für Jesus und sein Wort öffnen und unser-

Herz von den Pfeilen seiner Liebe und Wahrheit durchbohren lassen, so werden wir teilhaben am Endsieg, wenn Christus mit allen seinen Engeln kommen wird.

 

 


DIE APOKALYPTISCHEN REITER 

2. Siegel – Der Reiter auf dem feuerroten Pferd

 

Einleitung - Wiederholung:

Bevor wir den Inhalt des 2. Siegels betrachten und die Bedeutung des feuerroten Pferdes studieren, möchte ich noch einmal an die generelle Bedeutung der Vision von den apokalyptischen Reitern erinnern. Die frühen Kirchenväter sahen bereits im 3. Jahrhundert in dieser Vision den Siegeszug und Niedergang der christlichen Kirche beschrieben und vorausgesagt. Der ev. Prälat Karl Hartensteinschrieb: "Kapitel 6 ist wie ein Abriss der ganzen Kirchengeschichte in wenigen gewaltigen Bildern, in wesentlichen Zügen."

 

Diese Erkenntnis müssen wir uns stets vor Augen halten, wenn wir in der Auslegung dieser Vision richtig gehen wollen. Die Offenbarung ist das große Trostbuch Jesu für seine Gemeinde zwischen seiner Himmelfahrt und Wiederkunft. Es geht in der Offenbarung um den Werdegang der Kirche Jesu, um ihren Kampf mit den dämonischen Kräften und den Reichen dieser Welt. In der Offenbarung wird nicht allgemeine Weltgeschichte, sondern speziell die Geschichte der Kirche und der Nachfolger Jesu prophetisch beschrieben.

 

Dies geht aus dem Einleitungstext zur Offenbarung klar hervor (Off. 1,1-3).

In unserem vergangenen Studium erkannten wir, dass der Reiter auf dem weißen Pferd den Siegeszug des reinen Evangeliums in die Völkerwelt darstellt. Die Reiter auf den folgenden Pferden symbolisieren die vom Satan entfesselten Gegenmächte, die den Sieg Christi und seines Wortes verhindern wollen. Sehen wir uns den Inhalt des 2. Siegels an (Off. 6,3.4)

 

Auch bei diesem Text müssen wir uns an das Prinzip halten, die Bibel durch die Bibel auszulegen. Auch hier müssen wir den größeren Textzusammenhang berücksichtigen. Es gibt Bibelausleger die dieses Prinzip übersehen und in diesem Reiter nur eine Ankündigung von allgemeinen kriegerischen Auseinandersetzungen erkennen. Doch damit würde die Einheit des Textes aufgegeben.

 

Um diesen Reiter richtig zu deuten, müssen wir nach einer Antwort auf die Frage suchen, gegen wen sich der Krieg richtet und was für Menschen getötet werden sollen. Die Erklärung finden wir in Off. 6,9.10.11. 

 

Die Aussage im 5. Siegel macht also deutlich, dass es sich bei den im 2. Siegel erwähnten Krieg um einen geistlichen Krieg und bei den erwähnten Verfolgten und Getöteten um die wahren, gläubigen Nachfolger Christi handelt. Ihnen soll der Friede genommen werden, den Christus ihnen gebracht hat. Christus selbst hat in eindeutigen Worten davon gesprochen, dass es um des Evangeliums willen zu Hass und Verfolgung, Feindschaft und Mord unter den Menschen kommen würde. (Matt. 10,34-36.21.22)

 

Diese Deutung des 2. Siegels wird auch dadurch bestätigt, dass wir uns die Bedeutung des griechischen Wortes ansehen, das in der LÜ mit "Schwert" wiedergegeben ist. - Der Urtext sagt: "Es wurde ihm ein 'Machaira.' gegeben. Mit diesem Wort wurde nicht ein Kriegsschwert, sondern ein Opferschwert, ein Schlachtmesser bezeichnet, das bei den rituellen Opfern verwendet wurde. In diesem Zusammenhang ist interessant, dass das feuerrote Pferd und sein Reiter von der zweiten Gestalt am Thron Gottes hervorgerufen wurden. Diese zweite Gestalt wird uns in Offb 4,7 im Symbol eines Stieres vorgestellt. Der Stier aber war ein beliebtes Opfertier. - Wir erkennen die tiefen Beziehungen der biblischen Texte zueinander. Der Apostel Paulus hat diesen Gedanken, dass die treuen Christusnachfolger in dieser Welt oftmals wie Schlachtopfer behandelt werden, in Röm 8,35.36 ausgesprochen.

 

Nachdem wir erkennen, dass es sich bei dem 2. Reiter und seinem Tun nicht um Krieg und Mord im allgemeinen Sinne handelt, sondern um Ereignisse, die Jesu Gemeinde und die Gläubigen betreffen, sind wir bereit, die Aussagen und Bilder im einzelnen zu untersuchen und zu verstehen. Die erste Aussage über diesen Reiter lautet:

 

… den Frieden von der Erde zunehmen

Diese Aussage hat eine zweifache Erfüllung gefunden.

a) im Verhältnis der Gemeinde zur Umwelt – 

b)  In der Beziehung der Gläubigen untereinander. 

Um die Voraussetzungen für eine erfolgreiche und ungehinderte Verkündigung des Evangeliums durch die Apostel und ersten Christen zu schaffen, hatte Gott dafür gesorgt, dass die "Pax Romana" - der "römische Friede" - entstand. Es war die vom römischen Kaiser Augustus verwirklichte Reichsidee, die alle Völker des römischen Reiches in einem einheitlichen Friedensreich vereinte. Jeder Bürger und Einwohner sollte innerhalb der Grenzen des römischen Weltreiches Schutz, Sicherheit, Rechtsanspruch und Fürsorge genießen. Das Symbol dafür war der im Jahre 9 v. Chr. eingeweihte Friedensaltar.

 

Die Historiker sagen, dass die Länder des Römischen Imperiums niemals zuvor und niemals danach eine solche kriegsfreie Friedenszeit hatten, wie im l. u. 2. Jh. nach Christus. Unter .diesen Bedingungen konnte sich das Evangelium schnell ausbreiten. Es gab keine politischen Barrieren. Niemals zuvor und niemals später waren das Reisen und die freie Meinungsäußerung so ungehindert möglich, als zur Zeit der "Pax Romana".            

                                                                                                               

Die Christliche Gemeinde konnte sich ungehindert entfalten und ihre Friedensbotschaft verkündigen und viele Menschen nahmen sie an. Der weiße Reiter zog aus, sieghaft, dass er siegte.

 

Doch im 3. u. 4. Jahrhundert ging die Zeit des Friedens und der religiösen Toleranz zu Ende. F10 Die römischen Kaiser begannen, die Christen grausam zu verfolgen und hinzurichten. In dieser Zeit haben viele Gemeindeglieder Christus verleugnet und ihre Mitschwestern und Mitbrüder an die staatlichen Behörden verraten. Doch ungezählte haben ihren Glauben bewahrt und ihr Leben für Christus in den Tod gegeben. In den folgenden Jahrhunderten haben sich diese Vorgänge immer und immer wieder ereignet. Der Reiter auf dem feuerroten Pferd versucht mit allen Mitteln, den Siegeszug des Reiters auf dem weißen Pferd zu verhindern. Die rote Farbe deutet auch darauf hin, dass die Geschichte der Gemeinde Jesu mit dem Blut der Märtyrer geschrieben wurde, und bis auf diesen Tag in vielen Ländern geschrieben wird.

 

Der Friede war aber nicht nur im Verhältnis der Gemeinde zur Umwelt genommen. Auch in der Beziehung der Gläubigen untereinander kam es zu Streitereien und Verfolgungen, zu einem geistlichen Krieg. Die religiöse Einheit des Glaubens und der Lehre zerbrach. .Es kam zu heftigen Lehrstreitigkeiten, zur Diskriminierung und Verfolgung Andersdenkender. Christen begannen, andere Christen zu töten. Der Geist der Liebe und des Friedens, der gegenseitigen Achtung und Toleranz hatte sich nach dem ersten christlichen Jahrhundert aus der sichtbaren Kirche zurückgezogen. Stattdessen drangen Uneinigkeit, Zank, Zwietracht und ein fanatischer religiöser Eifer ein, durch den sich Christen aufhetzen ließen, einander zu vernichten. Die Kirchengeschichte des 4. u. 5. Jahrhunderts liefert genügend Beweise für diese Entwicklung.

Dr. Karl Heussi berichtet in seinem Kompendium der Kirchengeschichte von den unzähligen großen Lehrstreitigkeiten, von den mächtigen kirchenpolitischen und theologischen Kämpfen der verschiedenen religiösen Parteien im 4. u. 5. Jahrhundert nach Christus.

 

Thieß schreibt in seinem Buch "Das Reich der Dämonen" auf Seite 335 über diese Entwicklung: "Gerade in jenen zwei Jahrhunderten gaben die Konzilien, die Ketzerverdammungen und Straßenkämpfe unter Führung von aufgehetzten Mönchen oder bestochenen Bischöfen das niederdrückende Schauspiel eines geistlichen Krieges, der nicht um Heilswerte, sondern um die politische Macht innerhalb der Kirche geführt wurde." Die Feindschaft der Christen untereinander war zuweilen heftiger als die Wut wilder Tiere. Einzelne christliche Gruppen bekämpften sich gegenseitig auf höchst unchristliche Weise. Ein Beispiel mag für viele andere stehen:

 

Im Jahre 428 stritten sich Nestorius, der Patriarch von Konstantinopel und Cyrill, der Patriarch von Alexandrien, darüber ob Maria göttliche Verehrung gebühre und sie den Titel "Gottesmutter" tragen dürfe. Auf einem Konzil in Ephesus sollte darüber entschieden werden. Nestorius wurde verurteilt. Cyrill hatte eine Schar Bewaffneter mitgebracht, die seiner Auffassung zum Sieg verhalfen. 449 wurde auf einem weiteren Konzil in Ephesus über die Natur Christi gestritten. Der Patriarch von Alexandrien hatte zu seiner Rückendeckung eine Schar gewaltbereiter Mönche und christliches Pöbelvolk mitgebracht. Man suchte sich gegenseitig niederzubrüllen. Soldaten griffen ein. Mit Waffengewalt wurde die Ansicht des Patriarchen von Konstantinopel verworfen. Papst Leo der l. bezeichnete dieses Konzil als eine "Räubersynode". Hefele schreibt in seiner Konziliengeschichte: "Bischöfe, die nicht bereit waren, die Meinung des Patriarchen von Alexandrien zu akzeptieren, wurden in die Kirche eingesperrt. Zur Gesellschaft gab man ihnen Soldaten und Mönche mit Säbeln und Knüppeln und zwang sie so, den Beschluss des Konzils anzunehmen."

 

Zu diesen Lehrstreitigkeiten kam der Rangstreit der Bischöfe. Jeder wollte der

Erste in der Kirche sein, wobei der Bischof von Rom den Primat unter den Bi-

schöfen für sich beanspruchte und mit allen Mitteln dafür kämpfte. Außerdem

begann der Bischof von Rom seine politische Macht durch bezahlte Söldnerheere auszudehnen.

 

2. … ihm war gegeben ein großes Schwert 

Als die Gemeinde in der Zeit Konstantins des Gr. zur Reichskirche erhoben wurde, suchte sie die Hilfe des Staates zur Erreichung ihrer Ziele. Es kam zu einer unheiligen Verbindung von Staat und Kirche. Die Kirche wandte jetzt politische Macht und weltliche Mittel an, um geistliche Ziele zu ereichen. Die Kirche ergriff das weltliche Schwert und begann Andersdenkende und Abtrünnige zu verfolgen. Die Bestrafung und Verfolgung der Ketzer wurde zum Mittel der Kirchenpolitik. Diesem Schwert sollten später in der Inquisition Millionen zum Opfer fallen.

 

Wie sich die Reichskirche bereits im 4. Jahrhundert des Schwertes gegen alle bediente, die sich von ihr in Glaubensfragen und theologischen Auffassungen unterschieden, zeigen die Proteste nordafrikanischer Bischöfe, die mit gewissen Lehrentscheidungen Roms nicht einverstanden waren, und die mit Gewalt zur Kirche zurückgeführt werden sollten. In ihrem Protest sagten sie:F14  "Meint ihr, Gott zu dienen, indem ihr, uns mit eigener Hand ermordet? Ihr irrt: Gott hat keine Henker zu Priestern.  Christus lehrt uns, Unrecht zu dulden, nicht zuzufügen. Er hat Propheten und Fischer, aber nicht Fürsten und Soldaten zur Ausbreitung des Glaubens bestimmt." (Schaff KG.,S.554)

 

Die Reichskirche stellte. Aberglauben und heidnische Opfer unter Todesstrafe. Die christlichen Kaiser des oströmischen Reiches erließen Gesetze gegen Ketzer u. Heiden. Als Begründung gaben sie an: Wenn jene nicht mit den Mitteln der Vernunft, von ihrem Irrglauben abgebracht werden können, müssen sie mit Gewalt und den Mitteln des Schreckens zurückgeführt werden. 

                                                    

Dazu kam, dass die Kirche ihre Missionspraxis änderte und Menschen mit Gewalt zwang, Christen zu werden. Ein besonderes Beispiel dafür ist die Missionierung der Sachsen. F 15 Im Jahre 722 begann Karl der Große, die Sachsen zu unterwerfen und ihnen den katholischen Glauben aufzuzwingen. Den Höhepunkt erreichte dieser Krieg im Blutbad zu Verden an der Aller im Jahre 782, wo an einem einzigen Tage 4500 Sachsen enthauptet wurden. In seinen Kapitularen für Sachsen glaubte Karl d. Gr., den Katholizismus den Sachsen mit Zwang aufnötigen zu können.

 

Schauder ergreift uns, wenn wir in diesen Verordnungen immer wieder lesen:

„… der soll des Todes sterben!“ So lautete z.B. die 8. Verordnung: FX "Wenn künftig jemand im Volke der Sachsen, unter ihnen verborgen, als Ungetaufter sich verstecken will und es verschmäht, zur Taufe zu kommen und Heide bleiben will, soll er des Todes sterben!" Wir erkennen, wie dieser Geist dem Evangelium Jesu völlig widerspricht. Hier offenbart sich die dämonische Gegenmacht, die den Siegeszug des Reiters auf dem weißen Pferd aufhalten und unwirksam machen möchte. Zwang, Intoleranz, Streit und Krieg kennzeichnen den satanischen Geist.

 

3…. Ein feuerrotes (oder blutrotes) Pferd 

Die Farbe Rot steht in der Bibel für Sünde und Korruption. In Jes 1,18 spricht Gott: "Wenn eure Sünde auch blutrot ist, so soll sie doch schneeweiß werden.“ Satan der Urheber alles Bösen, wird in der Offenbarung dargestellt als großer roter Drache. Die rote Farbe des Pferdes symbolisiert die Veränderung und Verunreinigung des Evangeliums und der göttlichen Wahrheit. In den ersten Jahrhunderten kam es durch den Einfluss der griechischen Philosophie und des römischen Heidentums zu einer Vermischung des Evangeliums mit weit reichenden Folgen. Wie wenige Tropfen roter Tinte ein Glas reinen Wassers verfärben, verunreinigen und verderben, so beeinflusste und veränderte das in die Kirche einströmende heidnische Gedankengut und Brauchtum das Leben und die Anbetung der Gläubigen.

 

Friedrich von der Ropp schrieb in seinem Buch "Menschheit in der Entscheidung" über diese Entwicklung folgendes: "Die Neubekehrten brachten viel heidnische Gebräuche in die Kirche. Zugleich nahm man unendlich viel vom römisch-heidnischen Wesen in sich auf. Manche Götter wandelten sich in Heilige, welche die Wünsche der Menschen zum Thron Gottes trugen. Die griechische Göttin Magna Mater "Kybele" verwuchs mit Maria, der Mutter Christi. Die Mumienverehrung Ägyptens übertrug sich, und man begann irdische Reste der Heiligen zu verehren, ja man schrieb ihnen Wunderkraft zu. Ortschaften und Völkerschaften erhielten besondere Schutzheilige, sowie sie früher Schutzgötter hatten. Die einzelnen Lebensgebiete wurden einzelnen Heiligen anvertraut. Vor allem geriet der Gottesdienst unter den Einfluss des Heidentums. Die ewige Lampe der Vesta brannte weiter, der Weihrauch aus den Mysterien erfüllte die Kirche und die Geistlichen kleideten sich in Gewänder, ähnlich den heidnischen und jüdischen Priestern."

 

Die rote Farbe des 2. Pferdes symbolisiert aber auch das vergossene Blut der treuen Zeugen Jesu, die in der Verfolgung durch die römische Staatsmacht und später durch die Verfolgung der Reichskirche ihr Leben verloren. Es ist tragisch, dass die Gemeinde, die anfangs von Reinheit des Glaubens und herzlicher Liebe geprägt war, in einem Zeitraum von wenigen Jahrhunderten durch Ehrgeiz und Machtstreben so entstellt wurde, dass ihr Zustand durch ein feuerrotes Pferd und einen Krieger veranschaulicht werden musste.  Interessant ist. dass die Apostel diese Entwicklung vorausgesehen und davor gewarnt haben, Wir wollen uns ein paar wichtige Aussagen ansehen: Apg. 20,29.30; 1. Kor. 1,1o;  3,3. 

 

Jesus hat den Gegenangriff des Reiters auf dem feuerroten Pferd vorausgesehen und seinen Jüngern folgende ermutigende Botschaft gegeben: Mk. 13,9 Hfa. So wie das weiße Pferd mit seinem Reiter noch immer sieghaft durch die Welt zieht, so ist auch der Reiter auf dem feuerroten Pferd bis auf diesen Tag unterwegs um Unfrieden, Streit, Hass und Krieg, Verfolgung und Mord unter den Menschen zu wirken. 

 

Denken wir an die Auseinandersetzungen zwischen den Protestanten und Katholiken in Nordirland, an die Kämpfe zwischen orthodoxen Serben und katholischen Kroaten in Jugoslawien, an die Konflikte zwischen den Nachkommen Abrahams, den Streit zwischen Juden und Arabern, den immer stärker werdenden Ausländerhass in der sich zum Christentum bekennenden Bundesrepublik. Die Menschheit, die nicht unter dem Kreuz leben will, lebt unter dem großen Schwert des zweiten Reiters wie unter einem großen Opfermesser. 

 

Gesellschaften, die nicht auf Gottes Gesetz und den Friedensschluss von Golgatha gegründet sind, leben auf dem Vulkan der Revolution. Pastor Erich Schnepel bemerkt in seinem Kommentar zur Offenbarung: F21"Jesus bringt den Menschen zum Frieden in sich selbst und mit den andern. Überall dort, wo der Friede in uns selbst und mit den andern Menschen gestört wird, ist die große Gegenmacht am Werk. Sowie wir merken, dass wir selbst im inneren Frieden gestört werden und die Eintracht mit andern Menschen verlieren, wissen wir, dass hier ein Angriff  dämonischer Gewalten auf uns vorliegt, die uns innerlich ermorden wollen. Wo sie innerlich das Spiel gewinnen, folgt die äußere Katastrophe im Einzelleben und in der Völkerwelt bald nach."

 

Darum ist es so wichtig für uns, dass wir bei Christus bleiben und in ihm und durch ihn Frieden in unserem Herzen haben und so zu Friedensstiftern werden. Die Bibel enthält dazu klare Worte an uns. Wir wollen auf einige Aussagen merken, die für uns besonders wichtig sind; Eph 2,14.16 Hfa. -  Darum sollten wir die Mahnung in Eph 4,3 beachten und beherzigen: "Setzt alles daran, dass die Einheit - wie sie der Heilige Geist schenkt nicht durch Unfrieden zerstört wird!" (Hfa). Und der Apostel Petrus sagt: "Wer sich am Leben freuen und gute Tage erleben will, der... setze sich unermüdlich und mit ganzer Kraft für den Frieden ein." (Hfa in 1.Petr.3,10.11).

 

Wir dürfen wissen und zuversichtlich sein. Der Reiter mit dem großen Schwert, der den Frieden wegnimmt, wird nicht siegen. Achten wir abschließend auf die herrliche Verheißung in Römer 16,20: F23 "Denn Gott, der euch seinen Frieden schenkt, wird dafür sorgen, dass bei euch der Satan bald endgültig besiegt ist!' (Hfa).

 

Eine kurze Zusammenfassung der Symbolik des Reiters auf dem roten Pferd. 

 

Den Frieden von der Erde zu nehmen: 

  • Die PAX ROMANA zerbricht
  • Der römische Staat verfolgt die Christen
  • Die Kirche streitet um die Lehre – Räubersynoden
  • Die Bischöfe streiten um Macht

Ihm wurde ein großes Schwert gegeben

  • Vereinigung von Kirche und Staat
  • Gewalt gegen Heiden und Ketzer
  • Verfolgung Abtrünniger und Irrlehrer
  • Missions mit den Mitteln der Gewalt

Ein rotes Pferd

  • Verunreinigung des reinen Evangeliums
  • Sünde und Korruption
  • Das Blut der Märtyrer

In unserer nächsten Studie werden wir das 3. Siegel öffnen und den Reiter auf dem schwarzen Pferd betrachten.

 


DIE APOKALYPTISCHEN REITER

Der Reiter auf dem schwarzen Pferd - 3. Siegel (Off. 6,5.6)

 

Wiederholung und Zusammenfassung:

Bevor wir heute Abend das 3. Siegel öffnen und den Reiter auf dem schwarzen Pferd auftreten lassen, erinnern wir uns kurz an die ersten beiden Reiter, deren wir Bedeutung wir bereits studierten. Wir erkannten: 

 

Der Reiter auf dem weißen Pferd, der sieghaft auszog, dass er siegte, stellt den Siegeszug des Evangeliums in der Völkerwelt dar. Die weiße Farbe ist ein Symbol für die Reinheit der apostolischen Lehre, für die Gerechtigkeit Christi, die das zentrale Thema der apostolischen Verkündigung war und bis zum Ende das Kennzeichen der wahren Gemeinde und ihrer Gläubigen sein wird. Der Reiter auf dem roten Pferd, der ein großes Schwert hatte und den Frieden von der Erde nahm, symbolisiert die Kirche im 3. u. 4. Jh. Es kam  zu heftigen Lehrstreitigkeiten. Auf den Synoden wurden theologische Auffassungen mit Waffengewalt durchgesetzt. Die Kirche nahm das weltliche Schwert, um Ungläubige, Abtrünnige und Ketzer  zu verfolgen und zu bestrafen. Christen begannen, Christenblut zu vergießen, Menschen wurden mit Gewalt  wie z.B. im Falle der Sachsen, bekehrt.

 

Betrachten wir nun das schwarze Pferd und seinen Reiter.  (Off. 6,5.6)

Dieses Pferd steht im totalen Gegensatz zu dem ersten Pferd. Schwarz ist das vollkommene Gegenteil zu Weiß. Bedeutete weiß die Farbe der Gerechtigkeit Christi, die Reinheit der Lehre, die Sündenvergebung, so ist schwarz ein Symbol für den Abfall, für die Verdunkelung der Wahrheit, für die geistliche Finsternis, für die Preisgabe der Gerechtigkeit Christi, für die Verwerfung des Wortes Gottes.

 

Wir wollen jetzt prüfen, ob die Bibel diese Auffassung bestätigt: 

Der Psalmbeter sagte in Psalm 119,105: "Dein Wort - o Gott - ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege"- Und in Sprüche 6,23 steht: "Das Gebot ist eine Leuchte und die Weisung ein Licht" - Und Jesus sagte nach Joh. 8,12: "Ich bin das Licht für die Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht mehr in der Finsternis umherirren, sondern folgt dem Licht, das ihn zum Leben führt."

 

Das schwarze Pferd stellt also eine Periode in der Kirche dar, in der Gottes Gebot und Gottes Wort missachtet wurde, in der Christus und seine Gerechtigkeit nicht mehr Mittelpunkt von Lehre und Leben waren. Die Zurückweisung des Wortes Gottes, die Opposition gegen Gottes Gesetz führt zu einer geistlichen Finsternis zu einer religiösen und moralischen Verdorbenheit.

Der Wechsel von Weiß zu Schwarz wird in der Bibel als ein Symbol des Abfalls, der Sünde und der Verunreinigung beschrieben: Klagelieder 4,6-8!

Der Wechsel vom Licht zur Finsternis ist das Ergebnis der Gottlosigkeit (Hiob 18,5.6.18).

Abfall von Gott endet in der Finsternis: Jes 8,19–22

 

Die Verwerfung der göttlichen Gerechtigkeit und Wahrheit veranlasst die Menschen, die Werke der Finsternis zu tun (Epheser 5,9-14 Hfa).

Wir müssen also sagen: Das schwarze Pferd ist ein Symbol für die geistliche und sittliche Finsternis, für Irrtum und Aberglauben. Wir wollen uns jetzt einige Beispiele für diese Entwicklung ansehen:

 

Die Historiker berichten, wie sich in der mittelalterlichen Kirche der Aberglaube immer stärker ausbreitete und unvorstellbare Triumphe feierte. Dazu kam die sittliche Verdorbenheit vieler Kleriker und des Papsttums. Mosheim behauptet in seiner Kirchengeschichte: "Die wahre Religion war fast gänzlich durch den greulichsten Aberglauben verdrängt worden." Adolf v. Harnack bemerkt im 2. Bd. seiner Dogmengeschichte: "Der Strom der Heilsgeschichte endete in einer sumpfigen Niederung... die christliche Religion drohte zu einem neuen Heidentum zu werden."

 

Ein Auszug aus dem Geschichtswerk von Mosheim gibt uns eine Schilderung von der Periode, die das schwarze Pferd im dritten Siegel umfasst. Mosheim schrieb: "Die meisten Kirchenlehrer waren der Lehre des griechischen Philosophen Plato und anderen heidnischen Anschauungen ergeben ...Hier finden wir die Quelle für die schwärmerische Verehrung verstorbener Heiliger und für die Vorstellung von einem Fegefeuer... Zur selben Zeit entstand auch die Bilder- und Reliquienverehrung, die im Laufe der Zeit das wahre Evangelium fast gänzlich verdunkelte... Ein ganzes Heer abergläubischer Vorstellungen trat an die Stelle des Evangeliums und wirklicher Frömmigkeit... So wurden häufig Wallfahrten nach Palästina und zu den Gräbern der Märtyrer unternommen, als könnte man nur dort wahrhafte Tugenden und die gewisse Hoffnung auf Seligkeit erlangen... So brachte man beispielsweise ganze Ladungen von Erde aus Palästina und anderen heiligen Stätten mit, um sie als Wunder wirkendes Mittel gegen die Gewalt böser Geister zu Höchstpreisen zu verkaufen.... Die öffentlichen Prozessionen und Bittgänge, durch welche die Heiden ihre Götter zu versöhnen suchten, wurden in den christlichen Kultus aufgenommen und an vielen Orten mit großer Pracht gefeiert... Die geheimnisvollen Wirkungen, welche die Heiden früher ihren Götzentempeln, ihren Waschungen, den Bildsäulen ihrer Götter zuschrieben, wurden auf christliche Kirchen und Kultgegenstände, auf Wasser, das geweiht worden war, und auf die Bildnisse heiliger Männer übertragen."

 

Wenden wir uns dem zweiten Teil der Vision, der Person des Reiters zu. Er hat eine Waage in seiner Hand und verkauft Weizen und Gerste zu Wucherpreisen.

 

II. DER VERKAUF VON WEIZEN UND GERSTE ZU WUCHERPREISEN

Der Reiter auf dem schwarzen Pferd bringt eine Teuerung für das wichtigste Lebensmittel, für das tägliche Brot. Es wird genau abgewogen. Wo kein Mangel herrscht, wird nicht so genau gewogen und zugeteilt. Es ist offenkundig von einer Hungerzeit die Rede. Ein Beispiel dafür wird uns in Hesekiel 4,16.17 berichtet.

 

In Off 6,6 wird gesagt: „Ein Maß Weizen für einen Silbergroschen und drei Maß Gerste für einen Silbergroschen.“ Im Griechischen steht die Maßbezeichnung "chonix" dieses Maß bezeichnet die für das Überleben unbedingt notwendige Tagesration. Hfa übersetzt darum: „Für den Lohn eines ganzen Arbeitstages gibt es ein Kilo Weizen oder drei Kilo Gerste.“ Ein Silbergroschen entsprach etwa dem Tageslohn eines Arbeiters. In normalen Zeiten konnte er sich dafür 8-16 Pfund Weizen kaufen und von der wesentlich billigeren Gerste die zwei- bis dreifache Menge. Jetzt aber würde ein Tageslohn gerade ausreichen, um das Brot für den eigenen Bedarf zu kaufen. Zur Deckung der übrigen Lebensbedürfnisse blieb nichts.

 

Von welcher Hungersnot ist hier prophetisch dir Rede?

Wir müssen wieder die Bibel durch die Bibel auslegen. Wofür ist der Weizen in der prophetischen Bildersprache ein Symbol? Jeremia 23,28 ... Jesus griff diese Symbolik auf. Nach Mt 13,24 sagt Jesus: „Das Himmelreich gleicht einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säte.“ In Lukas 8,11 erklärt Jesus "der Same ist das Wort Gottes" - Guter Same ist Weizen 

Der Reiter auf dem schwarzen Pferd symbolisiert eine geistliche Hungersnot. Er kündet eine Zeit an, in der Gottes Wort, das Brot des Lebens, rar sein würde. Eine solche Zeit hatte Gott bereits durch den Propheten Amos angekündigt (Amos 8,11-13). Als Israel von Gott abfiel, wurde Gottes Wort selten. In 1 .Samuel 3,1 steht: „Zu der Zeit, als der Knabe Samuel dem Herrn diente unter Eli, war des HERRN Wort selten, und es gab kaum noch Offenbarung.“

 

Wie kam es zu dieser geistlichen Hungersnot in der Periode des schwarzen Pferdes?

In der alten Kirche wurde den Laien das Bibellesen sehr empfohlen. Die Kirchenväter sprachen sich eindeutig für das fleißige Lesen und Forschen in der Heiligen Schrift aus. Clemens von Rom schrieb um 100 n. Chr.: "Leset fleißig die heiligen Schriften, die wahren Aussprüche des Heiligen Geistes!". Tertullian von Karthago sagte Anfang des 2. Jahrhunderts: "Gott gab uns die Schrift, damit wir vollkommener und nachdrücklicher sowohl ihn selbst, als seinen Willen kennen lernen."

 

Athanasius der Große schrieb im 3. Jahrhundert: "Wir haben zu unserem Heil die göttlichen Schriften... Diese Bücher sind die Quelle des Heils, auf dass, wer Durst hat, ihn stille an den Offenbarungen, die sie enthalten; denn nur in diesen Büchern ist die Unterweisung in der Gottseligkeit dargelegt. Niemand wage es, etwas hinzu oder davon zu tun." Und Hieroynmus fügte hinzu: "Du sollst sehr fleißig die heiligen Schriften lesen, ja sie sollen fast niemals aus deinen Händen kommen!"

 

Trotz dieser und vieler anderer Zeugnisse der Kirchenväter nahm das Papsttum den Gläubigen die Bibel, das Brot des Lebens, fort. Zur Zeit des schwarzen Pferdes hatten die Menschen keine unmittelbare Berührung mit dem Wort der Bibel. Das Volk wurde mit Heiligenlegenden und anderen religiösen Erzählungen abgespeist, während ihm das Wort Gottes, die biblische Wahrheit vorenthalten wurde.

 

Gasparin sagt in seinem Geschichtswerk "Das Christentum" Bd. III über das Mittelalter: "...und was man nicht weniger vergeblich sucht, das ist die Bibel" L. Flathe bemerkt in seinem Buch "Vorläufer der Reformation" Bd. 1: "Das Evangelium war den meisten Christen ein verschlossenes Heiligtum geworden, zu dem der Eingang auf das strengste gewehrt, es war nur dem Priester noch gestattet, in demselben zu lesen und zu forschen, und die Kirche hatte sich als Herrin über dieses Evangelium gestellt und behauptete, nur sie könne die Worte der Schrift erklären."

 

Gregor IX. (1227-1241) entzog dem Volk die Bibel völlig und verbot auf dem Konzil von Toulouse (1229) das Lesen der Heiligen Schrift. Dieser Papst erhob die schreckliche Inquisition (blutige Folter- und Kirchengerichte) zu einer offiziellen Einrichtung der Kirche. Mit Androhungen der Höllenstrafe, mit Folter und Schwert wurden jene ausfindig gemacht, die eine Bibel in der Muttersprache oder Teile davon besaßen.

 

Der 14. Kanon des Konzils zu Toulouse lautet: "Die Laien dürfen die Bücher des A. und N.T. nicht besitzen... Wir verbieten ihnen auf das nachdrücklichste, die oben erwähnten Bücher in der Volkssprache zu besitzen. – Die Wohnungen, die elendsten Hütten und selbst die verborgensten Zufluchtsstätten jener Menschen, bei denen man derartige Schriften findet, sollen vollständig vernichtet werden. Diese Leute sollen bis in die Wälder und Höhlen verfolgt werden, und wer ihnen Obdach gewährt, hat strenge Strafe zu erwarten.“ Hefele V, 982 Gelesen werden durften nur noch die Psalmen und zwar nur auf lateinisch denn das Volk und die meisten Priester verstanden kein Latein. Das Konzil von Tarragona (1234) bestimmte: FX „Niemand darf das Alte oder Neue Testament lesen oder verbreiten. . . oder... er würde der Ketzerei angeklagt werden.“

 

John Wiciif, der frühe Reformator Englands, beschuldigte unerschrocken die römische Geistlichkeit, die Heilige Schrift verbannt zu haben, und verlangte, dass die Bibel dem Volk wiedergegeben und ihre Autorität in der Kirche wieder aufgerichtet werde. - Der Erzbischof von Canterbury, Arundel, bezeichnete Wicliff als einen "giftigen Buben einer verdammungswürdigen Ketzerei, der eine neue Übersetzung der Heiligen Schrift in seiner Muttersprache eingeführt hat." So entstand eine große geistliche Hungersnot. Den Gläubigen wurde das Lebensbrot, das Wort Gottes, so dürftig zugeteilt, dass es geistlich verhungerte. Doch für diese Zeit wurde auch eine großartige Zusage gegeben (Off.6.6): "Dem Öl und Wein tu keinen Schaden"!

 

III. DIE BEWAHRUNG VON ÖL UND WEIN

Was bedeutet es, dass in dieser Zeit Öl und Wein nicht angetastet werden sollten? Wieder müssen wir nach der biblischen Symbolik fragen, wenn wir richtig deuten wollen. Pastor Erich Schnepel sagt in seinem Bibelkommentar zur Offenbarung: "Dies ist eine tröstende Aussage. Öl und Wein dürfen von dieser Macht nicht beschädigt werden. Das sind die Bilder für den Geist Gottes und seine Gaben."

 

Plummer bezeichnet in seinem Predigtkommentar Öl und Wein als Symbole der Gnadenmittel, die Gott in seiner Vorhersehung inmitten eines geistlichen Niedergangs bewahrt hat. Für Plummer ist diese Bewahrung und Hilfe bereits in Psalm 23 als Erfahrung angesprochen. In Psalm 23,5.6 betet David zu Gott: "Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein." - Öl und Wein sind für David Zeichen der gnädigen Zuwendung Gottes, die den wahren Gläubigen mitten in den Drangsalen dieser Welt gegeben wird.

 

Öl und Wein werden zu Symbolen für Gottes Fürsorge, mit der er über seinen treuen Kindern wacht und ihre Bedürfnisse stillt. Während die Gerichte über diese Welt gehen, schenkt er ihnen Geborgenheit. In seiner Liebe versorgt er sie mit dem Notwendigsten. Sehen wir uns nun die biblische Bedeutung von Öl und Wein an, wie sie in der prophetischen Bildersprache vorkommt: 

 

In Sacharia 4 wird erklärt, das Öl ist Sinnbild für den heiligen Geist. Sach. 4,1-6. (lesen)– Das Öl welches aus den zwei Ölbäumen fließt und die sieben Leuchter ernährt, veranschaulicht den vom Thron Gottes ausgehenden Heiligen Geist, welcher die Gläubigen erleuchtet, kräftigt und tröstet. Gott sorgte dafür, dass in der Zeit der geistlichen Finsternis und Hungersnot die Erkenntnis seiner Wahrheit nicht erlosch. Er sorgte dafür, dass immer wieder Männer und Frauen aufstanden, die für das wahre Evangelium kämpften, die durch den Heiligen Geist seine Wahrheit erkannten und verteidigten. Aufrichtige Menschen wurden durch das Wirken des Heiligen Geistes erleuchtet, den Abfall zu erkennen und bei Namen zu nennen.

 

Der Wein steht in der Prophetie als Symbol für Gottes Gnadenbund, für Erlösung, Vergebung und das Evangelium, Jes. 55,1-3 (lesen); Matthäus 26,28 - Satan konnte mit allen seinen Helfern das Wirken des Heiligen Geistes nicht aufhalten oder verhindern. Er konnte nicht verhindern, dass der Heilige Geist die treuen Nachfolger Jesu in den Tagen der geistlichen Hungersnot und Finsternis erleuchtete, ernährte, erfrischte und tröstete. Er konnte nicht verhindern, dass der Heilige Geist das Licht des Evangeliums immer wieder entzündete und eine Schar treuer Bekenner, eine Schar der Übrigen hervorbrachte, welche dem großen Abfall widerstand.

 

E.G. White schreibt in ihrem Buch "Der große Kampf" S. 193: "Rom bot seinen ganzen Einfluss auf, um die Verbreitung der Heiligen Schrift zu verhindern. Aber Dekrete, Bannflüche und Folter blieben gleich wirkungslos. Je entschiedener die Bibel verdammt und verboten wurde, desto stärker verlangte das Volk zu erfahren, was sie wirklich lehre." Und auf Seite 268 bemerkt sie: "In den dunkelsten Zeiten gab es treue Männer, die Gottes Wort liebten und um seine Ehre eiferten. Diesen treuen Knechten wurde Weisheit, Macht und Stärke verliehen, während dieser ganzen Zeit seine Wahrheit zu verkündigen." - Wir könnten hinzufügen: Ihnen fehlte  es nicht an den Gnadengaben von Öl und Wein.

 

Ich denke wir erkennen, wie wichtig es für uns ist, die Bibel in ihrem Zusammenhang und geistlichem Anliegen zu verstehen und auszulegen.   

                                                                                           

Wer das tut, der wird davor bewahrt bleiben, in der Aussage von Off. 6,6 nur eine Interpretation über landwirtschaftliche Bewahrung der Ölbäume und Weinstöcke zu sehen.

 

IV.  Die Bedeutung des dritten Siegels für unser Leben: 

Satan wird nichts unversucht lassen, unseren Glauben zu schwächen, uns in die Finsternis zu führen und unseren Hunger und Durst nach Gottes Gerechtigkeit und seinem Wort wegzunehmen. Wir müssen ihm jetzt widerstehen. Wir müssen jetzt alle Vorsorge treffen, dass wir die letzte Krise bestehen. 

 

Was müssen und können wir tun, um für die letzte große Auseinandersetzung gerüstet zu sein?

  1. Wir müssen uns mit den Waffen des Lichtes rüsten - Römer 13,12 Hfa
  2. Wir müssen wie Kinder des Lichtes leben - Epheser 5,8.9
  3. Wir müssen uns geistlich ernähren - 1. Petr.  2,2 Hfa!

Wenn wir das tun, haben wir das schwarze Pferd und seinen Reiter nicht

zu fürchten. Wir werden mit dem Reiter auf dem weißen Pferd siegen und

uns ewig der Gemeinschaft mit Gott im Reich der Erlösten erfreuen.

 

 


 

DIE APOKALYPTISCHEN REITER - 4. Siegel

Der Reiter auf dem fahlbleichen Pferd (Off. 6,7.8)

 

Mit der Öffnung des 4. Siegels erreicht die Vision von den apokalyptischen Reitern ihren Höhepunkt. Die fahle, gelblich-grüne Farbe dieses Pferdes lässt nichts Gutes ahnen. Fahl ist eine unnatürliche Farbe. Das Wort im Urtext bezeichnet eine gelbliche Farbe, wie man sie an verwelkten oder kränkelnden Pflanzen sieht, an Pflanzen, die längere Zeit im Dunkeln standen und denen das Leben spendende Licht entzogen war. Es ist die Farbe des Todes, eine gelblich, bleiche, wächserne Farbe, wie sie Leichen haben. Sie ist der krasse Gegensatz zum kräftigen Grün, der Farbe des Lebens.

 

Im Griechischen NT steht das Wort "chloros" - die Septuaginta, die Übersetzung des AT aus dem Hebräischen ins Griechische, gebraucht dieses Wort in 3. Mose 13.49 für den todbringenden Aussatz. In der Medizin heißt noch heute die Bleichsucht Chlorosis. Die Farbe des Pferdes passt zu seinem Reiter. Er ist der schlimmste Reiter. Er braucht kein besonderes Abzeichen. Hatte der 1. Reiter als Symbol Pfeil und Bogen, der 2. Reiter das Schwert, der 3. Reiter eine Waage, so genügt bei diesem Reiter sein Name: "der Tod". Der mittelalterliche Künstler, Albrecht Dürer, hat in seiner Darstellung der apokalyptischen Reiter, den 4. Reiter als Knochenmann gezeichnet, der den Dreizack schwingend über Leichen reitet. F2

 

Mit dem Reiter auf dem fahlen Pferd erscheint die dritte große Gegenmacht im Kampf gegen die Gemeinde Christi. Johannes sieht, wie dem Reiter mit dem Namen Tod ein Heer von Toten folgt.  Diesem Reiter und seinem Gefolge aus der Unterwelt wurde Macht gegeben, ein Viertel der Menschheit zu töten. Das von Johannes gebrauchte griechische Wort "Thanatos" kann im Hebräischen auch Pest bedeuten. Darum ist es möglich, dass der Name des Reiters doppelsinnig ist und an Tod und Pest zugleich erinnern soll. Die Pest als Volkstod galt für viele Jahrhunderte als die schrecklichste Geißel.

 

Mit dem Erscheinen des 4. Pferdes und seines Reiters bekommt der Tod Macht auf Erden. Wie in einem riesigen Schleppnetz sammelt der Tot seine Ernte ein. So wie dem Krieg eine Hungerkatastrophe folgt, und dem Hunger die Pestilenz, so bringt das 4. Pferd eine Plage, die der Höhepunkt aller vorausgegangenen Plagen ist. Das ist die äußere Bedeutung des Symbols. Aber dieses Symbol bedeutet und beinhaltet mehr. 

 

Das Fehlen der geistlichen Nahrung (siehe 3. Pferd) bringt geistliche Krankheiten hervor, die zum Tode führen. So wie Pestilenz einer Hungersnot folgt, so schnell breitet sich der Irrtum aus, wo die Wahrheit nicht bekannt ist. Und Irrtum vergiftet die Seele. Wo das Wort Gottes nicht studiert wird, wo es aus Unkenntnis nicht befolgt wird, da breiten sich sehr schnell die unterschiedlichsten Häresien und Ketzereien aus. Die Menschen sterben den geistlichen Tod.

Wenn wir jetzt beginnen, die Einzelheiten des 4. Reiters zu betrachten, so müssen wir uns erneut an den Grundsatz halten, die Bibel durch die Bibel auszulegen. Das gilt besonders für die prophetischen Visionen und ihre bildhafte Symbolik. Jesus sagte zu seinen Jüngern nach Joh 16,25, dass er zu ihnen in Sprüchen und Bildern geredet habe. Das gilt besonders für die Offenbarung, die Jesus dem Apostel Johannes in der Verbannung auf Patmos gab.

 

1.  Der Tod in biblischer Symbolik

Jesus gebraucht das Bild vom Tod, um damit den absoluten geistlichen Niedergang zu beschreiben. In Mt 23,27.28 vergleicht Jesus die religiösen Führer seiner Zeit mit gepflegten Grabstätten, die von außen geschmückt sind, aber innen voller Totengebeine sind. Nach Lk 9,6o sagte Jesus zu einem Mann, der ihm nachfolgen wollte: „Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes!“ Und nach Offb 3,1 sandte Jesus folgende Botschaft an die Gemeinde in Sardes: „Du hast den Namen, dass du lebst, und bist tot!“  Das Pferd mit der Leichenfarbe, dessen Reiter Tod heißt, ist zunächst ein Symbol für den inneren Zustand der von Evangelium abgefallenen Kirche.

 

Die Apostel haben diese Symbolik von Jesus aufgegriffen und in ihren Briefen

an die Gemeinden angewandt: Paulus schrieb an die Christen „Ihr wart tot durch eure Übertretungen und Sünden … Wach auf, der du schläfst, und steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten“ (Eph 2,1.4; 5,14). Das Bild vom Tod wird von Jesus aber auch gebraucht, um das Schicksal der treuen Gläubigen zu beschreiben, die an seinem Wort und Gebot festhalten. Jesus sagt zu seinen Nachfolgern „Dann werdet ihr gefoltert, getötet und in der ganzen Welt gehasst werden, weil ihr zu mir gehört“ (Mt 24,9 Hfa). „Es wird so weit kommen, dass man meint, Gott einen Dienst zu erweisen, wenn man euch tötet“ (Johannes 16,3 Hfa).

 

Schließlich gebraucht Jesus das Bild vom Tod, um das Wesen der antichristlichen Macht zu beschreiben. Die antichristliche Macht wird als die große todbringende Macht geschildert. Der Apostel Johannes sah, wie sich die große Hure, das geistliche Babylon der Endzeit, berauschte an dem Blut aller Menschen, die Jesus die Treue hielten. In Off. 17,5.6 Hfa wird berichtet: "und auf ihrer Stirn war geschrieben ein Name, ein Geheimnis: Das Große Babylon, die Mutter der Hurer und aller Gräuel auf Erden."

 

Um zu verstehen, dass es sich bei dem fahlen Pferd und seinem Reiter nicht um ein allgemeines epidemisches Massensterben handelt, müssen wir einen Blick in das 5. Siegel tun. Hier erfahren wir, wer die Menschen sind, die von diesem Reiter getötet werden und wir erfahren auch, warum sie sterben müssen. "Und als es das fünfte Siegel öffnete, sah ich unter dem Altar die Seelen derer, die hingeschlachtet worden waren um des Wortes Gottes willen und um des Zeugnisses willen, das sie hatten. Und sie riefen mit lauter Stimme und sprachen: Wie lange, o Herr, du Heiliger und Wahrhaftiger, richtest du nicht und rächst nicht unser Blut an denen, die auf der Erde wohnen? Und jedem von ihnen wurden weiße Kleider gegeben, und es wurde ihnen gesagt, dass sie noch eine kleine Zeit ruhen sollten, bis auch ihre Mitknechte und ihre Brüder vollendet wären, die auch wie sie getötet werden sollten." (Off 6,9-11)

 

J.P. Lange  bemerkt darum in seinem Bibelkommentar zu Off. 6.8: "Die reine Sterblichkeit scheint von diesem Todesverhängnis unterschieden zu werden ... Das hier erwähnte Schwert geht offenbar in seiner Bedeutung über das große Kriegsschwert hinaus, es umfasst alle Formen des gewaltsamen Todes."

 

II. Wer ist der todbringende Reiter?

Wie wir bereits erkannten, erscheint Christus als Reiter auf dem weißen Pferd an der Spitze der vier apokalyptischen Reiter. Damit wird gesagt, dass wir es in dieser Vision mit Entwicklungen in der christlichen Kirche zu tun haben. Die Offenbarung teilt uns nicht allgemeine Weltgeschichte mit, sondern beschreibt uns die Geschichte der Gemeinde Jesu, ihre Siege und Niederlagen, ihre  Auseinandersetzungen mit den Kräften der widergöttlichen Mächte und den triumphalen Endsieg Gottes und seiner Gemeinde. Offb 19,11; 17,14; 19,19 zeigt deutlich, dass es um den Kampf zwischen Christus und Antichristus geht. 

 

Mit dem Auftreten des Reiters auf dem roten Pferd wurde der Friede der Gemeinde zerstört. Religiöse Streitereien und theologische Auseinandersetzungen erhitzten die Gemüter und führten zu Spannungen und Krieg. Mit dem Erscheinen des Reiters auf dem schwarzen Pferd, der die Grundnahrungsmittel Weizen und Gerste rationierte und zu Superpreisen anbot, wurde den Gläubigen das Lebensbrot die Bibel genommen. das Licht der göttlichen Wahrheit ausgelöscht und geistliche Finsternis verbreitet. Mit dem Reiter auf dem fahlen Pferd, dessen Name "Tod" ist, begann das große Sterben der wahren Gläubigen. Der Tod hielt furchtbare Ernte im christlichen Abendland. Diese Entwicklung hatte Gott bereits durch den Propheten Daniel angekündigt, Daniel 7,21.25. Johannes sah ebenfalls den großen Kampf gegen Gottes Volk -Off. 13,7 

 

Wir betrachten jetzt die geschichtliche Erfüllung des 4. Siegels und seines den Tod bringenden Reiters. Wir verfolgen den Todeszug dieses Reiters durch die Jahrhunderte. Als die Kirche begann, sich mit der weltlichen Macht zu vereinen, als sie das Schwert des Staates ergriff, um ihre religiösen Vorstellungen und Gesetze durchzusetzen, als sie selbst den Staat beherrschte und Kaiser und Könige vor dem Bannstrahl des Papstes zitterten, begann eine schreckliche Entwicklung, der Millionen Menschen zum Opfer fielen.

 

Das Papsttum des Mittelalters setzte alles ein, um die Menschen durch Gewissenszwang zu beherrschen. Jedes Mittel war recht, um die religiös-politische Macht des Papsttums zu vergrößern und seine Interessen durchzusetzen. In dem Buch "Geschichte des Protestantismus" steht in Band 1. S. 16 folgende Aussage eines Historikers: "Der Mittag des Papsttums war die Mitternacht der Welt! Ketzerverfolgungen, Inquisition, Kreuzzüge, Hexenverbrennungen, Folter und Scheiterhaufen, waren Kennzeichen des finsteren Mittelalters. Es schien, als hätten die Herrscher der Kirche alle Menschlichkeit abgelegt und dafür das böswillige Wesen von Dämonen und wilden Tieren angenommen. Durch Feuer und Schwert, Hunger und Folter wollte man alle ausrotten, die es wagten, offen oder heimlich Kritik an dem sittlichen Zustand der Kirche zu üben oder eine ihrer Lehren zu hinterfragen.“

Die Historiker bestätigen diese Entwicklung. William Guningham sagt in seiner Doktorarbeit über die sieben Siegel und sieben Posaunen der Offenbarung: "Das 4. Siegel stellt offensichtlich jenen Zeitabschnitt der Kirche dar. als die Flammen der Verfolgung von der päpstlichen Macht angezündet wurden."

 

III. Das Wüten des Todes 

Das große Töten und Morden im Namen Christi begann im Jahre 1095 und sollte von da an viele Jahrhunderte wären und Millionen Menschenleben fordern, ganze Landschaften veröden und blühende Gemeinwesen zerstören.

 

Am 27. November 1095 rief Papst Urban II. zum Kreuzzug gegen die Ungläubigen auf. Durch diesen Kreuzzug sollte das morgenländische Christentum, unter anderem auch Jerusalem, von der Herrschaft der Muslime befreit werden. Urban wurde 1881 heilig gesprochen. Insgesamt wurden bis zum Jahre 1270 sieben Kreuzzüge durchgeführt. Ein besonders trauriges Ereignis war der im Jahre 1212 durchgeführte Kinderkreuzzug deutscher und französischer Kinder, in dessen Verlauf Tausende von Kindern elend umkamen und viele andere als Sklaven verkauft wurden.

 

Mitte Mai zogen fast 20.000 Kinder und Jugendliche von Köln aus los. In Frankreich startete ein weiterer Kinderkreuzzug mit 30.000 Kindern und Jugendlichen. Die meisten kamen durch Erschöpfung, Hunger, Krankheiten um. Viele wurden auch von Sklavenhändlern gefangen und verkauft.

 

Im Jahre 1208 gab das Papsttum den Kreuzzügen eine neue Stoßrichtung. Es begannen die Kreuzzüge gegen bibeltreue Christen. In Südfrankreich hatte sich eine religiöse Volksbewegung entwickelt, die sich sehr schnell ausbreitete. Diese Bewegung stand dem biblischen Urchristentum sehr nahe. Für ihre Gottesdienste benutzten die Albigenser allein die Heilige Schrift in der Muttersprache. Sie verwarfen Sakramente und Zeremonien, den Heiligen-, Bilder- und Reliquienkult, lehnten das Papsttum und den katholischen Priesterstand ab. Sie zeichneten sich durch Bildung, Wohlstand und Fleiß und Sittenreinheit aus. Ihr vorbildlicher Lebenswandel stach besonders von der verweltlichten Geistlichkeit ab. In ihren Predigten deckten sie den Abfall von der Wahrheit und das verweltlichte Treiben der Kirche auf. 1167 hielten sie bereits eine eigene Kirchenversammlung in der Nähe von Toulous. 

Als Innozenz III. Papst wurde, begann die Verfolgung der Albigenser. Um die   Albigenser  auszurotten  und  ihre    Besitztümer  zu  vereinnahmen,  griff  Innozenz  III. zu einem Mittel, das bisher noch keiner angewandt hatte. Er ließ einen Kreuzzug gegen Christen unternehmen. F16 So strömte im Jahre 1209 ein riesiges Kreuzzugheer in die friedlichen Albigensertäler. Allen Teilnehmern hatte der Papst einen vollen Ablass aller Sündenstrafen versprochen. Bei der Erstürmung der Stadt Beziers, die sich nicht ergeben wollte, kam es zu einem entsetzlichen Blutbad. Weder Frauen noch Greise noch Kindlein in der Wiege wurden verschont. Sogar die in die Kirchen geflüchteten Frauen und Kinder schlug man nieder. In wenigen Stunden waren allein in Beziers nicht weniger als 20.000 Christen hingemordet worden, deren einziges Verbrechen darin bestand, den Lehren der Bibel zu folgen. Der päpstliche Gesandte, der grausame Zisterzienserabt Arnold berichtete dem Papst: "Die Unseren haben weder Rang noch Geschlecht noch Alter geschont!"

 

Beinahe 20 Jahre lang wütete dieser wechselvolle Krieg. Danach war das anmutige Land eine Wüste, die blühende Kultur mit der fleißigen Bevölkerung fast vernichtet. Die Kreuzzüge gegen Ungläubige, Andersdenkende und gegen den Abfall der Kirche protestierender Gruppen, kosteten ungeheure Opfer an Menschenleben und an Geld und Gut. Neben dem Kreuzzug gegen die Albigenser in Südfrankreich und die Waldenser in Oberitalien, kam es in Frankreich zur Unterdrückung und Verfolgung der Hugenotten. Bekannt ist das Massaker in der Bartholomäusnacht vom 23. zum 24. August 1572, das unter dem Stichwort "Pariser Bluthochzeit" in die Geschichte einging. 

 

Die Hugenotten waren Protestanten calvinistischer Prägung, die besonders unter dem französischen Adel ihre Führer hatten. Die Hochzeit des protestantischen Königs Heinrich von Navarra mit der Schwester des französischen Königs Karl IX. sollte zu einer Annäherung zwischen Katholiken und Protestanten führen. Doch die Königinmutter, Katharina von Medici, beschloss in Verbindung mit der katholischen Partei und ihrem Sohn Karl IX. die Niedermetzelung aller in Paris versammelten Hugenotten.  Etwa 2000 Hugenotten wurden in der Bartholomäusnacht in Paris ermordet. Dies war der Auftakt zu einer großen Verfolgungswelle, der innerhalb von zwei Monaten über 70.000 Hugenotten zum Opfer fielen. Papst Gregor VIII. gab zur Erinnerung an dieses Geschehen eine Denkmünze heraus. Es kam zu den sehr verlustreichen Hugenottenkriegen. Insgesamt wurden von 1562 - 1628 zehn Kriege durchgeführt. 200.000 Hugenotten gelang die Flucht in protestantische Länder, wo sie wegen ihrer Bildung, ihren wirtschaftlichen Fähigkeiten und ihrem Fleiße gerne aufgenommen wurden. 

Zu den Menschenverschlingenden Kreuzzügen gehört auch der Kreuzzug Philipp des II. von Spanien gegen die Niederlande, der unter der Herrschaft des Herzogs von Alba eine  blutige Schreckensherrschaft in den Niederlanden aufrichtete. Tausende wurden enthauptet. Der Wohlstand von Jahrhunderten zerstört. Die Bevölkerung drastisch dezimiert. In England wurden die Puritaner, eine auf die Bibel ausgerichtete Bewegung, die vor allen Dingen auf ein sittenreines Leben achtete, viele Jahre verfolgt.

 

Mary Tudor, die ihrem Vater Heinrich dem VIII. auf den Thron folgte, versuchte, den Katholizismus erneut als Staatsreligion zu etablieren. Dabei kam es zur Hinrichtung vieler Protestanten. Die Nachwelt bezeichnete sie daher, je nach religiösem Standpunkt, mit den Beinamen „die Katholische“ oder „die Blutige“ (engl. „Bloody Mary“). 

 

Schuld an dem großen Massensterben in Europa hat auch die von den Päpsten eingeführte Inquisition. Den Geist der Inquisition erkennen wir schaudernd in einem Wort von Papst Paul IV. Er sagte: "Und wenn mein eigener Vater ein Ketzer wäre, so würde ich Holz sammeln, auch ihn zu verbrennen." Die Inquisition wurde nach den Kriegen gegen die Albigenser 1299 auf der Synode von Toulous eingeführt. Am scheußlichsten wütete sie in Spanien unter dem Ketzerrichter Thomas de Torguemada. Er legte den Grundstein für die Spanische Inquisition, die bis ins 19. Jahrhundert bestehen sollte. Er lies ein Blutgericht als Glaubensakt zelebrieren (actus fides). 1481 starben in diesem feierlichen Blutgericht 12 000 Juden. Es waren Juden die sich geweigert hatten katholisch getauft zu werden. Allein in der Stadt Sevilla wurden mehr als 4000 Bürger auf sadistischste Weise hingerichtet. 

 

Um Geständnisse zu erzwingen, erlaubte Papst Innozenz IV. die Folter. Die Ketzerverbrennungen, denen Tausende und Abertausende zum Opfer fielen, gehen auf die Vorstellung zurück, dass durch die Verbrennung des Leibes die Seele eines Ketzers vor dem ewigen Höllenfeuer bewahrt werden könne. Einen Ketzer zu verbrennen war also in den Augen der Kirche ein Gnadenakt, ein Beweis der "Liebe".

 

Die Inquisition war das größte Unternehmen der Intoleranz. Einen besonderen Beitrag lieferte der von Ignatius von Loyola gegründete Jesuitenorden. In der Jubiläumsschrift zum 1oo-jährigen Bestehen des Ordens heißt es: "Vergebens erwartet die Ketzerei, durch bloßes Stillschweigen Frieden mit uns zu erlangen. … Kein Friede ist zu hoffen, der Same des Hasses ist uns eingeboren ... Wir haben ewigen Krieg an den Altären geschworen." Die Inquisition war eine Einrichtung, wie sie in anderen Religionen - die der primitivsten Menschenfresser ausgenommen - nicht ihresgleichen hat. Das Wort des Kirchenvaters  Augustin: "Zwingt sie zum Heil!" - trug furchtbare Früchte. In Spanien fanden bis 1783 mehr als 31.000 Menschen den Feuertod.

 

Ein besonders trauriges Kapitel sind die Hexenprozesse und Hexenverbrennungen. Sie sind eine weitere Ursache für das große Massensterben unter dem Reiter auf dem fahlen Pferd.  Die Historiker behaupten,  dass in der Zeit von 1500 bis 1680 etwa 100.000 Hexen verbrannt wurden. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts verurteilte in Lothringen ein einziger Richter über 800 Hexen zum Tode auf den Scheiterhaufen. Und der Bischof von Bamberg soll innerhalb von fünf Jähren über 600 Hexen verbrannt haben.

 

1484 gab Papst Innozenz der VIII. die berüchtigte Hexenbulle heraus. Sie wurde die Grundlage für die organisierte Hexenverfolgung in Deutschland. 1498 wurde in Köln der ''Hexenhammer"  herausgegeben, eines der fluchwürdigsten Bücher der Menschheit. Darin wird behauptet, dass jeder Mensch nur dadurch schon ein Ketzer werde, dass er nicht an Hexen glaubt. Die letzte Hexenverbrennung in Deutschland fand 1775 statt. Der Hexenwahn wütete fast 200 Jahre lang und mordete viele Menschen. 

 

Als Ergebnis der religiösen Verfolgungen und der katholischen Gegenreformation kam es  zum 3o-jährigen Krieg. Während des 3o-jährigen Krieg, um Glaubens- und Gewissensfreiheit wurde die Bevölkerung in Deutschland um 50% dezimiert. Ganze Landstriche verödeten. Immer neue Armeen zogen plündernd und mordend durch das Land und ließen Zerstörung, Hunger und Krankheit hinter sich zurück. 

 

Eine weitere Ursache für das ungeheure Massensterben war die Pest, die auch als schwarzer Tod bezeichnet wird. Der schwarze Tod kam im Mittelalter immer wieder in Wellen. Große Teile Europas waren betroffen und die Krankheit kostete Millionen Menschen das Leben. Die große Pestzeit erfasste Europa von 1347 bis 1352 und kostete rund ein Drittel der gesamten europäischen Bevölkerung das Leben, das waren etwa 18 bis 25 Millionen Menschen. Jesus sagte, dass unter dem fahlen Pferd die Menschen durch Seuchen (Pestilenz) dahingerafft würden. 

 

Einen besonderen Höhepunkt erreichte das Morden und Töten in der französischen Revolution, die täglich tausende an Opfern forderte. In Paris wurden täglich ganze Wagenladungen mit Menschen zur Hinrichtung gefahren. Die Guillotine arbeitete allmorgendlich lang und schwer. Niemand war mehr vor ihr sicher. Das Blut floss in den Straßen schäumend der Seine zu. Und in den Gefängnissen warteten über 200.000 auf ihre Verurteilung. Doch das Messer der Todesmaschine stieg und fiel zu langsam. So begann man die Gefangenen in langen Reihen mit Kartäschen niederzumähen.

 

Es ließen sich noch viele andere Ursachen für den Todeszug des fahlen Pferdes aufzählen. Ich erinnere an die Bauernkriege, an die Hussitenkriege, in denen die bibelgläubigen Protestanten in Böhmen um ihr Überleben kämpften. Erwähnt werden muss auch die Verfolgung der Täuferbewegung, die besonders von der protestantischen Geistlichkeit ausging. Viele bibelgläubige Menschen fielen ihr zum Opfer.

 

Der Reiter auf dem fahlen Pferd brachte ein blutiges Zeitalter voller Gewalt  und Schrecken, voller Intoleranz und religiöser Unterdrückung; Wissenschaftler schätzen die Zahl der im Mittelalter um ihres Glaubens- oder Gewissenswillen Ermordeten auf 50 Millionen. Ein Chronist sagte über das 16. Jh.: "Niemand geht unbewaffnet aus dem Haus. Jeder trägt ein Schwert für den Notfall an seiner Seite und solche Notfälle gab es massenhaft." Der Historiker Leopold von Ranke sagt in seinem Werk über die Römischen Päpste Band 1, S. 213 von dieser Zeit: "Es ist kaum möglich, ein Christ zu sein und auf seinem Bette zu sterben." In der Tat, das Totenreich füllte sich in dieser Zeit mit Millionen von Opfern, welche im Namen Christi getötet wurden. Schwert, Hunger, Pestilenz und Inquisition wirkten zusammen, das große Massensterben herbeizuführen.

 

Satan schien auf der ganzen Linie zu triumphieren. Die Gemeinde Gottes war in ihrer Existenz bedroht. Doch Gottes Wort, die Wahrheit seines Evangeliums, konnten auch in dieser schweren Zeit nicht ausgelöscht werden. Jesus sagte: "Die Pforten der Hölle werden meine Gemeinde nicht überwältigen"!

 

Der Reiter, dessen Name Tod heißt, ist auch in unserer Lebenszeit unterwegs. Der Zug des Todes hat gewaltig zugenommen. Wir dürfen den Reiter nicht nur auf die mittelalterlichen Kirche und ihre Verfolgungen beschränken. Der 1. Weltkrieg wurde z.B. von den christlichen Nationen ausgefochten, deren Herrschaftshäuser auch noch untereinander verschwägert waren. Die am Krieg beteiligten Völker waren Lutheraner (Deutschland), Anglikaner (England), Protestanten (USA), Orthodoxe (Russland), Katholiken (Frankreich). Millionen starben auf den Schlachtfeldern. Und nach Kriegsende wurden Millionen durch Hunger und Seuchen hinweggerafft.

 

Es war die deutsche Nation, das Land eines Martin Luthers, das Land der Reformation, das 6 Millionen Juden umbrachte, den zweiten Weltkrieg entfesselte, in dem allein 20 Millionen Sowjetbürger umkamen. Es war Amerika, das Land der religiösen Freiheit und Toleranz, das die ersten Atombomben abwarf und Hunderttausenden einen schrecklichen und qualvollen Tod bereitete und das diesen Bomben auch noch den Namen "Trinitat" (Dreieinigkeit) gab und damit Gott lästerte.

 

Es sind die vom Evangelium abgefallenen christlichen Industrienationen, die mit ihren Waffenexporten in aller Welt für blutige Kriege und schreckliche Leiden verantwortlich sind. Es ist die römische Kirche, die mit ihrem Kampf gegen Verhütungsmittel und ihrer Parteinahme für die reichen Großgrundbesitzer das Elend der Menschen und das Massensterben von Kindern in den Lateinamerikanischen Ländern fördert. Es sind katholische Kroaten und orthodoxe Serben, die auf dem Balkan voller Hass gegeneinander Krieg führten und uralte religiöse und soziale Spannungen austrugen. Es sind Protestanten und Katholiken, die in Nordirland einen Bürgerkrieg führten, dem schon viele Menschen zum Opfer fielen.

 

Wahrlich, der Reiter auf dem fahlen Pferd reitet auch in unseren Tagen grausam durch die Welt und er ist noch nicht am Ende seines Siegeszuges angekommen. Die Offenbarung schildert, zu welchem Höhepunkt das Morden und Töten noch kommen soll, wenn der soziale, kulturelle und religiöse Welteinheitsstaat unter der Führung des Antichristen geschaffen sein wird. Off. 13,11.14.15 Hfa. 

 

Wie tröstlich und ermutigend, zu wissen, dass der Macht des Todes die Macht des auferstandenen Christus gegenüber steht.

 

IV. Die Macht des Todes wird abgeschafft

Jesus ist stärker als er Tod. Er hat dem Tode die Macht genommen. Er wird am Ende siegen und auch den Tod selbst vernichten und für immer abschaffen. Diese Tatsache wird in der Bibel klar bezeugt und wir tun gut, auf diese Zusagen zu achten. Die Bibel enthält Worte Gottes gegen die Todesmacht und Verheißungen für die Getöteten. Hosea 13,14 F31 - Offb 21,3.4 

 

Wenn diese Zusagen Gottes in Erfüllung gehen, dann werden und dürfen wir mit allen Erlösten jubelnd ausrufen: "Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo bleibt nun dein Schrecken? ...Gelobt sei Gott, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus!"

 

Darum dürfen wir getrost in die Zukunft gehen, mag sie noch so dunkel sein, mögen noch so viele Todesschrecken auf uns fallen.  Um nur ein paar Stichwörter zu benennen: Atomtod, Tod durch Ozonloch, Krebs, Terrorismus, Bürgerkrieg usw. Wer zu Jesus Christus gehört, darf und wird mit dem Psalmbeter David bekennen "Und ob ich schon wandere im Tal des Todesschatten, so fürchte ich kein Unheil. Denn du bist bei mir.“ (Ps 23)

 


 

DIE SEELEN UNTER DEM ALTAR - 5. Siegel (Off. 6,9-11)

 

Einleitung: 

Das Studium der apokalyptischen Reiter offenbarte uns den Siegeszug des Evangeliums durch die Völkerwelt (Reiter auf dem weißen Pferd). Es offenbarte uns zugleich die gegen das Evangelium kämpfenden Mächte. Mit Schrecken erkannten wir, wie Millionen Menschen um ihres Bekenntnisses zu Christus und dem reinen Wort Gottes Verfolgung, Leiden und Tod erdulden mussten. Beim Aufbrechen des 5. Siegels sieht Johannes ein weiteres ergreifendes Bild.

 

Er sieht einen großen Opferaltar. Und unter dem Altar sieht er all die Menschen, die man getötet hatte, weil sie sich treu zu Gottes Wort bekannt und durch nichts von ihrem Glauben hatten abbringen lassen. Wir lesen in Offb 6,9-11.

 

1. DER ALTAR

Der Altar, den Johannes sieht, erinnert an den Brandopferaltar im Vorhof des jüdischen Tempels. In 3. Mose 4,30 steht: "Und der Priester soll von dem Blut nehmen und an die Hörner des Brandopferaltars tun und alles andere an den Fuß des Altars gießen."

Im alttestamentlichen Opferdienst wurden die Opfertiere im Vorhof außerhalb des Heiligtums geschlachtet und ihr Blut am Fuß des Brandopferaltars ausgegossen. Dieses Bild aus dem Opferdienst am Heiligtum macht deutlich, was Johannes gezeigt werden sollte - Das Blut der Märtyrer wurde wie eine Opfergabe für Gott vergossen.

 

Die Apostel haben die Hingabe des Lebens für Jesus und das Evangelium als eine Opferung betrachtet. Der Apostel Paulus schrieb in Rö 8,36: "Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wir sind geachtet wie Schlachtschafe". Und seinem jungen Mitarbeiter Timotheus schrieb er (2.Tim.4,6): "Ich werde schon geopfert, und die Zeit meines Abscheidens ist vorhanden." Und in Phi 2,17 bekennt Paulus: „Und selbst wenn ich sterben muss und mein Blut wie ein Opfer vergossen wird im Dienst für euren Glauben, so bin ich doch voller Freude“ (Hfa).

 

Im Bild vom Altar wird deutlich, dass die Gemeinde Jesu in dieser Welt jetzt eine Kreuzgemeinde ist. Nachfolger Jesu, die Gottes Wort durch ihr Zeugnis weitergaben und die Gottes Geboten gehorchten, mussten zu allen Zeiten den Hass der Welt, Verfolgung und Tod erleiden. Dennoch blieben viele Jesus treu.

 

Jesus selbst hat uns: über die Konsequenzen der Nachfolge nicht im Ungewissen gelassen. Er sagt, dass wir um seinetwillen ins Leiden und ins Martyrium kommen würden. (Mt 24,9 - Jh 16,2)

 

Rougemont - sagt in seinem Kommentar zur Offenbarung über den Altar des 5. Siegels: "Der Brandopferaltar ist das Symbol der Scheiterhaufen und Kreuze, an denen so viele Gläubige starben". Das Bild vom Altar sagt: Wie das Opfertier am Altar geschlachtet wurde, so werden am Altar Gottes die Männer und Frauen geschlachtet, die zu Märtyrern, zu Blutzeugen des Evangeliums werden. Doch im Bild vom Altar liegt zugleich ein starker Trost für die zum Tode verurteilten und für die in der Verfolgung lebenden: Gläubigen: Ihr Sterben geschieht auf dem Altar Gottes, d.h. in Gottes Nähe und Gegenwart, zu seiner Verherrlichung. Im Buch der Weisheit finden wir im 3. Kp. in den Versen 1.6 folgende Aussage über das Sterben der Frommen: "Aber die Frommen sind in Gottes Hand geborgen. Keine Qual kann sie mehr erreichen. Nur für kurze Zeit mussten sie leiden, aber unermessliches Glück wird ihnen zuteil. Gott stellte sie auf die Probe, um zu sehen, ob sie es verdienen, bei ihm zu leben. Wie Gold im Schmelztiegel erprobte er sie, wie ein vollwertiges Brandopfer nahm er sie an." D.h. das Blutopfer der treuen Zeugen ist die höchste Verherrlichung Gottes.  

                                                       

Der Anblick der auf dem Altar Geschlachteten sagt uns: Das Unrecht das an der Gemeinde Gottes geschieht, und die teuflischen Grausamkeiten an seinen treuen Nachfolgern sind nicht Verunreinigung des Heiligtums Gottes oder Durchkreuzung seiner Heilsgedanken, sondern ihr Sterben ist Gottesdienst. Das Blut der Märtyrer in der Rinne um den Altar sagt: Ihr scheinbar sinnlos vernichtetes Leben wurde in Wirklichkeit Gott gegeben und dient seiner Verherrlichung und der Förderung seines Werkes in dieser Welt. Prof. Sohm, sagt in seiner Kirchengeschichte: "Das Blut der Märtyrer war schon immer der Same der Kirche!" - Viele Menschen wurden vom .Evangelium überzeugt, als sie sahen, dass Menschen Jesus mehr liebten als ihr Leben.

Der Altar, an dem im AT das Blut ausgegossen wurde, stand nicht im Tempel, sondern im Vorhof. So ist auch der Altar, den. Johannes in der Vision schaute, nicht im Himmel, sondern auf der Erde. Überall da, wo das Blut der Zeugen Jesu vergossen wird, ist erneut der Altar errichtet, an dem Menschen zur Verherrlichung Gottes geopfert werden. Die Offenbarung sagt von den Erlösten, sie haben den Teufel besiegt Und haben ihn überwunden durch des Lammes Blut und durch das Wort ihres Zeugnisses und haben ihr Leben nicht geliebt, bis hin zum Tod. (Off. 12,11.)

 

Auch die Kirchenväter haben den Tod um des Evangeliums willen als ein Opfer auf dem Altar verstanden. Wir dürfen uns hier an das schöne Wort des Ignatius erinnern, das er während der Christenverfolgung unter dem römischen Kaiser Trajan schrieb: "Mehr sollt ihr mir nicht gewähren, als dass ich für Gott hingeopfert werden darf, solange noch ein Altar bereitet ist" (Ignatius Römerbrief 2,2)

 

Wenn also der Altar ein Symbol ist für die Plätze und Stätten, an denen Nachfolger Jesu zu Blutzeugen wurden, wenn also der Altar auf der Erde ist, dann kann es sich bei den Seelen unter dem Altar auch nicht um lebendige Geistwesen handeln, die schon im Himmel leben.

 

II. DIE SEELEN UNTER DEM ALTAR

Es fällt uns bestimmt schwer, uns vorzustellen, dass die Seelen der Frommen im Himmel für lange Zeit unter einem Altar eingepfercht sein sollten. Was ist mit dem Begriff "Seelen" unter dem Altar gemeint? In 5. Mose 12,23 steht nach der alten LÜ und nach der Übersetzung von Dr. H. Menge: "Halte daran fest, kein Blut zu genießen; denn das Blut ist die Seele, und du darfst die Seele nicht zugleich mit dem Fleisch essen."

 

J. Behm bemerkt deshalb in seinem Kommentar zu Offenbarung 6,9: "Aus der uralten Anschauung, dass im Blut die Seele d.h. das Leben, sitzt, erklärt sich die Vorstellung von den Seelen unten am Altar: Wo das Blut, der Lebensträger, fließt, da entströmt das Leben selbst; die Seelen weisen auf das vergossene Blut der Märtyrer. Ihr Tod hat freilich auf der Erde stattgefunden, aber ihr Leben ist im Himmel Gott als Opfer geweiht."

 

Wie das Lamm Gottes hatten sie ihr Leben zum Opfer gebracht. .Johannes schaut die Getöteten als wären sie lebendig. Wie sie hier reden, würden sie klagen, wenn sie aufstünden und fänden, dass Gott noch immer nicht für sie Gericht gehalten hat. Mit den Seelen sind also die um Christi willen Getöteten gemeint. Hfa übersetzt deshalb: "Ich sah unten am Altar all die Menschen, die man getötet hatte, weil sie sich treu zu Gottes Wort bekannt hatten."

Wie wir gesehen haben, könnte für den Begriff "Seelen" auch der Begriff "Blut" stehen. Johannes hätte auch sagen können: "Ich sah in der Rinne am Altar das Blut der treuen Zeugen Jesu." Dies wird auch deutlich, wenn wir an die Grundstelle denken, in der zum ersten Mal davon gesprochen wird, dass das Blut eines Menschen zu Gott um Rache schrie. In 1. Mose 4,10 steht:  "Gott aber sprach zu Kain: Was hast du getan? Die Stimme des Blutes deines Bruders schreit zu mir von der Erde!" Niemand von uns wird annehmen, dass das Blut eine Stimme hat und wirklich schreit. Es ist dichterische, bildhafte Aussage. So ist auch die Erwähnung der Seelen unten am Altar eine bildhafte Veranschaulichung. Das auf Erden vergossene Blut der Märtyrer schreit in ähnlicher Weise zu Gott um Rache wie das Blut Abels.

 

Um zu verstehen, dass es sich bei den von Johannes erwähnten "Seelen" nicht um lebendige Geistwesen handelt, müssen wir folgendes bedenken: In unseren Tagen verstehen die Menschen unter dem Begriff "Seele" ein körperloses Wesen, das Unsterblichkeit besitzt und sich beim Tode vom menschlichen Körper trennt, um ein eigenständiges, befreites Dasein zu führen. Diese Vorstellung ist der Bibel fremd. Sie geht auf griechisch-philosophische Einflüsse zurück. Im griechischen Manuskript des NT steht für den Begriff Seele "Psyche" .Und im hebräischen Manuskript des AT steht für Seele das Wort "nephesch". Kittel sagt in seinem Theologischen Wörterbuch zum NT S. 620: "Nephesch ist der gewöhnliche Ausdruck für die totale (ganze) Natur des Menschen, für das was der Mensch ist und nicht nur für das was er besitzt ... "Nephesch" kann nicht ohne den Körper existieren."

 

Das Wort "nephesch" kommt in der Bibel zum ersten Mal in Verbindung mit der Erschaffung des Menschen vor. In 1. Mose 2,7' steht: Gott machte den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so wurde der Mensch ein lebendiges Wesen." - Der Theologe Walter Zimmerli schrieb: "Der Lebenshauch ist nicht eine unsterbliche Seele, in den von Gott aus Erde geformten Leib wird Gottes Lebensodem eingeblasen, so dass aus beiden ein Lebewesen wird."

 

Beachten wir: Adam bekam nicht eine unsterbliche Seele, er wurde zu einer lebendigen Seele, zu einem lebendigen Wesen, das durch den Lebensodem Gottes lebt. Diesen Lebensodem haben auch alle anderen lebenden Wesen von Gott erhalten. Pr 3,19.20 - Wesen, die den Lebensodem Gottes empfangen haben, sind sterblich, können sterben. 

 

Wir können den Vorgang mit dem elektrischen Stromvergleichen: Der Strom fließt in die Glühbirne und sie leuchtet auf. Er fließt in die Heizplatte eines Elektroherdes und wir erhalten Hitze. Der Strom fließt in einen Motor. Das Ergebnis ist die Drehbewegung. Ob wir nun Licht, Hitze oder Drehkraft erhalten, es ist immer derselbe elektrische Strom, es kommt nur darauf an, wohin er geleitet wird. In gleicher Weise besitzen Mensch und Tier denselben Lebensodem.

Was geschieht, wenn Mensch und Tier sterben? – Hiob 34,14.15 In dem Augenblick, indem Gott seinen Lebensodem wieder zurücknimmt, hören wir auf, ein Lebewesen zu sein. Wir sind tot, d.h. alle leiblichen, geistigen und seelischen Vorgänge hören auf. Die" Bibel sagt in Ps 104,29: "Du nimmst weg ihren Odem, so vergehen sie und werden wieder zu Staub."

 

Was sagt die Bibel über den Zustand der Toten, werden sie Gott loben, werden sie Anteil an seinem Walten haben, werden sie Bitten oder Fragen an Gott richten können? Jes. 38,18.19  

 

Wenn die um Christi willen Getöteten, nach dem Tod in den Himmel kommen, müsste dann nicht auch David, der Ahnherr des Messias, im Himmel sein? Doch der Apostel Petrus bezeugt, dass David nicht gen Himmel gefahren ist. Apg. 2,29.34 

 

Justin der Märtyrer, ein griechischer Philosoph, der sich zu Christus bekehrte und ein glühender Verteidiger des christlichen Glaubens wurde, sagt im 50. Kp. seines Gespräches mit Tryphon: "Ich entscheide mich nicht für Menschen oder menschliche Lehre, sondern für Gott und seine Wahrheit. Wenn ihr mit solchen zusammenkommen solltet, die sich Christen nennen... und behaupten, ihre Seelen würden schon beim Tode in den Himmel genommen, dann haltet sie nicht für Christen. " Justin  starb 165 n.Chr.- Im 2. Jahrhundert nach Christus war die Lehre von einer unsterblichen Seele also noch nicht Allgemeingut der christlichen Kirche.

 

Die Verfechter der Lehre von der Unsterblichkeit der Seele berufen sich gerne auf Offenbarung 6,9. Er ist für sie die klassische Beweisstelle dafür, dass die Abgeschiedenen jetzt bereits bei Gott leben. Doch wir haben gesehen, dass diese Auffassung dem Gesamtzeugnis der Heiligen Schrift widerspricht. Würden die Blutzeugen Christi bereits am Altar Gottes leben, dann müssten ihre Peiniger bereits im Höllenfeuer leiden. Dann aber wäre der Schrei der Märtyrer, ihre Anfrage an Gott, wann er ihr Blut rächen wird, sinnlos und unangebracht.

 

Es ließen sich noch viele Beweise gegen die Lehre von der unsterblichen Seele anführen. Doch wegen der Kürze der Zeit wenden wir uns jetzt dem Schrei der Märtyrer zu. Was ist ihr großes Anliegen?

 

II. DER SEHNSUCHTSSCHREI NACH DEM SIEG DER GÖTTLICHEN GERECHTIGKEIT  (Offb 6,10)

Bevor wir auf diesen Schrei näher eingehen, wollen wir kurz darüber nachdenken, welche Wirkung die Verfolgung auf die Angehörigen der Verfolgten hatte. Was müssen die Familienmitglieder eines Märtyrers empfunden haben, die zusehen mussten, wie der über alles geliebte Mensch gefoltert und verbrannt wurde? Was würdet ihr empfinden und denken, wenn ihr sehen müsstet, wie eure Mutter, eure Frau, eure Schwester, eure Tochter, euer Bruder oder Vater gequält wird und schrecklich leiden muss? Was für Gedanken würden euch kommen, wenn man euch sagen würde, der gemarterte Körper würde Gott gefallen, die Qualen, die der angebliche Ketzer jetzt erleide, seien nichts gegen die Qualen, die er auf ewig erleiden müsste, würde er nicht jetzt bestraft werden? Wie oft mögen die Familienangehörigen der Märtyrer zu Gott geschrieben haben: "Wie lange, wie lange, o Gott, sollen wir noch warten, bis deine Gerechtigkeit offenbar wird? Warum hast du uns vergessen?"

 

Während der spanischen Inquisition wurden die als Ketzer gebrandmarkten Gläubigen zu den Scheiterhaufen in besonderen Kleidern geführt. Um den Opfern und allen Zuschauern bewusst zu machen, welches letzte Schicksal der nicht bereuende Ketzer zu erwarten habe, bekleidete man die zur Hinrichtung vorgesehenen Opfer mit Kleidern auf denen Teufel und fürchterliche Quälereien abgebildet waren. Man setzte ihnen Teufelsmasken auf und verhöhnte sie mit den grässlichsten Ausdrücken. Auf diese Weise hoffte man, würde der Verurteilte in letzter Minute noch zur Aufgabe seiner Haltung veranlasst werden.

 

Das Sterben des Märtyrers war schwer doch kurz. Die Angehörigen litten viel länger. Sie konnten den grässlichen Tod nicht aus dem Gedächtnis vertreiben und sie konnten nicht verstehen, wie dadurch Gott geehrt werden sollte. Sie standen in Gefahr, an der göttlichen Gerechtigkeit und am göttlichen Charakter zu zweifeln. Genau dies war Satans Absicht. Der Schrei der Märtyrer ist kein Schrei des Entsetzens und der Qual, auch kein Schrei nach Rache für erlittenes Unrecht. Es ist der Sehnsuchtsschrei nach dem Sieg der göttlichen Gerechtigkeit über alle Ungerechtigkeit, ein Ruf nach Vollendung des Reiches Christi, für das sie gelitten haben.

 

Es wird hier nicht nach persönlicher Vergeltung gerufen. Die Kirchengeschichte berichtet uns, dass die Märtyrer oft  wie Jesus mit ihrem letzten Atemzug Gott gebeten haben, ihren Peinigern zu vergeben. Es ist vielmehr der verlangende Ruf nach der endgültigen Durchsetzung der göttlichen Gerechtigkeit. Es ist der Ruf nach der Rechtfertigung der Kinder Gottes. Es ist nicht der Ruf nach Rache, sondern der Ruf nach Offenbarung göttlicher Heiligkeit und Wahrheit, dass endlich Gottes Recht an den Tag komme. Dieser Schrei kommt zutiefst aus der Liebe zu Gott.

 

Dieser Schrei kommt aus der doppelten Bedrückung der Gläubigen. Da ist auf der einen Seite die Verfolgung und auf der anderen Seite die Verzögerung der verheißenen Wiederkunft. Diese Bedrückung führt zu dem Schrei: "Wie lange schaffst du nicht Recht?" 56 Mal wird im Alten Testament die Frage gestellt: "Wie lange noch?". Diese Frage brannte den Gläubigen aller Zeitalter auf der Seele. Der Psalmbeter rief aus (Ps 35,17): "Herr, wie lange noch willst du zusehen? Errette doch meine Seele vor ihrem Unheil!" - Und in Psalm 79.10 steht: "Lass unter den Völkern vor unsern Augen kundwerden die Vergeltung für das Blut deiner Knechte, das vergossen ist." Der Prophet Habakuk rief aus (Habakuk 1,2): "Herr, wie lange soll ich schreien, und du willst nicht hören? Wie lange soll ich zu dir rufen: "Frevel", und du willst nicht helfen?"

Selbst die Engel fragen Gott: "Wie lange noch?" - In Sach 1,12 steht: Da sprach der Engel des Herrn: "Herr Zebaoth, wie lange noch willst du dich nicht erbarmen?" Diesen bangen Schrei haben auch in unserem Jahrhundert ungezählte um ihres Glaubens willen verfolgte und gemarterte Gläubige ausgestoßen, in den Konzentrationslagern der Nazis, in den Folterkammern der Gestapo, in den Straflagern Stalins, in der schrecklichen Verfolgung durch den blutdürstigen Diktator Amin in Uganda und an vielen anderen Plätzen dieser Welt.

Jesus selbst hat davon gesprochen, dass seine Auserwählten in der großen Bedrängnis dieser Weltzeit zu ihm schreien werden. In Lk 18,7 steht: "Sollte Gott nicht auch Recht schaffen seinen Auserwählten, die zu ihm Tag und Nacht rufen, und sollte er's bei ihnen lange hinziehen? Ich sage euch: Er wird ihnen ihr Recht schaffen in Kürze."

 

In dem Ruf "Herr, wie lange noch? - Wann schaffst Du endlich Recht auf Erden? Wann beweist du deinen Feinden, dass du als der Heilige und Gerechte ihre Rebellion wider dich strafst und die Deinen errettest?" - In diesem Ruf vereinigt sich die ganze verfolgte Gemeinde von den ersten Verfolgungen unter Nero bis zu den furchtbaren Verfolgungen unter Stalin in Russland und letztendlich bis zur großen in Offenbarung 13 geweissagten endzeitlichen Verfolgung. In Off. 13,15 steht, dass jeder getötet werden sollte, der das Bild des Tieres nicht anbeten würde.

Es erfordert viel Glaubenskraft, die Zweifel an Gottes Gerechtigkeit zu überwinden, wenn die gottfeindlichen Mächte scheinbar ungestraft triumphieren und Gottes Kinder durch das Feuer der Trübsal gehen müssen.

 

Gott tadelt den Schrei der Märtyrer nicht. Er hört auf ihr Schreien. Er handelt zu ihren Gunsten. Die Bibel sagt: Jeder bekam ein weißes Kleid. 

 

IV. DAS WEISSE KLEID

Gott bekennt sich zu ihnen. Haben ihre Ankläger ihnen Teufelskleider angezogen, so gibt ihnen Jesus das Kleid seiner Gerechtigkeit, das Kleid der Sieger und Überwinder. Er rechtfertigt sie vor dem ganzen Universum. Jesus sagt zu ihnen: Ihr seid in meinen Augen freigesprochen und nicht verurteilt. Euer Opfer war nicht umsonst. Die heidnischen Gerichte haben euch als Verbrecher verurteilt, die Inquisitionsgerichte haben euch als Ketzer gebrandmarkt, und die Gestapo und der KGB haben euch wie Ungeziefer behandelt, aber ich bekenne mich zu euch.

Die Offenbarung sagt uns, dass das weiße Kleid das Zeichen des Sieges ist, der Rechtfertigung und Überwindung. Off. 3,5: „Wer durchhält und das Böse besiegt, der wird solch ein weißes Kleid tragen. Offb 7,13.14: „Weißt du, wer diese Menschen mit den weißen Kleidern sind und wo sie herkommen?... Sie kommen aus Verfolgung, Leid und Bedrängnis. Im Blut des Lammes haben sie ihre Kleider rein gewaschen. Offb 19,8 Jetzt ist der große Hochzeitstag des Lammes gekommen; seine Braut ist bereit! In feines, strahlend weißes Leinen durfte sie sich kleiden.

Geschichtlich gesehen begann die Vergabe des weißen Kleides, die Rechtfertigung der Ketzer mit der Anerkennung der Reformation. Die als Teufelsgenossen und Ketzer geschmähten Menschen wurden nun als treue Zeugen des wahren Evangeliums geehrt. Wo früher Scheiterhaufen standen, errichtete man Gedenksteine. Die Geschichte pries ihre Standhaftigkeit und ihren Glauben. Städte und öffentliche Plätze wurden nach den Namen von ehemaligen Ketzern benannt.

 

Doch die eigentliche Befreiung war noch nicht gekommen. Die Zeit der Trübsal war noch nicht zu Ende. Jesus sagte: "Wartet noch so lange, bis sich das Schicksal eurer Brüder und Leidensgefährten auf der Erde erfüllt hat, die auch noch getötet werden müssen."

 

V. DIE TRÜBSALSZEIT IST NOCH NICHT VORBEI

Es fällt uns gewiss schwer, zu begreifen, warum die Zahl der Märtyrer erst ganz erfüllt sein muss, bevor die endgültige Heilszeit anbrechen kann. Wir wissen nur, dass Gottes Werk am schnellsten durch Verfolgung und Martyrium wächst.

Dies ist eine Tatsache, die in der Kirchengeschichte bewiesen ist. Während der schrecklichen Verfolgungen in Angola und Uganda sind die Adventgemeinden rapide gewachsen. Während die westlichen Länder mit ihrer Freiheit und ihrem Wohlleben kein Wachstum haben.

Den von Johannes geschauten Märtyrern wird gesagt: "dass sie ruhen müssten noch eine kleine Zeit". Auch diese Aussage macht deutlich, dass die Seelen unter dem Altar sich in einem Ruhezustand befinden. Bereits dem Propheten Daniel wurde von Gott gesagt (Daniel 12,23): "Du aber, Daniel, geh hin, bis das Ende kommt, und ruhe, bis du aufstehst zu deinem Erbteil am Ende der Tage."

 

Haben die Feinde versucht, die gläubigen und treuen Nachfolger Jesu auszurotten, so schützt sie Jesus vor dem letzten Gericht. Er gibt ihnen die Gewissheit des ewigen Lebens in der Auferstehung am Jüngsten Tage. Den Getöteten am Altar wurde gesagt, sie müssten noch eine kleine Zeitruhen bis dass vollends dazu kämen ihre Mitbrüder, die auch noch getötet werden sollten gleichwie sie.

 

Die Notwendigkeit für diese Ruhezeit wird hier in ähnlicher Weise begründet, wie in Gottes Zusage an Abraham. In 1. Mose 15,16 wird Abraham gesagt, warum er und seine Nachkommen erst nach 400 Jahren das verheißene Land erhalten können. "Du sollst fahren zu deinen Vätern mit Frieden und in gutem Alter begraben werden. Deine Nachkommen sollen erst nach vier Menschenaltern wieder hierher kommen; denn die Missetat der Amoriter ist noch nicht voll!"

Gott konnte Abraham das verheißene Erbteil nicht geben, bis die Bosheit der Amoriter voll war, und das dauerte Jahrhunderte. .Genauso war es mit Jerusalem. Die von Gott angekündigte Zerstörung trat erst ein, als die Übertretungen und Sünden dieser Stadt ihren Höhepunkt erreicht hatten. Jesus sagt, genauso wird es in der letzten Zeit gehen. Die geweissagte Heilszeit, der Anbruch des messianischen Friedensreiches kann erst kommen, wenn das Böse so ausgereift ist, dass sein wahrer Charakter vor dem ganzen Universum offenbar geworden ist. Wir leben in diesen Tagen. Jetzt kommt alles zur letzten Reife. Bald wird sich erfüllen, was Johannes in einer weiteren Vision schaute. Off. 14,14-19. 

 

Die weltweite Verkündigung der dreifachen Engelsbotschaft wird als Ergebnis eine zweifache Ernte hervorbringen. Eine Ernte des Lebens und eine Ernte des Todes. Jene, die das Evangelium angenommen haben, werden das Siegel Gottes erhalten. Sie werden sich auszeichnen durch ihre Treue zu Gottes Geboten und durch ihre Wesensgemeinschaft mit Christus, ihrem Erlöser. Diejenigen aber, die Gottes letzte Botschaft verworfen haben,, werden immer mehr dem satanischen Geist verfallen und schließlich mit dem Teufel vernichtet werden.

 

Das gesamte Universum wird die Frucht von Gut und Böse in einer Weise erkennen, wie nie zuvor. Dann wird der gerechte und heilige Gott sagen: "Es ist vollbracht!  Der Kampf ist vorüber. Dann werden alle Engel und himmlischen Wesen bekennen: "Wer sollte dich, Herr, nicht anerkennen, und wer deinen Namen nicht rühmen und ehren? Nur du allein bist heilig! Alle Völker werden kommen und dich anbeten, denn alle werden deine Gerechtigkeit erkennen!" So steht es in Off. 15,4 - so hat es Johannes bereits in der Vision gehört.

Christus wird kommen und seinen treuen Nachfolgern das Reich geben, für das sie gelitten haben. Dann wird die so oft gestellte Frage "Herr, wie lange schaffst du nicht Recht?" für immer verstummen.

 

Möge es uns geschenkt sein, in Treue auszuharren und am Ende der Tage das ewige Erbe zu empfangen.

 


ZEICHEN DES ENDES UND DER WIEDERKUNFT JESU

Das 6. Siegel (Off. 6,12-17)

 

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Glaubensfreunde,betrachten wir das 6. Siegel, das den Beginn und die Vollendung der Endzeit offenbart. Es zeigt uns, an welcher Stelle der Geschichte wir angekommen sind und gibt uns die Gewissheit, dass Christus bald wiederkommen wird.  Wir lesen in Off. 6,12-17.

 

Die meisten Bibelausleger behaupten, die von Johannes beschriebenen Katastrophen auf der Erde und im Kosmos seien nicht buchstäblich zu nehmen, sondern geistig zu deuten. Das Erdbeben weise auf einen Zusammenbruch der Kulturen, der Geisteswissenschaften und der Weltanschauungen hin. Die Zivilisation würde in ein Chaos stürzen. Die Verdunkelung der Sonne und die blutrote Verfärbung des Mondes weise auf eine anarchistische Entwicklung hin, in  der die Führungskräfte an Macht und Einfluss verlieren und in der es zu einem großen Blutvergießen kommt.  Das 6. Siegel künde politische und soziale Revolutionen an, durch die bewährte Ordnungen und Systeme verändert werden und eine gesellschaftliche Katastrophe entstehe.

 

Andere sagen, die im 6. Siegel beschriebene Katastrophe tritt ein, wenn Gott die Lebenskräfte aus der Welt nimmt, die von ihm selbst stammen. Sie machen folgende Übertragung: Die Sonne am Himmel der Menschheit ist Christus. Diese wird im letzten Zeitabschnitt völlig verdunkelt. Christus wird nicht mehr zu finden sein. Seine Botschaft und Wahrheit nicht mehr erkannt werden. Das Leben wird trostlos und leblos dahinwelken, Wie Pflanzen ohne Sonnenschein. Im Mond, der kein selbständiges Licht hat, sehen sie ein Symbol für das Gesetz Gottes. Sie sagen, in der letzten Periode wird Gottes Gesetz jeden Einfluss zum Guten verlieren. Blutvergießen wird an der Tagesordnung sein. Deshalb ist der Mond rot wie Blut. Die Sterne sind in der modernen Auslegung Sinnbilder für die großen Persönlichkeiten im Reiche Gottes, die der Menschheit Richtung weisen. In der letzten Zeit würde es solche geistesmächtigen Persönlichkeiten nicht mehr geben. 

 

Wer die Bibel durch die Bibel auslegt, und das ist die einzig legitime Auslegung, kann dieser symbolischen Übertragung nicht zustimmen. George Eldon Ladd sagt in seinem Kommentar zum 6. Siegel: "Die Sprache ist nicht symbolisch um politische oder geistige Vorgänge zu schildern, sie beschreibt eine wirkliche kosmische Katastrophe deren eigentlichen Charakter wir nicht ermessen können."

 

ZEICHEN  KÜNDEN DEN TAG DES HERRN

Die im 6. Siegel beschriebenen Ereignisse stehen in engem Zusammenhang zu Worten Jesu und der Propheten, mit denen die Nähe und die Ankunft des großen Gerichtstages Gottes beschrieben werden. Um die bei der Eröffnung des 6. Siegels offenbarten Ereignisse beschreiben zu können, greift Johannes auf die Zeichen zurück, die Jesus vorausgesagt hat. Die in Off. 6 erwähnte Sonnen- und Mondfinsternis, der Sternenfall, das kosmische Beben und die panikartige Angst finden wir bereits in den Endzeitreden Jesu. 

z.B.: Matth. 24,7 u. 29 (Hfa): "In vielen Teilen der Welt wird es Erdbeben geben... Unmittelbar nach der großen Schreckenszeit werden sich Sonne und Mond verfinstern Die Sterne werden aus ihrer Bahn geschleudert, und die kosmischen Kräfte geraten durcheinander...." In Markus 13,24.25 steht: "Aber zu der Zeit nach dieser Trübsal, werden Sonne und Mond ihren Schein verlieren, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen. Und dann werden sie des Menschen Sohn kommen sehen in den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit."  Lk. 21,25 (Hfa): "Zu dieser Zeit werden Zeichen an Sonne, Mond und Sternen Unheil verkünden. Angst und schreckliche Ratlosigkeit beherrschen die Menschen… "

 

Johannes greift aber nicht nur auf Worte Jesu zurück. Er verwendet gleichzeitig Bilder, mit denen die Propheten den "Tag des Herrn" beschrieben. z.B.: Jes 13,9-11 / Joel 3,3.4; Wir dürfen deshalb davon ausgehen, dass in Off. 6,12-17 die gleiche Sache beschrieben wird. Wer die biblischen Zusammenhänge beachtet ist davon überzeugt, dass das 6. Siegel das Ende dieser Weltzeit ankündigt.

 

Illustration: Menschen, die früher in Fachwerkhäusern wohnten und bei Sturm das Gebälk ächzen und knistern hörten, waren alarmiert. Ihr Haus war in seinem Gefüge angebrochen. Es mochte noch eine Weile stehen; konnte aber auch plötzlich einstürzen. Von diesem Knistern im Gebälk des Weltgebäudes handelt das 6. Siegel. Im Unterschied von den vorangehenden Siegeln kündet es schon das Ächzen und Brechen der endzeitlichen Katastrophe an.

Johannes wusste, Jesus sprach von wirklichen Ereignissen, die vor seinem Kommen eintreten und die Endzeit ankündigen. Die im 6. Siegel enthüllten Ereignisse setzen sich aus vielen alttestamentlichen Einzelbildern zusammen: Die Sonne schwarz, als trüge sie Trauer, der Mond in unheimliches Rot getaucht, die Sterne vom Himmel auf die Erde geworfen wie unreife Feigen vom sturmdurchschüttelten Baum, das Himmelszelt zusammengeschrumpft wie eine aufgewickelte Pergamentrolle, auf Berge und Inseln in wankender Bewegung - haben sich diese Vorgänge bereits ereignet oder haben wir ihre Erfüllung noch vor uns? Das ist die uns bewegende Frage. An welchem Zeitpunkt der sieben Siegel sind wir angekommen? Was ist unser Standort und unsere Zukunft?

 

DIE ERFÜLLUNG DER ZEICHEN UND DER BEGINN DER ENDZEIT

Achten wir sorgfältig auf die Worte Jesu. Jesus hat den Beginn dieser Zeichen deutlich terminiert. Sie sollten zu einer bestimmten Zeit eintreffen. Jesus sagte in Matth-24,29: "Bald aber nach der Trübsal jener Zeit...."! - Andere Übersetzungen sagen: "Sogleich aber nach der Drangsal jener Tage..." (ZB) "So bald die Leiden jener Tage vorüber sind..." (NEB) "Bald aber nach dieser Schreckenszeit. . . " GN) . Von welcher Trübsalszeit spricht Jesus? In Matth. 24,9 sagt Jesus: "Alsdann werden sie euch überantworten in Trübsal und werden euch töten. Und ihr werdet gehasst werden um meines Namens willen." Und in Vers 21 spricht Jesus davon, dass die Zeit dieser Trübsal verkürzt würde.

 

Das 6. Siegel ist Gottes Antwort auf das Rufen der Märtyrer wie sie im 5. Siegel vorgestellt wurden. Das 4. Siegel hatte uns die Verfolgung der wahren Gläubigen durch die Inquisition vor Augen gestellt. Eine Leidenszeit, von der ein Historiker sagte: "Es ist kaum möglich, ein Christ zu sein, und auf seinem Bette zu sterben." Etwa 50 Millionen Menschen sollen in dieser großen Trübsalszeit ihr Leben verloren haben.

 

Der letzte Ketzer, ein Pastor der Reformierten Kirche, wurde in Frankreich 1762 hingerichtet. 1773 verbot Papst Clement XIV. die Tätigkeit der Jesuiten. Uriah Smith, bemerkt darum in seinem Kommentar zur Offenbarung über die von Jesus erwähnte Trübsalszeit: "Es ist der Zeitraum der langen und blutigen Verfolgung unter der Tyrannei der Päpste.... Diese Tage begannen mit dem Jahre 538 und endeten 1789. Doch schon vor Ablauf dieser Trübsalszeit hatte die Reformation der päpstlichen Verfolgungswut Schranken gesetzt und dadurch die Trübsalszeit verkürzt. Und in dieser von der Prophetie festgesetzten Zeit, wurden die Zeichen erfüllt."  Wir wollen einmal sehen, ob diese Behauptung stimmt und ob die im 6. Siegel erwähnten Naturereignisse in der vorhergesagten Reihenfolge eingetroffen sind und welche Wirkung sie auf die Menschen hatten. Johannes sagte: "Als das Lamm das 6. Siegel öffnete, gab es ein gewaltiges Erdbeben.“

 

1. DAS GROSSE ERDBEBEN

Eines der ausgedehntesten Erdbeben nach Beendigung der päpstlichen Verfolgungszeit und am Beginn der Neuzeit ereignete sich am 1. Nov. 1755 in Lissabon. Zwischen 9.40 und 10.oo Uhr wurde die reiche, prachtvolle Stadt durch drei Erdstöße in einen Trümmerhaufen verwandelt. Etwa 90.000 Menschen fanden den Tod. Das Erdbeben löste auch eine riesige Flutwelle und eine große Feuersbrunst aus. Durch diese Katastrophe wurden achtzig Kirchen und Klöster zerstört. Das erste Hauptgebäude aber, welches einstürzte, war das Inquisitionsgericht. Ihm folgte das prachtvolle Jesuitenkollegium und begrub alle seine Bewohner.

 

Bei diesem Erdbeben handelte es sich nicht um ein lokales Beben. Die Gesamtfläche der Erschütterung hatte einen Umfang von 2,5 Millionen Quadratkilometer. Das Beben wurde sogar in den über 3000 km entfernten Seen Skandinaviens registriert. Und die durch das Erdbeben ausgelöste Flutwelle erreichte die über 6000 km entfernte Karibikinsel Barbados. Das Erdbeben wurde in Europa, Afrika und selbst in Asien verspürt und ging unter dem Ozean nach Amerika hinüber. Die ungewöhnliche Ausdehnung dieses Bebens bezeugt Menzels Naturkunde 1/194: "Das Erdbeben von Lissabon am 1. Nov. 1755 war eines der größten, indem man seine Wirkungen auf einem Viertel der gesamten Erdoberfläche spürte."

 

Das Erdbeben warf für Philosophen und Theologen ein altes Problem neu auf: Wie kann ein allmächtiger und gütiger Gott ein so gewaltiges Unglück wie das Erdbeben von Lissabon zulassen? Warum hatte das Beben die Hauptstadt eines streng katholischen Landes getroffen? Und warum ausgerechnet am Festtag Allerheiligen? Warum zerstörte das Beben Kirchen, verschonte aber das Rotlichtviertel? An diesem Diskurs beteiligten sich Gelehrte wie Voltaire,  Kant und Lessing. Das Ereignis beendete das Zeitalter des Optimismus. Pessimismus wurde zur Grundströmung. Viele Menschen fingen an zu sagen: "Wenn Gott sich nicht um uns kümmert, dann ist es besser, dass wir unser Schicksal selbst in die Hand nehmen." Es entwickelte sich eine Grundströmung, die sich eine Generation später in den Gewaltakten der Französischen Revolution entlud. Ein geistiges Erdbeben, das den Kurs der Geschichte veränderte und bestimmte.

 

Als nächstes Ereignis sollte die Sonne schwarz und finster und der Mond rot wie Blut werden.

 

2. DIE VERFINSTERUNG DER SONNE UND DES MONDES

Gemäß der im 6. Siegel angegebenen Reihenfolge, geschahen nach dem Erdbeben von Lissabon Zeichen an Sonne, Mond und Sternen. Die Sonne sollte schwarz werden wie ein härener Sack. Der härene Sack, aus dem groben Haar dunkelbrauner oder schwarzer Ziegen gewebt, eignete sich besonders als Gewand der Trauer oder auch der Scham des Verurteilten. 

In Jes 24,23 steht: "Der Mond wird schamrot werden und die Sonne sich schämen." In Amos 8,9 spricht der Herr: "Zur selben Zeit, spricht Gott, der Herr, will ich die Sonne am Mittag untergehen und das Land am hellen Tag finster werden lassen."

 

Am 19. Mai 1780 dehnte sich in Nordamerika eine ganz merkwürdige Finsternis aus. Diese Finsternis ging als "Der finstere Tag" in die Geschichte ein. Der Astronom Herschel erklärte: "Der finstere Tag war eine jener wundervollen Naturerscheinungen, von welchen mit Interesse gelesen wird, die aber keine Philosophie erklären kann.“ Bei dieser Finsternis handelte es sich nicht um eine normale Sonnenfinsternis. Dr. Samuel Stearns schrieb in der Zeitschrift "Independent Chronicle" vom 22. Juni 1780: "Dass die Verdunkelung nicht durch eine Sonnen- oder Mondfinsternis verursacht worden war, steht durch die verschiedenen Stellungen der Planeten unseres Systems zu jener Zeit fest, denn während des ganzen Tages war der Mond über 150 Grad von der Sonne entfernt."

 

In einigen Gebieten wurde es am Mittag so finster, dass man sich gegenseitig nicht mehr sehen konnte. Die Menschen zündeten Kerzen und Fackeln an. Die Wirkung auf die Bewohner beschreibt ein Historiker mit folgenden Worten: "Tausende wurden zu jener Zeit völlig überzeugt, dass das Ende aller Dinge herbeigekommen sei. Die Massen glaubten, das Ende der Welt sei hereingebrochen. Männer fielen öffentlich nieder, um zu beten; andere liefen zu ihren Nachbarn, um ihr  Unrecht zu bekennen, eine Menge eilte in die Kirchen, wo die Prediger sie zur Buße aufriefen, überall gedachten an diesem Tag voller Wunder und Schrecken die einst so sorglosen Menschen ihrer Sünden und ihres Schöpfers."

 

Obgleich am 19. Mai 1780 Vollmond war, so war doch nach Augenzeugenberichten die Finsternis so pechschwarz, dass man selbst Pferde nicht bewegen konnte, ihre Ställe zu verlassen. Ein weißes Blatt Papier vor das Auge gehalten, war ebenso unsichtbar wie der schwärzeste Samt. Wann immer der Mond in jener Nacht erschien, so war er blutrot, ganz wie die Weissagung es vorhergesagt hatte. Die Ursache dafür ist nie ergründet worden, obgleich es an Untersuchungen nicht gefehlt hat.

 

1783 gab es in Europa ebenfalls einen denkwürdig finsteren Zeitabschnitt. Menzel bezeugt in seiner Naturkunde 1. ,S.279: "Die Luftverfinsterung dehnte sich von Lappland bis nach Afrika aus." Ein anderer Beobachter schrieb: "Ein Dunst, der keiner bekannten Ursache zuzuschreiben war, erfüllte die ganze Luftschicht über das gesamte Festland hin, bis weit nach Asien hinein."

Das Ergebnis war: Die Kirchen Europas waren gedrängt voll von erschreckten Menschen, welche die Barmherzigkeit des Himmels anflehten. Der englische Dichter Cowper gab den allgemeinen Gefühlen mit den Worten Ausdruck: "Alle Elemente predigen aller Schicksal laut!" Wir sehen, die von Jesus geweissagten Zeichen der Zeit erschienen in der von ihm vorhergesagten Art und Reihenfolge. So war es auch mit dem nächsten Ereignis, dem großen Sternenfall.

 

3. DER STERNENFALL

Johannes schrieb: "...und die Sterne des Himmels fielen auf die Erde, gleichwie ein Feigenbaum seine Feigen abwirft, wenn er von einem großen Wind bewegt wird.“ Gegen Ende des 18. Jahrhunderts und zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden an vielen Plätzen .große Sternschnuppenfälle registriert. Doch der gewaltigste war der vom 13. Nov. 1833.

Das ganze Firmament über den Vereinigten Staaten war damals stundenlang in feuriger Bewegung. Prof. Olmstead von der amerikanischen Yale Universität, gibt seine Beobachtungen so wieder: "Der Sternenfall am Morgen des 13. Nov. 1833 ist wahrscheinlich die größte Entfaltung himmlischen Feuerwerkes gewesen, das Seit Erschaffung der Welt stattgefunden hat." - Die Zahl der 1833 in Kanada in einer Nacht erblickten Sternschnuppen schätzt man auf 500.000, der ganze Himmel schien in einem Feuerregen zu stehen. Sie fielen zeitweise dicht wie Schneeflocken. Die Sternenregen sind den Astronomen erst im letzten Jahrhundert seit dem Anbruch der Endzeit aufgefallen.

 

Der Sternenfall wurde allgemein als eine Erfüllung göttlicher Weissagung angesehen. Er wurde als Vorbote des nahenden Gerichtstages betrachtet. Doch viele behaupteten auch,  der Sternenfall sei kein Gotteszeichen, sondern eine alle 33 Jahre wiederkehrende Naturerscheinung. So erwartete man für 1899 einen weiteren großen Sternenregen. Aber er kam nicht. Gott hatte den Beginn der Endzeit angekündigt. Eine ständige Wiederholung ist nicht nötig. Menschen, die diese Zeichen erlebten, brachten sie mit dem großen Gerichtstag Gottes in Verbindung. Als die Sterne fielen, konnte man allerorten den lauten Ruf vernehmen: "Das Weltgericht ist gekommen; Die Welt geht zu Ende!"

 

Henry D. Ward, Direktor der Anglikanischen Kirche von St. Judas in New York City, ein Zeitgenosse jener Ereignisse schrieb: "Wir fühlten in unserem Herzen, dass dies ein Zeichen der letzten Tage war. Denn wahrhaftig, die Sterne des Himmels fielen auf die Erde, wie ein Feigenbaum seine unreifen Feigen abwirft; wenn er von einem starken Wind bewegt wird. Diese Ausdrucksweise des Propheten erschien immer als eine symbolische Beschreibung. Gestern haben wir ihre buchstäbliche Erfüllung erlebt."

 

Die von Jesus angekündigten Zeichen des Endes sind in der vorhergesagten Reihenfolge eingetroffen. Sehen wir uns nun die Bedeutung und Wichtigkeit dieser Zeichen an:

Was ist das Außergewöhnliche an diesen Zeichen?

 

1. ihre Größe, ihr Ausmaß 

Das Erdbeben von Lissabon erfasste eine außergewöhnlich große Fläche des Erdballs. Es veränderte ebenso das Denken der Menschen. Es öffnete das Tor für eine Ära des Pessimismus. Der Finstere Tag vom 19. Mai 1780 erlebte in den letzten 200 Jahren keine ähnliche Wiederholung.. - Der Sternenfall vom 13. Nov. 1833 bewirkte eine beachtliche Entwicklung in der astronomischen Forschung. Trotz wissenschaftlicher Erwartungen hat er sich nicht noch einmal so ergeben.

 

2. ihr Erscheinungsort

Die Zeichen traten vorrangig in Europa und Nordamerika auf, sie erschienen in Ländern, in denen Menschen die Bibel studierten und die Prophezeiungen beachteten. Sie geschahen wo Menschen ihre Wichtigkeit wahrnehmen und die Ereignisse verbreiten konnten. Ein finsterer Tag über der Sahara oder in New Guinea hätte für die Kannibalen, Kopfjäger und moslemischen Nomaden nur wenig Bedeutung gehabt.

 

Ereignisse müssen nicht universal geschehen, um eine weltweite Botschaft zu vermitteln. Ein paar Quadratkilometer in Hiroshima und Nagasaki reichten aus, um das atomare Zeitalter der Welt anzukündigen. Und die Ereignisse in einem Stall des kleinen unbekannten Dorfes Bethlehem verursachten das christliche Zeitalter. Niemand von uns war dabei als Jesus, von den Toten auferstand. Aber einige sahen das leere Grab und gaben die gute Nachricht weiter. Und das reichte aus, eine weltweite christliche Gemeinde ins Leben zu rufen.

 

Vor einigen Jahren berichtete eine Tageszeitung von einem Zug, der regelmäßig und schnell hintereinander das Hornsignal gab während er sich einem Bahnhof näherte. Die wartenden Passagiere beachteten das Signal kaum. Einige Eisenbahnangestellte verstanden das Zeichen. Sie wussten die Bremsen des Zuges funktionieren nicht. Sofort befahlen sie allen Fahrgästen den Bahnsteig und die Warteräume zu verlassen. Der Zug rammte den Bahnstein und zerstörte die Warteräume. Aber niemand wurde verletzt, weil einige das Zeichen verstanden und allen anderen Menschen richtig weitergegeben hatten.

 

Weil die Endzeitzeichen dort erschienen, wo es Menschen gab, die sie erkennen und verstehen konnten, erfüllten sie ihren von Gott gegebenen Zweck, die Welt zu warnen und auf Jesu Wiederkunft vorzubereiten. Die Geschichte bestätigt, dass aufgrund dieser Zeichen die weltweite Adventbewegung entstand, die Jesu baldige Kommen in allen Ländern der Welt verkündigt.

 

3. der Zeitpunkt ihrer Erscheinung

Jesus sagte, dass diese Zeichen nach Beendigung der großen Trübsalszeit auftreten würden. Und so geschah es Sie kamen zur richtigen Zeit. Nur wenige Jahre nach diesen Ereignissen begann die weltweite Verkündigung der Adventbotschaft. Die dreifache Engelsbotschaft, Gottes letzte Warnung- und Gerichtsbotschaft von Off. 14 wird allen Völkern, Sprachen und Zungen verkündigt. Im Jahre 1844 endeten die in Daniel 8,14 genannten 2300 Jahre. Im Himmel begann das Prüfungs- und Rechtfertigungsgericht für die Himmelsanwärter, wie es Daniel in einer Vision gezeigt wurde. Die Durchsicht der himmlischen Gerichtsbücher findet statt. Jetzt wird vor den Engeln bewiesen, dass Gott gerecht ist, wenn er bei Jesu Wiederkunft den einen Menschen annimmt und einen anderen verwirft. Bald wird Christus wiederkommen in Kraft und Herrlichkeit.

 

Durch Zeichen an Sonne, Mond und Sternen hat Jesus den Beginn der Endzeit und die Nähe seiner Wiederkunft angekündigt. F15 Durch diese Zeichen möchte er uns und viele andere Menschen zur Umkehr rufen, er warnt uns durch diese Zeichen, weil er unsere Rettung möchte. Gott sagt uns durch den Propheten Joel, welches Resultat diese Zeichen bringen sollen. Joel 3,4.5: "...und es soll geschehen, wer des Herrn Namen anrufen wird, der soll gerettet werden,"

 

In unseren Tagen erfüllt sich ein weiteres Zeichen vor unseren Augen. Johannes sagte: "Wie eine Buchrolle, die man zusammenrollt, verschwand der Himmel vor meinen Augen".

 

EIN ZEICHEN IN UNSEREN TAGEN 

Was ist mit dem Verschwinden des Himmels gemeint? Was rollt weg wie eine Pergamentrolle? - Dieser Vorgang kann sich nicht auf den astronomischen Himmel beziehen. Er muss sich auf den atmosphärischen Himmel beziehen. Die den Erdkreis umgebende Atmosphäre, - auch das Firmament genannt - wird in der Bibel Himmel bezeichnet. 1. Mose 1,6

 

In den Tagen der Wiederkunft Christi wird die Atmosphäre verschwinden. Heute hören wir öfters vom dem immer größer werdenden Ozonloch, das bereits die Größe der Sowjet Union einnimmt und die Menschen schutzlos den krebserregenden Strahlen des Universums aussetzt. Wir leben zur Zeit des 6. Siegels. Wir leben in der Endzeit. Der größte Teil des 6. Siegels hat sich bereits erfüllt. Bald werden sich die im 6. Siegel beschriebenen Ereignisse in einer viel größeren Dimension weltweit wiederholen.

 

Als Christus auf Golgatha starb, so berichten die Evangelisten als Augenzeugen, wurde es plötzlich um die Mittagszeit im ganzen Land dunkel. Diese Finsternis dauerte drei Stunden. Die Erde bebte und die Felsen zerbrachen. – Wie wird die Natur erst reagieren, wenn Christus zum Weltgericht erscheint?

 

Bei Jesu Wiederkunft werden unvorstellbare Kräfte in Bewegung geraten. Die ganze Schöpfung wird in Aufruhr sein. Johannes sah: "Die Berge wankten und stürzten in sich zusammen, und die Inseln versanken." - Gegen dieses Ereignis wird selbst das Erdbeben von Lissabon ein Sandkastenspiel sein. Der Prophet Jesaja beschreibt diesen Vorgang – Jes. 24,18-20. 

 

DIE WIRKUNG DER ENDKATASTROPHEN AUF DIE MENSCHEN - Off. 6,15-17.

Ein heftiges Erdbeben reicht aus, um auch die Nerven des Stärksten zu erschüttern. Hier aber bebt der ganze Erdball. Die Ordnungen in Schöpfung und Natur lösen sich auf. Die Wirkungen auf die unvorbereiteten Menschen sind fatal. Wahnsinnige Ängste und Schrecken erfüllen sie. Mit einem Schlag ist es  mit der stolzen Selbstsicherheit des von Gott gelösten Menschen vorbei. Die Menschen möchten wie Maulwürfe in die Erde kriechen. Gott hat diesen Vorgang bereits durch den Propheten Jesaja angekündigt. Jes. 2,19-21. Und Jesus hat es erneut bestätigt, dass der endzeitliche Mensch in seiner Angst verschmachten wird. Lk. 21.26.

Kein Mensch wird von dieser Angst ausgenommen sein. Johannes nennt sieben Gruppen von Menschen, um die Vollständigkeit zu betonen. Er spricht von den Mächtigen, den Herrschern, den Heerführern, den Reichen, den Starken, den Herren und den Untergebenen. Sie alle vereinen sich zur größten und schauerlichsten Gebetsgemeinschaft, die es je auf Erden gab. Die Angst schweißt sie zusammen, lässt alle Standesunterschiede verschwinden. Sie wollten Christus, das rettende Opferlamm Gottes, nicht anbeten. Jetzt flehen sie zu den Bergen  und zu den Felsen. 

 

Den weltweiten Aufruf, Gott zu fürchten und den Schöpfer anzubeten, ließen sie ungehört verhallen. Jetzt beten sie zu den Bergen und Felsen. Sie wünschen, die Berge mögen sie erschlagen. Sie wollen lieber tot sein, als vor Gott treten zu müssen. Sie alle fürchten sich vor dem Zorn des Lammes. Gottes geduldiges Zuwarten ist zu Ende. Die Zeit der Güte und Langmut ist endgültig vorüber. Das letzte Gericht setzt ein. Wegen ihrem durch die Ereignisse wachgerüttelten Gewissen ist ihnen der Anblick des wiederkommenden Erlösers und Weltenrichters unerträglich. 

 

Im 6. Siegel steht zum ersten Mal der gewaltige Ausdruck "Zorn des Lammes!" Es ist eine unumstößliche Tatsache, dass der Versöhner und Mittler der Welt einmal ihr Richter und Rächer sein wird. Jesus sagte nach Joh. 5,22: "Der Vater hat alles Gericht dem Sohnübertragen."  - Nichts ist so schrecklich wie der Zorn des Lammes. Diese Tatsache über den biblischen Christus hat die liberale Theologie bewusst übersehen. Viele christliche Gemeinschaften ergehen sich in einer süßlichen'' Lämmleinfrömmigkeit" und vergessen, dass das Lamm im Endgericht zum brüllenden Löwen wird. Das geduldige, scheinbar hilflose Opferlamm von Golgatha wird zuletzt das zornige Lamm. Das arglose Lamm wird zum "Rex tremendae majestatis" - zum Furcht erregenden, majestätischen Lamm, vor dessen Zorn sogar die Heiligen erbeben.

 

Der Lammeszorn ist für uns Menschen die eigentliche Katastrophe. Wenn der zürnt, der für uns den Zorn Gottes getragen hat, wer kann dann noch bestehen? Es wird offenbar werden, dass bei Christus Liebe und Zorn keine Widersprüche sind. Darum entschieden fort mit einer Theologie der Verharmlosung, die weder Gott noch seine Gebote, weder die Sünde noch Christus und seine Gemeinde ernst nimmt.

 

Wenn die Zeit des 6. Siegels zu Ende geht, bricht der Tag des göttlichen Zorns an. Keiner wird bestehen, der nicht von der Barmherzigkeit des Lammes gedeckt ist. Dem Zorn des Lammes kann niemand entkommen. So wie die Erlösung, die das Lamm am Kreuz für uns Sünder vollbracht hat, unwiderruflich ist, so auch der Zorn, der alle treffen wird, die diese Erlösung verachtet haben. Die Bibel sagt in Hebr. 10,31: "Schrecklich ist's in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen!"

 

Die im 6. Siegel angekündigten Zeichen haben sich größtenteils erfüllt. Wir können vertrauensvoll die Wiederkunft Christ erwarten. Wir sind durch die Ereignisse gewarnt. Wir können vorbereitet sein. Wir leben tatsächlich in der Endzeit. Das himmlische Vorwiederkunftsgericht Gericht tagt.           

                                                           

Dieses Wissen wird uns helfen, die richtigen Prioritäten in unserem Leben zu setzen. Es kommt jetzt darauf an, täglich in enger Verbindung mit unserem Erlöser, dem Lamm Gottes, zu leben und für sein Kommen bereit zu sein. Ich denke wir haben erneut gesehen, wie wichtig das Studium der Offenbarung und besonders der sieben Siegel für unser Leben heute und für unser ewiges Schicksal ist.

 

Die wichtigste Frage, die sich uns beim Studium des 6. Siegels stellt lautet: Wer kann  bestehen? Mit dieser Frage beschäftigen wir uns, wenn wir das 7. Siegel öffnen.

 

 

ZUM 7. SIEGEL

 

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